Das Blog ist ein Angebot des Caritasverbandes für de Diözese Osnabrück
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Heute wird meine Tochter neun Jahre alt. Sie freut sich wirklich riesig und ist stolz wie Oskar. Und diese Freude bezieht sich gar nicht soo sehr auf die Geschenke, hab ich das Gefühl (das wäre bei ihren älteren Geschwistern anders...). Sie findet es allerdings ziemlich toll, dass es um sie geht; das ganze Geburtstagstamtam gibt ihr – mit Recht - das Gefühl: sie ist etwas Besonderes, es ist schön, dass es sie gibt. Und für sie ist es schön, dass das andere auch sehen und ihr zeigen. Und ist nicht jede und jeder besonders?
Ich breche jetzt gleich zu einer Dienstreise auf. Meine Tochter hat mir für die nächsten Tage ein Foto von sich mitgegeben; darauf trägt sie lachend eine Krone auf dem Kopf. „Heute ein König“, so heißt es in einer Bierwerbung. Ja, sie ist eine Königin, und das nicht nur heute, und das nicht nur sie. In der Antike galten (nur) Könige als Ebenbilder Gottes. Wie besonders sie waren, wurde unter anderem durch eine Salbung mit kostbarem Öl deutlich. Im Christentum wird in der Taufe – auch eine Art Geburt - jeder Mensch gesalbt, zum Gesalbten (griechisch: „Christos“). Doch die königliche Würde, Ebenbild Gottes zu sein, die kommt jedem Menschen zu, ob getauft oder nicht, ob jung oder alt, ob stark oder schwach usw.
Wie halten Sie es mit Geburtstagen, dem eigenen und dem von anderen? Welche Erinnerungs- und Feierkultur haben Sie in Ihrer Familie oder an Ihrem Arbeitsplatz? Für mich ist das ein Beispiel für oder ein Ausdruck von achtsamem Umgang (und damit bin ich bei meinem Fastenzeitsthema...): Die Würde und Besonderheit, die Gottebenbildlichkeit eines Menschen wahrnehmen, wertschätzen, feiern.
Ich persönlich hab es nicht so mit Geburtstagen – aber warum eigentlich nicht? Ich möchte da achtsamer werden, ihre Bedeutungs- und Erinnerungskraft mehr wertschätzen. Auch das kann ich von meiner Jüngsten lernen...
Ihr Martin Splett
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In meiner Kindheit gab es bei Live-Übertragungen im Fernsehen manchmal technische Probleme. Dann tauchte auf dem Bildschirm ein Wort auf: Unterbrechung. Wenn man Glück hatte, ging bald schon wieder alles wie gewohnt weiter: die Eurovisionssendung, das Fußballspiel… Heute kennt man das nur von den Werbepausen.
Wenn der Theologe Johann Baptist Metz sagt: „Die kürzeste Definition von Religion heißt Unterbrechung“, dann meint er wohl etwas anderes als eine Pause, nach der alles wie gewohnt weitergeht. Es gibt kaum einen Tag, auf den das besser zutrifft als der heutige Aschermittwoch. Er will nicht nur das ausgelassene und fröhliche Feiern der Fastnacht unterbrechen, sondern vor allem den alltäglichen Gang des Lebens: die Gewohnheiten, die Selbstverständlichkeiten, das gedankenlose Tun und Lassen. Ein Weckruf zur Umkehr aus inneren und äußeren Abhängigkeiten.
Unterbrechung in diesem Sinne braucht Zeit. Vierzig Tage, so erfahren wir in der Bibel, nimmt sich Jesus Zeit; vierzig Tage fastet er in der Wüste. Und dann tauchen Fragen auf, die man auch in unsere Zeit übersetzen kann:
- Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, womit stillt er den Hunger seiner Seele? Spürt er noch seine Sehnsucht nach Leben, oder hat er sie längst zugestopft? Satt und sauber – soll das alles gewesen sein?
- Menschen verlieren immer wieder den Boden unter den Füßen: Krankheit, Belastungen der Arbeit, kaputte Beziehungen. Was trägt?
– Viele Menschen beten Macht und Herrschaft an; „dienen Gott und den Menschen, aber am liebsten möglichst weit oben“. Reichtum, Sicherheit, Karriere… Wovor falle ich auf die Knie?
„Bedenke Mensch, du bist Staub und zum Staub kehrst du zurück.“ Ein drastischer Weckruf am Aschermittwoch. Eine heilsame Unterbrechung. Und vielleicht der Anfang von etwas ganz Neuem: ein Programmwechsel sogar…
Diakon Dr. Gerrit Schulte, Caritasratsvorsitzender des DiCV Osnabrück
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Humor ist, wenn man trotzdem lacht, so heißt es bekanntlich bei Wilhelm Busch. Vieles, was passiert, ist lächerlich, doch nicht zum Lachen. Über Manches kann man manchmal nur noch lachen. Das Lachen sollten wir uns auch nicht nehmen und verbieten lassen. Auch wenn es uns bisweilen im Hals stecken bleibt. Auch wenn und gerade weil vieles ein Witz ist…
Apropos Witz:
George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump sind gestorben und stehen vor Gott. Gott fragt Bush: „Woran glaubst Du?“ Bush antwortet: „Ich glaube an Freiheit und Stärke.“ „Gut“, sagt Gott, „komm an meine Seite!“ Gott wendet sich an Obama und fragt: „An was glaubst Du?“ Obama antwortet: „Ich glaube an Demokratie und Solidarität.“ „Sehr gut!“, sagt Gott, „Komm an meine andere Seite.“ Dann fragt er Trump: „Was glaubst Du?“ Trump antwortet: „Ich glaube, Du sitzt auf meinem Stuhl.“
Was sagt der Optimist? „Das Glas ist halb voll.“ Was sagt der Pessimist? „Das Glas ist halb leer.“ Was sagt Donald Trump? „Der Wasserstand ist manipuliert!“ Wie wechselt Donald Trump eine Glühbirne? – Er hält die Birne und wartet, bis sich die Welt um ihn dreht.
Zu platt, plakativ, politisch, polemisch für einen Mittwochsimpuls? Dann vielleicht so:
Ein Rabbi betet zu Gott: “Lieber Gott, mein Sohn ist Christ geworden!” Gott: “Ja und? Meiner auch!” Rabbi: “Und was hast du gemacht?” Gott: “Ein Neues Testament geschrieben!”
Ich bin überzeugt, dass Gott Humor hat – schließlich hat er den Menschen erschaffen… Närrische Tage den Karnevalsjecken und keine muffeligen Tage den Fastnachtsmuffeln wünscht Martin Splett!
Bluna-PS: Sind wir nicht alle ein bisschen Trump?
Humor ist, wenn man trotzdem lacht, so heißt es bekanntlich bei Wilhelm Busch. Vieles, was passiert, ist lächerlich, doch nicht zum Lachen. Über Manches kann man manchmal nur noch lachen. Das Lachen sollten wir uns auch nicht nehmen und verbieten lassen. Auch wenn es uns bisweilen im Hals stecken bleibt. Auch wenn und gerade weil vieles ein Witz ist…
Apropos Witz:
George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump sind gestorben und stehen vor Gott. Gott fragt Bush: „Woran glaubst Du?“ Bush antwortet: „Ich glaube an Freiheit und Stärke.“ „Gut“, sagt Gott, „komm an meine Seite!“ Gott wendet sich an Obama und fragt: „An was glaubst Du?“ Obama antwortet: „Ich glaube an Demokratie und Solidarität.“ „Sehr gut!“, sagt Gott, „Komm an meine andere Seite.“ Dann fragt er Trump: „Was glaubst Du?“ Trump antwortet: „Ich glaube, Du sitzt auf meinem Stuhl.“
Was sagt der Optimist? „Das Glas ist halb voll.“ Was sagt der Pessimist? „Das Glas ist halb leer.“ Was sagt Donald Trump? „Der Wasserstand ist manipuliert!“ Wie wechselt Donald Trump eine Glühbirne? – Er hält die Birne und wartet, bis sich die Welt um ihn dreht.
Zu platt, plakativ, politisch, polemisch für einen Mittwochsimpuls? Dann vielleicht so:
Ein Rabbi betet zu Gott: “Lieber Gott, mein Sohn ist Christ geworden!” Gott: “Ja und? Meiner auch!” Rabbi: “Und was hast du gemacht?” Gott: “Ein Neues Testament geschrieben!”
Ich bin überzeugt, dass Gott Humor hat – schließlich hat er den Menschen erschaffen… Närrische Tage den Karnevalsjecken und keine muffeligen Tage den Fastnachtsmuffeln wünscht Martin Splett!
Bluna-PS: Sind wir nicht alle ein bisschen Trump?
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Am kommenden Sonntag sind im Evangelium berühmte Worte Jesu über die Christen dran:
“Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.” (Matthäus 5,13-16)
Als Caritastheologe und Klinikseelsorger beschäftigt mich öfters die Frage: Wie sollte sich das Christliche in den sozialen Einrichtungen der Kirche bemerkbar machen? Und welches Bild gibt Orientierung für konkrete Überlegungen? Jesus bietet da etwas an.
Mitunter kommt der Glaube als Puderzucker obendrauf auf den Alltagsbrei, oder er wird als Sahnesoße über alles drübergegossen, was sonst zu bitter schmecken könnte. Andere gebrauchen ihn wie wir zuhause die (oder das?) Nutella, nämlich nur sonntags oder zu besonderen Anlässen. Doch eigentlich machen Glaube und Christentum das Leben nicht süß.
Das Salz gibt dem Essen Würze. Es ist bereits in den Lebensmitteln und im Wasser; nicht immer muss man extra nachsalzen, manchmal aber schon. Mit Salz schmeckt das Essen besser, aber eben nicht nach Salz; denn richtig dosiert, verstärkt es den Eigengeschmack der Lebensmittel. Zuviel Salz verdirbt das Essen, zuwenig macht es schal.
Für mich ist „das Christliche“ in kirchlich-sozialen Einrichtungen ihre nährende Menschlichkeit, gewürzt mit dem Salz der Hoffnung; einer Hoffnung, die sich an Jesus Christus festmacht, an seinem Leben und Leiden - und an seiner Auferstehung. Darüber muss man nicht immer reden, doch tut es gut, sich ab und an daran zu erinnern, auf dass das Salz seinen Geschmack nicht verliert...
Das Bild vom eher unscheinbaren Salz ist gut für die Demut. Zugleich ergänzt es Jesus bewusst, selbstbewusst um das des Lichtes: leuchten und ausstrahlen darf und soll der Glaube, dürfen und sollen wir mit hoffnungsvoller Menschlichkeit – aber nicht blenden...
Martin Splett
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Der 6. Januar liegt schon wieder einige Tage zurück, noch am Sonntag waren junge Könige bei uns (Kinder als Könige – Könige als Kinder: großartiges Bild, oder?). Die biblische Geschichte von den Sterndeutern geht mir nicht aus dem Kopf, ihr Weg zur Krippe könnte auch zum Programm für uns werden:
„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ (Mt 2,1f.)
In der Winterzeit, in der Dunkelheit noch etwas Neues erwarten, Ausschau halten. Etwas Neues sehen, wenn auch noch in weiter Ferne, am Himmel. (Ohne die Finsternis schön zu reden: mancher Stern wird erst im Dunkeln sichtbar, Lebenskrisen bestätigen das bisweilen…). Die Augen aufmachen und das Herz; sich selbst aufmachen und auf die Suche machen. Andere fragen, wo ich nicht weiter weiß – wer weiß was? Gehen muss ich dann schon selbst.
„Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ (Mt 2,9-11)
Sich leiten lassen vom Licht, die Vision nicht aus den Augen verlieren; sie zugleich nicht einfach am Himmel lassen, sondern auf der Erde suchen, wo das Licht hinscheint. Sich von Freude erfüllen lassen – es gibt immer wieder Grund zur Freude! Die eigenen Schätze entdecken, hervorholen und teilen. Was hab ich, um es zu geben?
„Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ (Mt 2,12)
Zeit für das Träumen lassen; offen bleiben für Einsichten, die man nicht erdenken kann. Nach besonderen Erfahrungen wieder in das Gewohnte, in den Alltag zurückkehren - doch auf andere Weise, anders weitergehen, neue Wege probieren. -
Und all dies nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen, die mit auf dem Weg sind. Und all dies mit Gott – im Dunkeln, im Licht und in der Sehnsucht danach; im Aufbruch, unterwegs und am Ziel. In der Sorge, in der Hoffnung und in der Freude.
Glück und Segen auf Ihren Wegen wünscht Ihnen Martin Splett!
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Zum neuen Jahr eine alte Geschichte, die in vielen Variationen kursiert:
Ein alter Indianer sitzt mit seinem jungen Enkel am nächtlichen Feuer und erzählt ihm von zwei Wölfen, die in seinem Innern miteinander kämpfen: „Der eine, helle Wolf ist der Wolf der Kraft und der Freude, der Hoffnung und der Liebe. Der andere, dunkle Wolf ist der Wolf der Schwäche und der Sorge, des Zweifels und des Zornes.“ „Und welcher gewinnt?“, fragte der Junge. „Der, den du fütterst“, erwiderte der Alte.
Mit der Empfehlung, im noch frischen Jahr den richtigen Wolf zu füttern, könnte ich hier schließen. Aber ich hab ja noch Platz, also doch noch ein doppeltes Nachwort:
Vielleicht muss und sollte der dunkle Wolf nicht nur als Feind betrachtet und bekämpft werden; das stachelt ihn mitunter nur noch mehr an. Ähnlich wie beim inneren Schweinehund kann es dagegen helfen, ihn zu zähmen und als Verbündeten zu gewinnen. Denn auch er meint es im Grunde gut, will uns schützen. Und doch schadet er, wenn er nicht in seine Schranken verwiesen wird, wenn wir den hellen Wolf zu wenig stärken.
Zugleich bleibt für Christen nicht nur, aber besonders in der Weihnachtszeit richtig und wichtig: Licht und Finsternis halten sich nicht einfach die Waage, sondern – biblisch gesprochen -: Das Licht ist in die Welt gekommen, um die Finsternis zu erhellen, zunächst klein und unscheinbar. Und an Ostern feiern wir seinen Sieg…
Ihnen in diesem Jahr viel Futter für den hellen Wolf und zugleich einen guttuenden Zugang zur Energie des vielleicht dunklen, aber hoffentlich nicht nur finsteren Wolfes!
Martin Splett
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Es geht auf Weihnachten zu, das so genannte „Fest des Friedens“. In der Welt geht es allerdings ganz anders zu; und so recht weiß ich nicht, worauf wir zugehen, weltweit und in Deutschland. „Fürchtet Euch nicht“, sagt der Engel des Herrn zu den Hirten auf dem Feld – und zu uns. Gar nicht so ohne, diese Zu-Mut-ung, denn Anlass zu Furcht gibt’s schon…
Zufriedenheit, Erwartung, Glück, Berufung, so lauteten die Stichworte der bisherigen Mittwochsimpulse in der Adventszeit. Wozu sind wir berufen? Jesus spricht weniger vom Glück, dafür von der Seligkeit. Mit dem Glück ist es ja ohnehin so eine Sache, nicht zuletzt dann, wenn man bei eigenem Glück auch die Unglücklichen im Blick und im Herzen hat. Nicht unbedingt die, die Glück haben, sind selig zu preisen, sondern die, die sich treu bleiben, die mit sich im Reinen sein können, weil sie so leben, wie es ihrem Wesen entspricht. Und zu unserem Wesen gehört Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit, auf je eigene Weise.
Die berühmten Seligpreisungen Jesu kennen Sie wahrscheinlich (s. Matthäus 5,3-12); sehr angesprochen hat mich die Aktualisierung durch Papst Franziskus an Allerheiligen:
“Die Seligpreisungen sind in gewisser Weise der Personalausweis des Christen, der ihn als Anhänger Jesu ausweist. Wir sind berufen, Selige zu sein, Anhänger Jesu, indem wir den Leiden und Ängsten unserer Zeit mit der Gesinnung und der Liebe Jesu begegnen. So könnten wir auf neue Situationen hinweisen, die in neuer und stets gegenwartsbezogener Gesinnung zu leben sind: Selig, die im Glauben das Böse ertragen, das andere ihnen antun, und von Herzen verzeihen; selig, die den Ausgesonderten und an den Rand Gedrängten in die Augen schauen und ihnen Nähe zeigen; selig, die Gott in jedem Menschen erkennen und dafür kämpfen, dass andere auch diese Entdeckung machen; selig, die das „gemeinsame Haus“ schützen und pflegen; selig, die zum Wohl anderer auf den eigenen Wohlstand verzichten; selig, die für die volle Gemeinschaft der Christen beten und arbeiten… Sie alle sind Überbringer der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit Gottes... “
(http://w2.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2016/documents/papa-francesco_20161101_omelia-svezia-malmo.html)
Mir fallen konkrete Leute dazu ein, innerhalb wie außerhalb von Caritas. Wer so zu leben versucht, ist nicht immer glücklich. Und doch gibt Weihnachten Grund zur Hoffnung; das Gute wird siegen. „Ich verkünde Euch eine große Freude“, spricht der Engel des Herrn zu den Hirten – und zu uns. Diese Freude ist nicht immer eine fröhliche. Und doch müssen wir uns den Humor, die Fröhlichkeit und das Lachen nicht nehmen lassen, auch wenn es uns schon mal im Hals stecken bleibt. Gott ist damals in die Welt gekommen, unheil, wie sie war. Und auch heute kommt er in unsere Welt, unheil, wie sie ist. Und wo wir es wie Gott machen und Mensch werden, heilen wir in und mit Gottes Geist diese Welt ein wenig.
Möge es der Finsternis nicht gelingen, unsere Augen so zu verdunkeln, dass wir kein Licht mehr sehen. Ihnen gesegnete Weihnachten und einen guten Übergang in ein neues Jahr, das Ihnen viel Grund zur Freude bringen möge!
Martin Splett
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Nach adventlichen Unterbrechungen über die Zufriedenheit und das Warten schließt sich für mich stimmig das Thema „Glück“ an. Glücklich sein - wer will das nicht? Nur: Wann bin ich glücklich? Von der Antwort hängt auch ab, inwieweit ich selbst meines Glückes Schmied bin oder ob ich das Glück von woanders her zu erwarten habe.
Anders als Zufriedenheit ist für mich Glück mehr als das, was ich so zum Leben brauche. Und dieses „Mehr“ ist eine Frage der Qualität, nicht der Quantität.
Zur Anregung Ihrer Fantasie einige Antworten auf die Glücksfrage: Glücklich bin ich,
... wenn ich zufrieden bin, wenn es mir gut geht, wenn ich gesund bin.
... wenn mich meine Arbeit erfüllt, wenn ich Familie und Freundschaften genießen kann.
... wenn sich Wünsche erfüllen, Visionen wahr werden; wenn es tolle Überraschungen gibt.
... wenn ich von lieben Menschen umgeben bin, wenn ich keinen Streit habe.
... wenn mich jemand wirklich liebt, wenn ich jemanden wirklich liebe.
... wenn ich einen guten Draht zu Gott habe, wenn mein Glaube lebendig ist.
Manches davon liegt in meiner Hand, manches allerdings auch nicht. Manches Glück macht glücklich, gerade weil ich es (geschenkt) bekomme und nicht selbst realisieren kann.
Über das Glück, das Glücklich-werden gibt es unzählige Bücher, darunter viele Bestseller. In der Regel machen diese aber nicht die Leser glücklich(er), sondern allenfalls die Autoren – es sei denn, Geld macht nicht glücklich ;-) Brauchbare Ratgeber fußen in der Regel auf mehreren Annahmen, die gar nicht so einfach zusammenpassen, etwa so:
1. Für Dein Glück kannst und musst du etwas tun, plane es und komm ins Handeln!
2. Bleib offen für das Glück! Denn ob Du es beim Suchen findest, ist auch Glücksache...
3. Strebe nicht direkt nach Glück! Denn das Glück ereignet sich meist nebenbei, es stellt sich ein, wenn du dein Leben lebst.
Banal wie tiefgründig zusammengefasst: Glück ist, wenn das Leben glückt. Um glücklich zu sein, muss man auch Glück haben. Dafür kann man sich öffnen.
Glück ist ein Wunder. Darum passt für mich abschließend ein Gedicht von Hilde Domin:
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Ihnen eine glückende und damit hoffentlich auch glückliche Adventszeit! Martin Splett
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Im Impuls der letzten Woche ging es um Zufriedenheit. Manchmal macht ungeduldig und damit unzufrieden, warten zu müssen. Advent ist eine Zeit des Wartens. Wie halten Sie es mit dem Warten, warten Sie gerne? Wann müssen Sie, wann dürfen Sie auf etwas oder jemanden warten? Heute warte ich mit einer Geschichte über das Warten auf, vor über 70 Jahren verfasst vom deutschen Schriftsteller Heinrich Spoerl („Die Feuerzangenbowle“):
Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Gesell und viel zu früh gekommen. Und verstand sich schlecht aufs Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt.
Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: „Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an dein Wams. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam geht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.“
Das war so recht nach des jungen Burschen Geschmack. Er nahm den Zauberknopf und machte einen Versuch und drehte: Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Das ist schön und gut, dachte er, aber mir wäre lieber, wenn schon Hochzeit wäre. Er drehte abermals: Und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus, und Flöten und Geigen klangen um ihn. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: „Wenn wir doch schon allein wären.“ Wieder drehte er heimlich, und da war tiefe Nacht und sein Wunsch erfüllt. Und dann sprach er über seine Pläne. „Wenn unser neues Haus erst fertig ist“ - und drehte von neuem an dem Knopf: Da war Sommer, und das Haus stand breit und leer und nahm ihn auf. „Jetzt fehlen uns noch die Kinder“, sagte er, und konnte es wiederum nicht erwarten. Und drehte schnell den Knopf: Da war er älter und hatte seine Buben auf den Knien und Neues im Sinn und konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, daß das Leben an ihm vorbeisprang, und ehe er sich's versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Nun hatte er nichts mehr zu drehen und blickte hinter sich. Und merkte, daß er schlecht gewirtschaftet hatte. Er wollte sich das Warten ersparen und nur die Erfüllung genießen, wie man Rosinen aus einem Napfkuchen nascht. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, daß auch das Warten des Lebens wert ist und erst die Erfüllung würzt. Was gäbe er darum, wenn er die Zeit ein wenig rückwärts schrauben könnte! Zitternd versuchte er den Knopf nach links zu drehen. Da tat es einen Ruck, er wachte auf und lag noch immer unter dem blühenden Baum und wartete auf seine Liebste. Aber jetzt hatte er das Warten gelernt. Alle Hast und Ungeduld war von ihm gewichen; er schaute gelassen in den blauen Himmel, hörte den Vöglein zu und spielte mit den Käfern im Grase. Und freute sich des Wartens.
(Quelle: Spoerl, Heinrich (1943): „Der Mann der nicht warten wollte“, in: Marburger Zeitung, Jahrgang 83, Nr. 121/122, 1./2. Mai 1943, S. 8)
Die Geschichte spricht für sich. Und ein weises Sprichwort spricht: Vorfreude ist die schönste Freude...
Adventliche Anlässe, Schönes zu erwarten, wünscht Ihnen Martin Splett!
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Sind Sie zufrieden? Oder anders gefragt: wie zufrieden sind Sie gerade, bewertet auf einer Skala von eins bis zehn? Ist der Wert ok für Sie, oder wo sollte er eigentlich liegen?
Was meint Zufriedenheit? Ein erster Definitionsvorschlag: Zufrieden ist, wer genug hat von dem, was er oder sie nötig hat: Gesundheit, Geld oder Gesellschaft; Sicherheit, Spaß oder sinnvolle Aufgaben – und vieles mehr. Dabei fehlt mir allerdings etwas: Sind wir nicht erst dann zufrieden, wenn wir auch merken, dass wir genug haben? Das ist manchmal eine Frage der Achtsamkeit und Wertschätzung für das, was ich habe.
Manchmal bin ich unzufrieden, obwohl ich eigentlich genug Grund zur Zufriedenheit hätte. Manchmal hängt das damit zusammen, mit wem ich mich oder meine Lage vergleiche. Je stärker ich mich mit Leuten vergleiche, die – tatsächlich oder nur vermeintlich - mehr haben, umso unzufriedener drohe ich zu werden. Dagegen wächst meine Dankbarkeit und Zufriedenheit, wenn mir bewusst wird, wie viele Leute viel weniger haben.
Zufriedenheit kann auch eine Frage des Erfolgs sein; sie ist dann davon abhängig, in welchem Maße ich meine Ziele erreiche. Manche Ziele sind so hoch gesteckt, dass der Frust fast vorprogrammiert ist. Manche Ziele werden mir gesetzt, andere setze ich mir selbst. Mal abgesehen davon, dass Misserfolge mit Unzufriedenheit auch mal sein dürfen, kommen mir zwei Strategien in den Sinn: Meine Zufriedenheit weniger von Erfolg oder Scheitern abhängig machen, oder/und realistischere Ziele setzen. Leicht gesagt…
Neben der Unzufriedenheit aus Not oder Misserfolg und der Unzufriedenheit aus Neid kenne ich noch eine „Unzufriedenheit mit der Zufriedenheit“, eine Unzufriedenheit aus Sehnsucht. Wobei Unzufriedenheit vielleicht das falsche Wort ist; denn es geht nicht um weniger als Zufriedenheit, sondern um mehr. Um eine Sehnsucht, die auf mehr aus ist, als wir nötig haben. Denn der Mensch braucht wohl mehr als das, was er braucht, was er nötig hat. Klingt etwas schräg. Aber das wissen vor allem diejenigen, die viel haben und dennoch nicht zufrieden sind; oder die zwar zufrieden sind, aber zugleich merken, dass Zufriedenheit alleine nicht automatisch auch glücklich macht. Dazu mal mehr im Advent.
Der Advent steht vor der Tür, mit seinen vielen Türchen im Adventskalender. In der religiösen Theorie eine Zeit der Sehnsucht und der hoffenden Erwartung: Da muss noch mehr sein, da ist noch mehr als das Menschenmögliche. The World is not enough. Wie soll oder kann die Adventszeit für Sie in der Praxis werden? Ich wünsche Ihnen für die kommenden Wochen Zufriedenheit – und mehr…
Martin Splett
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Am 11.11. war Martinstag, in seinem 1700. Geburtsjahr. Tags darauf hat uns die Leiterin des Osnabrücker Seelsorgeamts, Dr. Daniela Engelhard, im Rahmen der Mitgliederversammlung unseres Caritasverbandes diesen „Caritas-Heiligen“ noch einmal nahe gebracht, auch sehr passend zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Daraus heute der Schlussabschnitt.
Ihr Martin Splett
Die Mantelteilung hat Martin zu einer Ikone der Barmherzigkeit gemacht hat. Es heißt, er habe in dem Bettler Christus gesehen. Damit legt er ganz konkret das Evangelium [zu den so genannten „biblischen Werken der Barmherzigkeit“] aus, in dem der Menschensohn sagt: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben.“ (aus Mt 25,35f.)
Eine Sinnspitze des Evangeliums liegt darin, dass die Handelnden gerade nicht um Jesu Willen gehandelt haben. Nicht für den „Herrgott“, wie Fromme das früher gerne gesagt haben. Vielmehr weil sie den konkreten Menschen in seiner Not gesehen haben und mit ihm mitfühlen.
Und so ist es wohl auch bei Martin. Auch er sieht den bedürftigen Menschen vor sich und spürt, dass er jetzt handeln muss. […] Erst im Nachhinein – nachts in einem Traum – erkennt er, dass ihm im Bettler auch Christus begegnet ist. Darin liegt etwas ganz Menschliches und Tröstliches. Wie häufig geht einem erst im Nachhinein auf, dass eine Begegnung im Innersten berührend war und mich mit der ganzen Person gefordert hat. Oder dass ich hätte handeln sollen, es aber nicht getan habe.
Das Zusammentreffen mit dem Bettler führt Martin zu sich selbst, deshalb ist es ein Geschenk für ihn. Die Begegnung prägt seine weiteren Lebensschritte: seinen Lebensweg als Mönch und später als glaubwürdiger, vom Volk sehr geschätzter Bischof.
Martin ist eine heute verständliche Übersetzung des Evangeliums. Er kann auch uns inspirieren und ermutigen zu einem Handeln mit Augen, Herz und Händen. […]
Papst Franziskus spricht oft den Zusammenhang von Schenken und Beschenktwerden an. Die Begegnung mit dem armen, kranken, trauernden, alten oder geflüchteten Menschen fordert mich heraus und kann mich zugleich reich beschenken. Sein Rat ist ermutigend und auch entlastend: Wenn du Menschen hilfst, ein besseres Leben zu haben – und sei es nur einem –, wenn du dein Herz öffnest und das Glück des anderen willst, dann wirst du die Quelle des Glücks finden. (vgl. Die Freude des Evangeliums, Nrn. 272.274) Daniela Engelhard
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Immer wieder fasziniert die Fülle an Sternenlichtern vor allem in glasklaren Nächten. Weit weg - und doch uns zutiefst ergreifend. Auch zieht immer wieder helles Kerzenlicht an. Wärme ausstrahlend – ganz nah.
Im Jahr 2014 zeigte das Pressefoto des amerikanischen John Stanmeyer auch Lichter wie Sterne. Auf dem Foto recken in dunkler Nacht am Strand des afrikanischen Dschibuti Flüchtlinge ihre leuchtenden Handys gen Himmel. Nicht dass die Displays Licht und Wärme geben sollten, nein die Flüchtlinge suchten Empfang, um mit ihren Familien und Freunden vor allem in Somalia Kontakt aufnehmen zu können. Weit weg und doch ganz nah.
Lichter aus tausenden Kerzen werden am kommenden Wochenende Plätze an vielen Orten erleuchten. Man mag an St. Martin denken. Ja, und zugleich findet zum zehnten Mal der jährliche bundesweite Aktionstag „Eine Million Sterne“ von Caritas International statt. Viele Mitarbeitende im caritativen Dienst werden mit dieser Aktion Zeichen setzen für Solidarität und für eine gerechtere Welt.
Aufmerksam gemacht wird in diesem Jahr auf ein Hilfsprojekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Migranten in Marokko: Politische Krisen, die Bedrohung durch Terror und Armut in Nord- und Westafrika sowie im Nahen Osten führen zu einem dramatischen Anstieg der Migration in Marokko. Durch die Abriegelung der Grenzen nach Europa ist das afrikanische Land vom Transit- zum Zielland geworden. In vier Migrationszentren berät und betreut Caritas International in Marokko jährlich mehr als dreitausend Migranten und Flüchtlinge, unter ihnen einige hundert unbegleitete Minderjährige. Genau wie dort setzen sich auch hier bei uns viele in mannigfacher Weise für die ankommenden Flüchtlinge ein. Hoffnung geben - weit weg – ganz nah.
Licht geben, heißt Zeichen der Hoffnung setzen, so wird es am kommenden Wochenende sein: sowohl in den vielen Martinsumzügen als auch in den Aktionen rund um „1 Million Sterne“. Vielleicht entzünden auch Sie ein Licht. Es macht etwas mit Ihnen und hilft anderen.
In der Region Osnabrück wird übrigens die Arbeitsgemeinschaft Caritative Dienste in Stadt und Landkreis Osnabrück an der „1 Million Sterne“ Aktion aktiv teilnehmen und am kommenden Samstag ab 17.45 Uhr in Bersenbrück vor der St. Vincentius Kirche Lichter der Hoffnung für weltweite Solidarität entzünden.
Jutta Brockhage
für die Arbeitsgemeinschaft Caritative Dienste in Stadt und Landkreis Osnabrück
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Heute begehen Katholiken “Allerseelen”, d.h. sie denken in besonderer Weise an die Verstorbenen, hoffend, dass sie nicht einfach nur “weg” sind.
2015 glaubten laut einer Umfrage 56% der Deutschen an Jesus Christus, aber nur 36% an seine Auferstehung und 34% ans ewige Leben (s. https://chrismon.evangelisch.de/poll). Doch auch bei Gläubigen melden sich Zweifel, halten Skepsis und Glaube Zwiegespräch, vielleicht ja auch mal so:
Skepsis: „Ja, ja, das hätte man vielleicht gerne, das mit dem Leben danach. Aber tot bleibt tot, ob wir das akzeptieren wollen oder nicht. Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Glaube: „Schon richtig, aber wenn wir uns nach einem Leben nach dem Tod sehnen, für uns oder für andere, dann heißt das noch lange nicht, es gibt keins. Unsere Sehnsucht kann nicht die Ewigkeit schaffen. Aber vielleicht kommt aus der Ewigkeit unsere Sehnsucht.“
Skepsis: „Ein Leben nach dem Tod ist nun mal noch nie festgestellt worden.“ Glaube: „Was meinst du mit „feststellen“? Dass Jesus auferstanden ist, haben seine Jünger geglaubt, weil sie ihn erfahren haben, auf besondere Weise.“ Skepsis: „Hm. Kommt mir so vor, als drückst Du dich vor kritischer Prüfung.“ Glaube: „Naja, mir kommt es so vor, als wolltest du einfach alles ausschließen, was man nicht in den Griff kriegt; als würdest du dich davor drücken zu vertrauen. Und Glaube braucht nun mal Vertrauen – vernünftiges, kein blindes.“
Skepsis: „Letztes Wort: wahrscheinlich werde ich Recht haben, und du irrst dich.“ Glaube: „Wie willst Du hier seriös die Wahrscheinlichkeit einschätzen? Außerdem: Wenn Du Recht haben solltest, merkt es niemand (mehr). Wenn ich dagegen Recht habe, werden es alle merken. Und das letzte Wort haben nicht Du oder ich – Gott hat es.“ Hoffentlich
Martin Splett
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Meine persönliche Unterbrechung am Mittwoch hatte ich heute beim Frühstück: „Ich brauche heute ein Geodreieck und hab doch noch keins“, sagte eines unserer Kinder. Na super. Hektisch geht die Suche los, irgendwo im Haus muss doch eins sein, hatte ich nicht auch mal welche? Ich krame und suche – und finde. Allerdings kein Geodreieck, sondern einen Zettel. Mit einem Gebet, das ich vor sieben Jahren in einer Messe gehört habe, das mich damals getroffen hat, das ich gerade zu der Zeit gebraucht habe. Das ist für dich gedacht, kam mir in den Sinn. Ich hab es mir besorgt, dann mit der Zeit aus den Augen verloren, und irgendwann war es halt weg. Und jetzt taucht es wieder auf, und ich ahne und spüre, es passt schon wieder, zumindest teilweise. Hier der – gar nicht mal so besondere oder brillante - Text (ohne Verfasser):
“Herr, Du weißt, wie du dich nur langsam in mir durchzusetzen vermagst. Zu sehr kreisen meine Gedanken immer um mich. Ich kann mich nicht loslassen.
Ich habe Angst, mich zu verlieren. Darum finde ich auch nicht deine Liebe zu den Menschen.
Herr, hab Geduld mit mir – und komm trotzdem immer wieder. Du siehst ja, wie notwendig ich dich brauche.”
In der Gefahr des Um-mich-selbst-Kreisens stehe ich nach wie vor (bei anderen mag es eher darum gehen, mehr an sich zu denken). Wer an andere und anderes denkt, tut gerade dadurch sich selbst etwas Gutes. Doch mein heutiges Thema ist nicht dieses Paradox.
Mir ist dieses Phänomen wieder neu bewusst geworden: einem kann etwas zufallen, und das muss dann nicht zufällig sein, das kann auch Fügung sein: „Der liebe Gott tut nix als fügen“, heißt es so schön. Wer sucht, der findet, so steht es in der Bibel (Mt 7,8). Es muss nur nicht immer das sein, was man sucht. Und doch etwas, das gerade für mich gedacht ist…
Ein Geodreieck haben wir nicht gefunden, ist jetzt so. Dafür bin ich um eine kleine, aber feine Erfahrung reicher, hab das Gebet wieder und wünsche auch Ihnen manch unverhofften Fund. Pablo Picasso spitzte es sogar so zu: „Ich suche nicht – ich finde!“
Ich jedenfalls habe noch etwas gefunden, nämlich mein Thema für Ihre heutige Unterbrechung am Mittwoch. Gutes Finden, mit Suchen oder ohne!
Martin Splett
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Je bunter es in der Welt wird, umso schwarzweißer wird es in vielen Köpfen. Dabei hat Gott die Welt sich bunt gedacht und sie bunt gemacht. Wir sollten uns über die Farben freuen...
Bei diesem „Wort zum Mittwoch“ denke ich etwa an Pegida oder die AfD mit ihren Sympathisant(inn)en. Mich beunruhigt, wie viele Menschen auf Vielfalt mit Einfalt reagieren; und mich beunruhigt, welchen Erfolg viele Schwarzweiß-Denker damit haben, aus Fremden Feinde zu machen. Das betrifft Flüchtlinge und andere Ausländer, das betrifft aber auch viele andere, die „anders“ sind als die Mehrheit, die aus der Norm (welcher?) fallen, die außer-gewöhnlich sind (wer fällt Ihnen ein?).
Ja, Vielfalt kann anstrengen. Gedankenketten wie diese sind häufig und nachvollziehbar:
„Andere sind anders. Andere sind fremd. Fremdes verstehe ich nicht.
Das macht mich unsicher. Das macht mir Angst. Ich fühle mich bedroht.
Ich denke: Ich oder der andere – dann lieber ich: Diese Stadt ist zu klein für uns beide!“
Mir kommt dabei auch der Wahlkampf in den USA in den Sinn. Und auch in meiner Religion, in meiner Kirche finde ich Beispiele, etwa im Nachgang zur Familiensynode: um die sakramentale Ehe weiß zu halten, färben Leute andere Formen von Partnerschaft schwarz, werden Menschen ausgegrenzt, die anders Liebe leben. Was mich freut: ganz viele Christen denken und reden und handeln anders, „von der Basis bis zur Spitze“. Da tut sich was, das wünsche ich mir auch für andere Ausgrenzungen anderswo.
Und dann ertappe ich mich dabei, wie ich selber ausgrenzend reagiere – nämlich gegenüber diesen Schwarzweißdenkern jeder Coleur: Sie machen mir Angst, ich fühle mich bedroht, ich denke: „Dieses Land, diese Gesellschaft, diese Kirche ist zu klein für uns beide!“
Dann fällt es mir gar nicht so leicht, diese „Anderen“, die mir so fremd sind, nicht als Feinde zu betrachten, sondern sie als Menschen ernst zu nehmen. Doch gerade wenn ich sie als Menschen ernst nehmen will, bin ich gefordert, gegen ihre unmenschlichen Worte und Taten Widerstand zu leisten – um einer Wahrheit willen, die dem Menschen dient.
Denn auf „die Wahrheit“ berufen sich viele (zu vielen ist sie allerdings egal). Nur dürfte sie in der Regel bunter sein als schwarzweiß…
Martin Splett
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Gespräch über Bäume
Zwischen 1934 und 1938 schrieb Bertold Brecht das Gedicht An die Nachgeborenen. Es gehört zu den wichtigsten Gedichten der Exilliteratur in der Nazizeit. Die zweite Strophe beginnt so:
„Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt.“
Unsere Zeit ist anders als damals. Doch dürfen wir heute wieder unkritisch über Bäume reden, ohne die Schuld des Verschweigens weltweiter Verbrechen auf uns zu laden? Sicher bin ich mir da nicht. Vielleicht geht es auch hier wie meist im Leben nicht um ein „entweder – oder“ (entweder Reden über Verbrechen oder Gespräch über Bäume), sondern um ein „sowohl – als auch“. Wir ergreifen Partei gegen die Bösen und protestieren gegen das Böse mit allen Kräften, die wir haben. Und zugleich wenden wir uns den Bäumen zu und sprechen über sie. Das möchte ich heute tun, denn gerade der Herbst zeigt uns eine andere Seite des Lebens; nicht die grausame von Unrecht, Krieg und Flucht, sondern die schöne, üppige Schöpfung Gottes.
Im Monat Oktober, in dem aus den Blättern das Chlorophyll entweicht und diese so ihre je eigene und ganz persönliche Farbe erhalten (nicht mehr das allgemeine Grün von Frühling und Sommer), bin ich jedes Mal tief berührt und denke: Bevor ein Blatt vom Baum zur Erde fällt, zeigt es noch einmal deutlich und eindrucksvoll, was es wirklich ist: einmalig, unverwechselbar, besonders und bunt. Kein Blatt ist wie das andere. Das war zwar vorher auch schon so, aber nicht so deutlich zu erkennen wie im Herbst, wo uns der Farbenrausch der Blätter überwältigen kann.
Was Baum und Blatt im Herbst erzählen, ist eine Wahrheit, die über das hinausgeht, was wir sehen. Wir erkennen verschiedene Farben und schauen Blätter, die sich voneinander unterscheiden, als wollten sie uns sagen: „So ist die Schöpfung: Nichts ist gleich, alles ist einmalig und besonders!“
Plötzlich ist der Weg vom Ahorn- oder Buchenblatt zum Menschen nicht mehr weit. Was wir darüber sagen können, stimmt auch bei uns: Jeder und jede ist ein Unikat, einmalig und unwiederholbar, vom Schöpfer so gewollt. Nutzen wir die kommenden Tage, um Gott für uns und seine einmaligen Geschöpfe zu danken. Das Herbstlaub mag uns erinnern!
Allen Unikaten eine gesegnete und erfüllte Zeit! Ihr Friedhelm Fuest
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Lebenszeichen – Gotteszeichen
Vom Theologen und Urwaldarzt Albert Schweitzer soll der Ausspruch stammen: „Mit zwanzig hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat; mit vierzig das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat; und mit sechzig das Gesicht, das er verdient.“
Na ja, wenn ich so in den Spiegel schaue… Manche Falte erzählt mir: „Nicht alles, was du für Leben gehalten hast, war es auch.“ Rückblickend erkenne ich Vergeblichkeit, Irrtum, Entgleisung, Brüche, falsche Schlüsse, Auslassungen, Unaufrichtigkeit, Verwundungen und vieles mehr. Dann denke ich: Wenn ich später vor Gott stehe, werde ich ihm zuerst nicht für das Sinnvolle und Gute in meinem Leben danken, sondern für das, was ich gelassen, bekämpft und zurückgehalten habe, um anderen nicht zu schaden. Vor allem im Kampf gegen die Mächte der Finsternis war und bin ich auf Gottes Hilfe angewiesen. Wenn ich zurückschaue, erstaunt es mich immer wieder, wie mich vor allem jene Zeiten und Erlebnisse, in denen ich mich hart an die Grenzen meines Lebens wagte, geprägt haben. Gott sei Dank hat mich immer wieder eine gütige Hand zurückgeholt und in ruhigere Gefilde geführt. Rückblickend erkenne ich dankbar, dass der Mensch unter einer gnädigen Führung steht. Das ist für mich ein wichtiges Lebenszeichen.
Ich habe das Leben aber nicht nur in Zeiten von Grenzen erfahren, sondern auch in Zeiten von Weite, von Liebe und Sorge. Ich habe mich gespürt, wenn jemand sich öffnete und sich mir anvertraute, wenn er mich einlud, ihn ein Stück auf seinem Weg zu begleiten. Auch das ist für mich ein Lebenszeichen: Leben zu spüren, wenn man es mit jemandem teilen kann.
Neben der befreienden Erfahrung von Geführt werden und dem Spüren von einer guten Kraft bei Gesprächen und im vertrauten Umgang, also im Teilen von Leben, gibt es für mich noch ein drittes Lebenszeichen. Das habe ich in Zeiten erfahren, in denen ich dankbar erkannte, dass nichts im Leben selbstverständlich ist und dass es gut ist, dass ich da bin und so bin, wie ich bin.
Diese Lebenszeichen reichen tief in mein Leben und weisen gleichzeitig weit über mich hinaus auf den hin, von dem letztlich alles Leben kommt und der das Leben ist: Gott! Wenn ich von Lebenszeichen schreibe, müsste es genauer Gotteszeichen heißen; denn wo ich das Leben in seiner ganzen Dichte und Schönheit spüre, bin ich Gott sehr nahe (gewesen)! Der Blick in den Spiegel, der mir mein Leben in den Spuren meines Gesichtes offenbart, weist mich auf den Größeren hin, der mich führt und begleitet, mich vor Schaden bewahrt, mein Leben teilt und mir Gefühle von Dankbarkeit schenkt.
Es grüßt Sie Ihr Friedhelm Fuest!
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