konstivonderalm
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konstivonderalm · 3 years ago
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Jogurt mit Fruchtzubereitung
Jennifer, eine junge Psychiaterin, die noch Assistenzärztin ist verliebt sich in Michael, einen jungen Architekten. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, sie ist bodenständig, obwohl es da etwas an ihr gibt was Michael und nur Michael ins wanken bringen lässt, was in ihr eine Art Schwindel auslöst, eine kleine Unsicherheit, die sie zu brauchen scheint, die aber niemals übertrieben werden darf. Obwohl sie schon jetzt eine Koryphäe ist in ihrem Fach und darauf spezialisiert schwere psychiatrische Störungen zu behandeln fürchtet sie sich insgeheim unheimlich ihren Verstand zu verlieren. Das kann man vielleicht erklären, wenn man weiß, dass sie das Patenkind ihrer schizophrenen Tante war. Sie wurde von ihren Eltern, die sich nicht allzu sehr mit der Familie aufhalten wollten, aber sich auch nicht vorwerfen lassen wollten, nicht das Nötige unternommen zu haben, eine Art psychiatrischer Kindersoldat gegen den Wahnsinn ihrer Patentante. Vielleicht lässt es sich so erklären, dass Jennifer so überrascht war, als Michael ähnliche Probleme bekam wie ihre Tante oder ihre Patienten. Vielleicht lässt sich so erklären, dass sie es am Anfang einfach überhört hat, als er von Stimmen sprach, sie küsste ihn auf die Wange und sagte nur belustigt: Mit so was macht man keine Witze. Denn sie hatte ihm mal beiläufig gesagt, dass sie mit jemand der eine Psychose hatte nicht zusammen sein könnte, jedenfalls nicht privat. Als Michael dann die Stimmen mit einem Schlagbohrer aus seinem Kopf herausholen wollte, konnte sie ihn gerade noch davon abhalten, erlitt aber eine schwere Verletzung von dem laufenden Bohrer in ihrer Leiste. Noch im Krankenhaus liegend hat sie dann ihren Mann behandelt, der ganz von Schuldgefühlen zerfressen unter dem Berg von Blumen, den er ihr mitgebracht hatte, gar nicht zu erkennen war. Sie bekam es hin, dass ihr Mann in ihrem Krankenzimmer auch ein Bett bekam und konnte so die Wirkung der Medikamente, die sie ihm verabreichte überprüfen und mit ihm an einem Programm zu arbeiten, wie er dem Wahnsinn Zügel anlegen konnte. Er konnte ihn zwar nicht vertreiben, denn Wahnsinn kann sehr anhänglich sein, aber ein wenig zügeln und dressieren konnte er ihn dank Jennifer doch. Als Michael sich dann eine eigene Wohnung suchen wollte verstand sie das nicht. Als er behauptete, dass sie doch gesagt hätte, sie könnte das nicht, sie könnte nicht mit jemand der seine Probleme hätte zusammen sein, da sagte sie: Ich glaube nicht, dass ich das gesagt habe. Später erinnerte sie sich daran, aber ändern tat sich nichts, vier Wochen später heirateten die beiden und Michael hatte den ersten Erfolg mit seinen Niedrig Energie Palästen, riesige bewohnbare Wintergärten, wo man sein Bett in einer Art arkadischen Landschaft aufstellte und mitten unter einem Olivenbaum oder einem Mandarinenbäumchen schlafen konnte. Und das alles dank Solar und Windtechnologie ohne Energie zu verbrauchen.
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konstivonderalm · 5 years ago
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Be God
Konstantin Schemat, Dominica Schemat
Sag mal, wolltest Du auch wissen, was Rumpelstilzchen eigentlich für ein Typ war? Man erfährt so wenig über diesen kleinen Kerl, er kann Stroh zu Gold spinnen, möchte gerne etwas lebendiges besitzen, und niemand soll wissen, wer er ist.
Neulich habe ich eine Geschichte am Nebentisch in meinem Café gehört, als mir überhaupt nichts eingefallen ist, was ich schreiben könnte. Ich frage mich, ist es eine urbane Legende oder ist so etwas wirklich einmal geschehen. Was meinst Du?
Dieses Rumpelstilzchen kann den ganzen Planeten zu Aktien spinnen. Und doch weiß niemand, wer es ist. Er hat sich sogar ein altes Spionageflugzeug besorgt, was unglaublich aufwendig zu warten ist, und was er von seiner Ranch im südlichen Afrika starten kann. Er ist so ein Typ, der eigentlich in den Weltraum will, aber er wartet lieber, bis die Pioniere der Sonne zu nahe gekommen sind, um dann aus der 3. Reihe heraus, ganz nach vorne durchzustarten. Das ist für ihn kein technisches Problem, sondern reine Finanztaktik, also viele Zahlen, wilde Spekulationen, waghalsige Geschichte und der Überraschungsmoment. Dafür hat er sich optimal vorbereitet, ihm gehören Medienunternehmen und große PR Agenturen, alles steht bereit für die große Übernahme. Rumpelstilzchen macht das nicht, weil er es muss, er macht das, weil er nichts anderes kann. Es ist mehr ein Zwang, als ein Kampf um die große Freiheit. In seinen Investitionen ist er auf Aktien spezialisiert von Unternehmen, die in Verruf gekommen sind, die eine Ölpest hier verursacht haben oder die Zerstörung eines Ökosystems da, gerne auch Kohlebergbauunternehmen, Risikofälle ganz allgemein, für sie kann Rumpelstilzchen eine Liebe entwickeln, wie andere für ihre Kinder. Dazu muss man wissen, dass er früher, als er sich noch an den Mainstream gehalten hat, und die Umweltzerstörer und Sklavenhalter gemieden hat, da hatte er einen fürchterlichen Waschzwang. Er hat sich extra starke laugenhaltige koreanische Kernseife kommen lassen und sich mit einer Luffagurke gründlich abgerieben. Auch die eitrigen entzündeten Stellen. Nur sein Gesicht und die Hände hat er ausgespart, denn die waren damals noch für die Öffentlichkeit. Hätte Rumpelstilzchen damals nicht seine „Schmuddelecke“ entdeckt, die dreckigen Aktien, dann wäre er vielleicht an einer Sepsis gestorben. Aber so, mit der ersten Ölaktien, da ging es ihm besser. Es war so, als ob dieses Öl, was unter menschenverachtenden Umständen gefördert wurde und ein ganzes Flussdelta verseuchte, wie eine Art Schutzbalsam, eine zweite Haut für seinen Körper war. Je mehr er zerstören konnte, desto besser ging es seiner Haut, langwierige aufgescheuerte Geschwüre, hörten auf zu eitern, begannen sich zu schließen und heilten ab. Und immer wenn er sich wieder waschen wollte, musste er nur eins tun, um dem Waschzwang zu widerstehen, er musste mehr dreckiges Öl fordern und gleichzeitig dafür sorgen, dass diese Firma in der Öffentlichkeit gut da stand. Ohne natürlich direkt in Erscheinung zu treten.
Obwohl er die heutige Sucht nach der Aufmerksamkeit anderer Menschen überhaupt nicht verstand, das Gegenteil ist der Fall, so brauchte er doch für die Heilung der letzten Wunde, den Kontakt zu den Leuten, die dort im Delta lebten. Wie ein Mörder, der immer wieder an seinen Tatort zurück kommen muss, so musste auch er sich immer wieder ansehen, wie die Menschen den Fisch aus dem verseuchten Wasser zogen. Damit er dabei nicht auffiel, war er selbst mit einem einfachen Kutter in diesen Gewässern unterwegs. Er hatte auf seinem Bot eine verborgene Kabine mit allem was die Technik bietet um die Luft zu reinigen und den Aufenthalt kurzweilig und angenehm zu gestalten. Aber was eigenartig war, schon bei seinem ersten Ausflug, den er auch noch ganz alleine unternahm, verspürte er überhaupt keine Lust auf diese Kabine. Nein, er mochte es, sich die Kohlenwasserstoffbrise um die Nase wehen zu lassen und am offenen Steuerrad zu stehen. Selbst als er von den anderen vorbeifahrenden Fischern gegrüßt wurde, störte ihn das nicht, nein es reizte den angenehmen Kitzel noch mehr, er fühlte sich wie ein Gott, der eben auf seine Erde zu einer Stippvisite herabgestiegen war.
Es dauerte nicht lange, da begann er sich mit den Leuten anzufreunden. Half ihnen bei Reparaturen, war ein Fischer unter vielen, der versuchte sich die Anerkennung dieser Gemeinschaft durch Beharrlichkeit zu verdienen.
Er aß mit ihnen den verseuchten Fisch, lag mit ihnen unter den gleichen Bäumen in der Mittagshitze und führte seine Finanzaktionen zwar immer noch mit professionellem Geschick aus, aber nicht mehr mit der gleichen Begeisterung. Und auch die Fischer hatten sich an ihn gewöhnt, und begannen ihn zu akzeptieren, hielten ihn für einen gestrandeten Hippie. Vielleicht lag das auch daran, weil er mit ihnen am Lagerfeuer laut träumte, von einem unverschmutzten Delta, davon, dass die Fische zurückkommen. Und dass sie dann etwas hätten, was sie ihren Kindern übergeben konnten.
Es hätte immer so weiter gehen können, doch eines Tages zog er einen eigenartigen Fang an Bord, eine großes schwarze Frau, hatte sich in seinem Netz verfangen, und was noch eigenartiger war, sie schien im Wasser geschlafen zu haben. Wie jemand, der sich ganz entspannt von dem schweren Salzwasser tragen lässt. Nennt man das nicht Toter Mann?
Einen Moment ist er unschlüssig, was er tun soll, ob er sie wieder ins Wasser werfen soll, wie Beifang. Da schlägt sie die Augen auf und sagt, während sie ihn interessiert mustert: Dich hätte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Als hätte er den Teufel selbst erblickt, greift er nach der alten rostigen Harpune, was seinen nackten Gast nur ein Schmunzeln über die Lippen huschen lässt.
Sie sagt: Setzt dich doch, und erzähl mir ein bisschen von dir.
Aber nach Erzählen ist ihm nicht zumute, eine unglaubliche Welle der Anklagen macht sich Luft: Bist Du es, die die Stürme schickt? Bist Du es, die sich keine Mühe macht, die Wüsten zu gießen.
Er lässt kein Naturphänomen aus, was er ihr ankreidet, über das er sich bei ihr beklagt.
Sie hört sich alles geduldig an, hat aber Probleme nicht laut los zu lachen. Ihre letzten Worte sind: Wir sehen uns noch.
Elegant wie ein Fischotter gleitet sie in die Fluten.
Aber Rumpelstilzchen hat nur Flüche für sie, die ich hier nicht alle wiedergeben werde: Lass Dir ruhig Zeit mit dem Wiedersehen.  
Von da an, schließt er sich in seiner kleinen Wohnung in Downtown Manhattan ein, flucht leise
vor sich hin, warum er der Einzige sein soll, der diesen Schlamassel wieder in Ordnung bringen soll.
Was ist mit den anderen Arschlöchern?
Aber dann beruhigt er sich wieder und sagt sich: Vielleicht ist sie ja auch all den anderen erschienen.
Aber dann als ihn der Mut schon etwas verlassen hat, weil es wirklich nicht einfach ist, alles wieder in Ordnung zu bringen, da erscheint sie ihm noch einmal, diesmal ist es nicht so lustig, ein Schmerz, wie ein Magnesium Feuer scheint ihm fast jeden Nerv in seinem Körper zu verbrennen. Da weiß er, dass sie wiedergekommen ist, dass sie unzufrieden ist, dass er sich eine kleine Pause noch nicht verdient hat.  
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konstivonderalm · 5 years ago
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Der Brothut
Kann man noch über einsame Typen schreiben? Der Brothut (Arbeitstitel!) Nennen wir ihn Guido, ein lächerlicher Name für einen Typen, bei dem Schüchternheit und Erfindungsreichtum zusammen kommen. Schon als Kind, als er in die nette Bäckerin verliebt war und seine Mutter so lange genervt hat, bis sie ihm das Backen beigebracht hat. Dann hat er sie raus geschickt, seine Mutter, streng geheime Backaktion. Niemand durfte es sehen, nur die Bäckerin am nächsten Tag: Sein Brothut, wo sich jeder etwas nehmen kann, ein Brothut für alle.   Jemand hat ihn fotografiert, das war so nicht geplant, Guido hat es sogar in die Weltpresse gebracht unter der Rubrik "aus aller Welt", dort wo dir schwule Pinguine Konkurrenz machen und natürlich auf den Netzen. An der Schüchternheit hat das nichts geändert, jedenfalls nicht in die erhoffte Richtung. Wurde er bisher nur einmal in der Woche knallrot vor Scham und Schüchternheit, so erwischte es ihn jetzt im Stundentakt. Sein neuer Spitzname: Tomatenbrot. Danach erst einmal Rückzug. Bis es ihn mit 18 wieder erwischte. Ein Bienenstich in den Mund, die Notärztin gibt ihm ein Antiallergie Medikament, er schläft selig ein, die Ärztin schiebt ihm ihre kühle Hand in den Nacken, um ihn sanft zu wecken. Da ist es geschehen. Danach mehrere Notfälle, immer wenn er ihren alten grünen Renault auf dem Parkplatz des kleinen Provinzkrankenhauses sieht landet er bei ihr. Aber er ist kein Stalker. Ja, er hat seine erste Wohnung in ihrer Nachbarschaft (dort parkt auch der Renault, er musste nur einen Nachmittag investieren um alle Straßen seiner Kleinstadt nach ihm abzuklappern), aber nein, er stalkt sie nicht, er glotzt nicht in ihr Fenster, blickt nicht auf, wenn er hört, wie ihr Wagen angeworfen wird. Wenn sie nach rechts geht, geht er nach links. Bzw. wenn er glaubt sie ginge nach rechts, er sieht ja nicht hin. Er trainiert etwas, geht in die Sonne, so dass unter den blutigen Wunden seiner Unfälle immer ein sauberer duftender junger Mann zum Vorschein kommt. Irgendwann geht sie bei ihm vorbei, bevor sie zur Arbeit geht und trinkt einen Kaffee mit ihm. Natürlich wagt er es an solchen Tagen nicht, einen Unfall zu haben. Selbst als er sich mal wirklich den Fuß verknackst hatte, ganz außerplanmäßig, wartet er bis die Schicht zu Ende ist auf ihre Kollegen. Und irgendwann ist es so weit, seine Unfälle sind Geschichte, und sie kommt nach (!) der Schicht bei ihm vorbei, erzählt noch etwas, schläft dann bei ihm ein, was sie überhaupt nicht vor hatte. Aber seine ruhige Art, aber auch seine Konzentration, man spürt, dass er ganz da ist, wie bei einem alten elektrischen Gerät, wenn es unter Spannung gesetzt wird, das führt dazu dass sie sich hier wohl fühlt, bei ihm. Sie gewöhnt sich daran, bis sie es braucht. Guido ist noch zurückhaltend, er kann sein Glück nicht fassen. Vielleicht denkt er sich, wenn ich mich nicht an den Gedanken gewöhne, mit ihr zusammen zu sein, dann muss ich mich nicht an die Trennung gewöhnen. Das könnte ein Fehler gewesen sein. Er hätte vielleicht etwas mehr von sich erzählen können. Er könnte noch so manchen Brothut aus der Tasche ziehen, hielt sich aber immer im Hintergrund, überließ ihr ganz die Initiative und zwar für alles. Dann will sie ihn verlassen. Er versucht noch, noch unsichtbarer zu werden, dann erbt er unverhofft, seine Aufmerksamkeit ist für einen Moment von ihr abgerückt. Da ist sie fort. Er geht zu seinen alten "Freunden", die ihm früher Tomatenbrot hintergerufen haben, und jetzt alle, in der Kneipe sitzen und über ihre Ex Frauen sprechen. Sie empfehlen ihm und sich selbst (er hat ja geerbt) einen Drink. Aber als das auf die Dauer nicht hilft hat einer eine Theorie: Sie kommen nur dann zu einem zurück, wenn man sie nicht braucht. Und so geht ein Teil seines Erbes dafür drauf, sich eine Puppe von ihr in Lebensgröße zu kaufen, die auch noch ihr Gesicht hat und ihn so weit trösten soll, dass er seinen Verstand zurück bekommt. Die Jungs aus der Kneipe sind glücklich, haben sie Tomatenbrot doch wieder reingelegt, das ganze Städtchen zerreißt sich den Mund über Tomatenbrot. Doch dann sieht es plötzlich so aus, als ob sie nicht ganz freiwillig gegangen wäre, sie hat noch ihre Möbel da, ihre Wohnung behalten, auch wenn ihr Auto nicht mehr vor der Tür steht. Die Polizei wird eingeschaltet. Erst als Tomatenbrot bei ihr einbricht und auf der Suche nach Kleidern für ihre Schwester (so nennt er die Puppe) feststellt, dass ihre Lieblingskleider nicht mehr im Schrank hängen, wird deutlich, dass sie einfach fort ist. Und der Vertrag in dem Krankenhaus war auch ausgelaufen. Guido bekommt dann raus, wohin sie gezogen ist, packt seine Sachen, überlegt lange ob er die Puppe mitnehmen soll. Verplempert dann noch einmal Geld für einen Puppenkoffer, der die Formen des Originals erahnen lässt und fährt so in die fremde Stadt am Rande der Alpen.   Selbst mit Detektiv erreicht er nicht viel, und der Witz mit dem Puppenkoffer kommt im Hotel Alpenrose auch nicht gut an. Aber Guido bleibt, kauft sich sogar ein kleines Häuschen. Dann lernt er eine Tramperin in seinem Alter kennen, die sagt sich, wenn er sich mir nähert steche ich ihn ab. Aber als sie die Schwester sieht, ist sie, im Gegensatz zu den anderen Bewohnern dieser Kuridylle, beruhigt und nennt ihn Pinocchio. Mit ihr entdecken sie gemeinsam seine Begabung für Puppen und Programmierung. Er beginnt ein Studium, hat seine eigene KI entwickelt zum Auffinden von vermissten Personen. Er gewinnt einen Wettbewerb mit der KI, darf auf Datenbanken der Sicherheitsbehörden zugreifen und steht irgendwann vor den Überresten seiner Freundin der UnfallÄrztin im Begwald. Bis hierhin sind viele Jahre vergangen, er hat eine kleine Tochter, sein neuer Spitzname ist Puppendoktor und von seiner Geliebten sind nur noch ein paar Knochen übrig. Soweit die Polizei es rekonstruieren kann, ist es kein geplanter Mord gewesen und der Hauptverdächtige ist vor einem Jahr gestorben. Er ist durch seine selbstaufopfernden Einsätze bei der Bergwacht berühmt geworden und dass er ein Bundesverdienstkreuz ausgeschlagen hat. Das ist alles. Und seine neue Frau fragt ihn: Willst Du jetzt herausfinden, warum es geschehen ist? Er sieht sie einen Moment ganz ruhig an und schüttelt dann den Kopf. Sie ist erleichtert und nickt ihm bestätigend zu: Ganz sicher? Er nickt noch einmal. Aber ihre gemeinsame Tochter, die in ihrem Versteck unter dem Tisch alles mitangehört hat, schüttelt nur vehement den Kopf. Denn immer muss sie alles aufräumen, nie darf sie Sachen liegenlassen. Und jetzt bei so einer spannenden Geschichte, wollen die Erwachsenen nicht wissen, was wirklich passiert ist? Das geht gar nicht!
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konstivonderalm · 5 years ago
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Schneewittchens letzter Zug - Schreib! (on Wattpad) https://my.w.tt/St0LlXM4Tcb Julia hat es gut, sie sieht aus wie Schneewittchen und dann ist sie noch superklug. Deshalb sagen auch alle Schneewittchen zu ihr. Aber kann mir einer erklären, warum sie nicht Einsteinchen heißen soll? Da sieht man es doch wieder mal, was für Prioritäten die schnöde Welt hat, oder? Jedenfalls läuft alles perfekt, bis zu der Nacht des Feuers, in der sie ihre Eltern verliert. Und auch wenn es sich niemand erklären kann, lastet seitdem ein Verdacht auf Schneewittchen, dass sie selbst das Feuer gelegt hat. Und selbst, wenn sie es nicht gewesen ist, wenn sie das Benzin nicht verschüttet hat, wenn sie nicht mit Streichhölzern gespielt hat, es ist die Art, wie sie angesehen wird, die Blicke, die auch sie daran zweifeln lassen, was in dieser Nacht wirklich geschehen ist. Für ihre Stiefmutter und den Staat ist die Sache klar, und man schickt sie auf eine neu gegründete Schule, wo sie auf Mitschüler trifft, die in der Boulevardpresse gerne mit Balken auf dem Gesicht gezeigt werden, meistens in Zusammenhang mit der Frage: Warum hat er oder sie es getan? Kurz, es ist eine Schule mit vielen Geschichten und noch mehr Geheimnissen. Julia wollte erst nicht an diesen Ort, sie ist sich ja keiner Schuld bewusst, aber irgendwann war es ein Blick zu viel und sie hat das Gefühl, seitdem keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben, und immer tiefer zu fallen. Und diesen Sturz können auch nicht ihre neuen Freunde stoppen, wenn sie nicht herausfinden, was eigentlich mit Schneewittchen los ist. Das sind die Abenteuer von Schneewittchen und ihren Freunden. Da ist Psyche, die statt ihrer Mutter in diese Schule eingeliefert wurde, die fest glaubt, dass ihre Tochter auf einer Spritztour auf der Rückbank eines Alienraumschiffs gezeugt wurde. Ein Auszug aus: Schneewittchens letzter Zug
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konstivonderalm · 5 years ago
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Der ErdHimmel von KD Schemat
Als ihre Schwester spurlos verschwindet und nirgendwo wieder auftaucht, bekniet sie ihr Freund, das Weite zu suchen und mit ihm vor ihrer grausamen Familie zu fliehen. Zögernd willigt sie ein.
Ihnen gelingt es heimlich zu heiraten, aber sie sind immer noch hinter ihnen her, und so fliehen sie in einen Wald, doch die Brüder sind immer noch auf ihrer Spur. Sie verstecken sich hinter dichtem Dornengestrüpp, das einzige, was sie zu trinken finden, ist ein wenig Regenwasser auf den Huflattichblättern. Das Einzige was sie zu essen finden, sind wilde Erdbeeren, die an einem Hang wachsen. Sie stillen ihren Durst so gut das geht, aber die Erdbeeren legen sie in ein Huflattichblatt und wollen sie zum Frühstück essen, um Kraft für die Flucht zu haben. Sie können sich nur mit ihren Sachen zudecken, aber die Sommernacht ist sehr warm und die Blätter von der Rotbuche fangen den Tau ab, bevor er ihre Körper erreichen kann. Als er aufwacht, halb in ihren Armen liegend, spürt er es noch nicht gleich, seine Frau atmet nicht mehr. Er versucht sie wieder zu beleben, denn sicher muss sie nur schlafen, so warm ist sie noch. Da überraschen ihn die Brüder und er muss sie zurücklassen, aus dem Augenwinkel fällt ihm noch das Huflattichblatt auf. Etwas hat sich verändert, die Erdbeeren, die sie gestern gesammelt haben, sind heute fort. Die grausame Familie stellt ihre Tochter, die nicht atmet, aber auch nicht verwest, zur Schau aus. Obwohl sie die Tochter streng bewachen, gelingt es ihm von außen über den Efeu bis zum Dachfenster des Spitzbodens zu klettern und durch das Schloss der Bodenklappe über seine Freundin zu wachen. Der Freund erschaudert bei dem Anblick des Priesters, der fast täglich vorbei kommt und sich weigert an ein Wunder zu glauben. Als der Priester etwas aus seinem Gewand zieht kommt der Mann aus dem Versteck im Spitzboden und will ihn von ihr fern halten. Dabei wird er erwischt und gefangen genommen und mit einer Kette, die der Priester unter seinem Mantel trug, gefesselt. Es sieht fast so aus, als hätten die Brüder nur auf ihn gewartet. Und der Priester erzwingt die Beerdigung und die grausame Familie knickt vor dem Priester ein. Während er angekettet ist und fast den Verstand verliert, wird seine geliebte Frau beerdigt. Wie oft er auch versucht zu fliehen und zu ihr zu kommen, sie fangen ihn immer wieder, erst nach knapp einem Jahr, als das Haus abbrennt, gelingt ihm die Flucht und nach bangem Warten bis zur Dunkelheit, kann er sich heimlich zu ihrem Grab schleichen. Dort beobachtet er einen alten Friedhofsgärtner, der sich über ihr Grab beugt und leise flucht: "Das ist ein Gottesacker und kein Bauernhof". Als der Gärtner endlich abgezogen ist, und der junge Mann zum Grab kommt, sieht er, dass dort eine Erdbeere wächst, nur Früchte hat sie keine mehr. In Panik verfolgt er den alten Friedhofsgärtner und bettelt um die Erdbeeren. Der Friedhofsgärtner will sie ihm nur geben, wenn der andere ihm alles gibt, was er hat, nur die Kleider auf seinem Leibe darf er behalten. Endlich willigt der Mann ein und der Gärtner tröstet ihn: Du wirst das alles nicht mehr brauchen. Dann geht der Mann zum Grab und isst die Erdbeeren und stirbt. Man begräbt ihn jedoch in einem eigenen Grab, fernab von seiner geliebten Frau. Aber das Dorf kommt nicht zur Ruhe, sanfte Menschen beginnen sich nach Gewalt zu sehnen, Stimmen werden laut, wo es keine Münder hat. Als der Friedhofsgärtner den jungen Mann heimlich umbetten will, erschreckt er vor ihm, weil auch er sich nicht verändert hat. Doch als er sich wieder gefasst hat, begräbt er ihn heimlich bei seiner Frau und sagt: "Die Erde soll euer Himmel sein". Von da an ist alles wieder ruhig, als wäre nie etwas geschehen. Nur die kleine wilde Erdbeere, wie oft der Gärtner sie auch raus reißt, sie kommt doch immer wieder. Im Dorf sagen sie, eine Amsel frisst von ihren Früchten und singt dieses Lied.
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konstivonderalm · 5 years ago
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2 Dudes machen 1 Star
Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Wyatt Sorn: Action Star
Delilah Sorn: Wyatts Mutter
Abigail Sorn: Wyatts Tochter
Francisco Gonzales: Wyatts Doppelgänger
Oscar Geiger: Wyatts Manager
Fritz Schenk: Oscars Problemlöser
Zwei freiwillige Grenzkontrolleure sprechen darüber, wie einfach sich mal ein Schuss lösen kann. Er habe seine Waffe nur zur Selbstverteidigung mit, aber wenn sich ein Schuss lösen würde, dann könnte er nichts tun. Das wäre dann einfach so. Bevor sie Francisco schnappen entsichert der eine die Waffe. Ein Schuss löst sich, Francisco gelingt es die Männer zu überwältigen. Er will sie gerade fesseln, da bitten sie ihn um ein Autogramm. Er sieht sie an und sagt in gebrochenen Englisch: Und ich dachte ihr habt keinen Humor. Er fesselt sie trotzdem, weil sie das in Ordnung finden. Er schleppt sie dann noch unter einen Baum, und lässt ihnen das Wasser da, aber sie drängen ihm ihr Wasser auf und auch 100 Dollar, die er bestimmt für seine Mission gebraucht hätte. Sie bitten ihn, er soll sagen: Fürchte dich nicht - deinen Verstand zu benutzen - das nächste Mal.
Er geht kopfschüttelnd weiter.
Dann kommt er zurück und sagt: Fürchte dich nicht deinen Verstand zu benutzten das nächste Mal.
Der Typ mit dem Gewehr, wo sich so leicht ein Schuss löst: Nein, nein, nein, Du betonst es falsch. Es heißt: Fürchte dich nicht - Pause - deinen Verstand zu benutzen.
Francisco: Fürchte dich nicht, deinen Verstand zu benutzen.
Der andere Typ: Das ist er nicht, das ist sein Doppelgänger.
Francisco schüttelt den Kopf und geht.
Der mit der schußfreudigen Waffe brüllt ihm hinterher: He, gib uns unser Geld zurück.
Aber sein Freund sagt nur: Fürchte dich nicht - deinen Verstand zu benutzen - das nächste Mal.
Der Andere sieht ihn entnervt an: Ich fand den Spruch eigentlich nie richtig gut.
Francisco landet dann bei einer Witwe. Sie freut sich darüber den falschen Wyatt zu haben, und sie sperrt ihn ein. Wenn sie weg ist, bricht öffnet er seine Handschellen und sieht sich dort alle Filme von Wyatt Sorn an. Er übt sein English, und wenn er die Staubwolke am Horizont sieht, fesselt er sich selbst wieder. Er tut das so lange, bis er in einer dunklen Ecke des Kellers eine Leiche in Handschellen findet. Daraufhin flüchtet er, und wird von ihr verfolgt. Er kann ihr gerade noch entkommen.
In LA versucht er Arbeit zu bekommen, aber es geht immer wieder mit Wyatt los. Und wenn er leugnet er zu sein, dann werden die Leute sofort paranoid: Warum gibst Du dich für jemand aus, der du nicht bist?
Und selbst als er sich verkleidet erkennt man ihn und zwinkert ihm zu. Irgendwann reicht es ihm, und er lässt sich überreden einen Werbespot zu drehen. Aber von da an wird er gejagt. Und es gelingt ihm nur mit Ausreden und bescheuerten Geschichten bei den weiblichen Fans von Wyatt Sorn unterzukommen.
Aber natürlich bekommen die das mit. Und beginnen ihn auszubeuten. Er muss ihre Regenrinnen reinigen, oder sie pumpen sich noch von ihm Geld, da kann Francisco einfach nicht nein sagen, er muss einfach helfen. Schließlich verdient sich eine Freundin mit seinem Verleih Geld.
Als Fritz im Auftrag von Wyatts Manager Oscar Geiger ihn erwischt, hat er keine andere Wahl, als eine Lizenzvertrag zu unterzeichnen. Jedes Mal, wenn er jemand kennenlernt, der ihn für Wyatt Sorn hält, muss er an Sorn Lizenzgebühren bezahlen.
Und als Francisco sich entziehen will, wird er von Fritz und seiner Familie beschattet. Obwohl Fritz mit Francisco Freundschaft schließt ist er gezwungen seinen Job zu machen.
Schließlich gelingt es Francisco doch zu flüchten.
Dummerweise kursiert danach ein Video auf dem Netz, dass zeigt wie Wyatt, einer Frau nicht geholfen hat, die belästigt worden ist. Und dann fragt sich natürlich niemand, wer das Video gedreht hat, nein, alle machen Witze über Wyatt den toughen Superhelden.
Der Manager will es dem Doppelgänger anhängen, und hat schon eine Erklärung fast rausgehauen, da sieht Wyatts Tochter im Fernsehen, wie der Doppelgänger einen Säugling aus dem Gleisbett rettet, fast wie in seinen Filmen. Sie sehen auch noch wie der falsche Wyatt flüchtet und der wird die Leute los indem er ihm sagt, er konnte der Frau nicht helfen, weil er dringend auf das Klo musste. Und als einer geistesgegenwärtig sagt: Was hast Du denn gegessen? Da antwortet der falsche Wyatt: Brussel Sprouts (Rosenkohl). Und natürlich geht das wieder viral. Die Fangemeinde ist so wild, dass Wyatt schliesslich einen Monsterfilm drehen muss, indem er Maschinengewehrsalven widersteht, Plasmastrahlen etc. aber als der Super Bösewicht Rosenkohl in sein Magazin lädt, da ist er geliefert.
Und so müssen sie dann den falschen Wyatt mit aufnehmen und ihn als mutigen Doppelgänger beschäftigen. Da der falsche Wyatt auch viel freundlicher ist, umgänglicher, wird er reichlich für Liebesdienste und alles mögliche ausgenutzt. Alle lieben ihn, sogar, was sehr befremdlich ist, die Mutter von Wyatt, die findet dass ihr Junge hohl ist und das das auch gut so ist. Nur Abi(gail) liebt ihn nicht, rammt ihm aus Versehen immer eine rein.
Der falsche Wyatt versucht zwischen Abi und der Großmutter Delilah zu schlichten, denn immer wenn die Großmutter reinkommt fängt Delilah an zu schreien und die Großmutter nimmt ihr Hörgerät raus.
Wyatt ist nicht sehr umgänglich, aber seiner Tochter liest er immer etwas vor, besonders ihre Lieblingsgeschichte mit einem Hund, der zum Superstar wird, weil er auch als Katze durchgeht.
Wyatt bekommt zunehmend Stress durch seinen Doppelgänger, seine Freundin ist schon zum Doppelgänger übergelaufen, was sie aber leugnet. Er will Charakterrollen annehmen, aber sein Manager ist dagegen.
Und schließlich kann er seinen Doppelgänger, der gefangen genommen wurde von einem irren Fan, der behauptet, dass es zwei von ihnen gäbe, und wenn einer übrig ist, dann könnte er ihn haben, von diesem irren Fan kann Wyatt seinen Doppelgänger befreien, indem er wie Alec Guiness mehrere Rollen spielt, den durchgeknallten sadistischen Einsatzleiter, den kaltblütigen Sniper und die junge Staatsanwältin, die ein Blutbad verhindern soll.
Der Auftritt war so grandios, dass Wyatt von seinem Doppelgänger gefördert wird, er soll unbedingt eine Charakterrolle übernehmen. Und als ihm das auch gegen den Willen seines Managers gelungen ist, will sogar Wyatts Tochter dass ihr der Doppelgänger eine Geschichte vorliest, das erste Mal dass sie sich geirrt hat.
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konstivonderalm · 5 years ago
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Der Wille des Volkes
Ein Hypertext und ein Action Adventure Game mit 4 Rollen
Venus und Flower FBI Ermittler, die den Klimaaktivisten nahe stehen
Bret und Cherry leugnen nicht den Klimawandel, aber haben mehr Angst vor dem Chaos und dem Zusammenbruch der Wirtschaft, als vor der Hitze und den Katastrophen
Unsere Prämisse: Jeder hat Recht. Und jeder wird abgestraft, die Klimaaktivisten für nutzlose Selbstvergewisserungsrituale und die Lobbyisten für die Vertuschung und Verdummung etc. Jeder hat ein legitimes Ziel, der eine bekämpft das Chaos, der andere bekämpft die Umweltzerstörung.
In diesem Spiel haben Flower und Venus die gleichen fiesen Tricks drauf wie Bret und Cherry. Ermitteln: Ausspionieren, Tarnen, Täuschen, Infiltrieren.
Es geht um die Ermordung von Industriellen und die Manipulation der Präsidentenwahl
Die Klimaaktivisten vermuten, dass die Morde und Terroranschläge unter False Flag stattfinden, um die Klimabewegung zu diskreditieren und die Wahlfälschung zu vertuschen. Für Bret und Cherry ist der Fall klar, und sie wollen die Ökoterroristen hoch nehmen. Im Team vom FBI arbeiten noch andere Ermittler, aber man kann nur diesen 4 Perspektiven folgen.
Jeder arbeitet mit seinem ganz eigenen Fokus. Und jeder wird beeinflusst. Cherry wird auf eine Yacht eingeladen, sie soll den Sicherheitsdienst einer großen Internetfirma organisieren. Man weiß nicht, ob sie in eigenem Interesse ermittelt, oder ob sie nur mitspielt, um dem Wahlbetrug auf die Spur zu kommen.
Während Venus unter den NGOs nach einer Hackergruppe sucht.
Der Chef vom FBI hat Wert auf ein politisch ausgeglichenes Team gelegt.
Bret ist ein Zyniker, für ihn ist es ganz gleich, ob man die Leute geschickt über ihre Persönlichkeitsprofile manipuliert oder ob man ein paar Stimmzettel dazulegt. Nur das eine ist erlaubt, das andere nicht, die Demokratie zerstören tun sie beide. Eine ähnliche Einstellung hat er zur Kohlendioxidemission: Wenn wir die Atmosphäre nicht zerstören, dann machen es eben die Anderen.
Flower ist ein Analyst mit einem Lächeln im Gesicht, man weiß nie, was er denkt.
Soviel zu der Grundkonstellation, der Plot kommt später...
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konstivonderalm · 5 years ago
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Salvator Mundi
von Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Seine junge Freundin Lisha Gibril übt unglaublichen Druck auf ihn aus, er, Medientycoon Ulysses Mach, sollte seine Macht nutzen, um den Planeten vor der Klimakatastrophe zu retten. Uli, wie sie ihn respektlos nennt, hat sie schon lange im Verdacht, ihn nur zu lieben, um ihn zum Ökologen zu bekehren, um so den Planeten zu retten. Er hat sie in Verdacht auf einer einsamen Agentenmission zu sein, nur sie alleine. Sie beißt ihn nicht tot, wie es ein einsamer Wolf tun würde. Die Wölfin füttert ihn mit falscher Liebe und er liebt diese falsche Liebe mehr als jede Echte. Und er macht sich lustig darüber, wenn sie die Gelegenheit verstreichen lässt, ihn zu überwinden, und alles an sich zu reißen. Er spielt mit seinem Schicksal, so wie er als junger Mann beim Autofahren die Augen geschlossen hat und blind gefahren ist.
Sein Berater Olf Trotz aber mahnt, er solle das Spektakel nicht vernachlässigen, alles bricht zusammen, wenn die Menschen ihr tägliches Chaos, ihr tägliches Spektakel nicht haben, wenn er plötzlich in seinen Medien Ökologie servieren würde. Es könnte der Punkt kommen, wo wir diesen Planeten nicht mehr steuern können und das wird schlimmer sein, als er sich vorstellen kann, denn die Leute sind es gewohnt gelenkt zu werden. Ihnen (den gewöhnlichen Sterblichen) reicht es sich eine Mannschaft auszusuchen, rechts oder links, ganz gleich, nur großes Theater muss es sein, richtiges Leben eben. Man kann diesen Leuten das richtige Leben nicht einfach wegnehmen, und es durch etwas Unbekanntes austauschen, auch wenn sich das Unbekannte die Wahrheit nennt. Das funktioniert so nicht, die Wahrheit kann man nicht pur genießen, unverdünnt ist die Wahrheit eine tödliche Droge. Sein Berater ist so versessen, dass er anbietet sein Geschlecht zu wandeln und seine neue Geliebte zu werden, er ist entschlossen alles zu tun, was nötig ist, das Chaos der Weltverbesserer abzuwenden.
Doch dann hat Ulysses Mach einen Unfall, und die ganze Welt horcht auf, der Medientycoon Ulysses Mach hat nach einem Unfall sein Gedächtnis verloren. Was die Presse und die üblicherweise gut informierten Kreise nicht wissen, er will jetzt in seine Kindheit zurückkehren, dort wo sein Gedächtnis gut aufgehoben ist. Sie präsentieren ihm Eltern, die ihn besuchen kommen, aber er spürt den Betrug und erfährt schließlich, dass seine Eltern schon lange gestorben sind. Auch erfährt er, dass er, dass er nicht aus München stammt, sondern aus einem kleinen Bergdorf im Grenzgebiet, Verwandte leben dort nicht mehr.
Dann bekniet ihn Olf Trutz, er müsse ihm unbedingt mitteilen, was ihn dort erwartet, er bräuchte einen Hintergrundcheck von jedem einzelnen, sonst würden die Dörfler die Gelegenheit nutzen und ihm einen Bären aufbinden.
Ulysses antwortet: Nun, noch mehr lügen als meine Berater können sie auch nicht.
Und er droht jedem, der etwas ausplaudert, der seine lieben Freunde vom Berg schlecht macht, den Mund zu betonieren. Auch soll man sie nicht von seinem Besuch vorwarnen. Aber jemand scheint es doch weitergegeben zu haben. Denn als er dort angekommen ist, ganz bescheiden als Sommerfrischler getarnt mit dem Regionalbus angereist, da lügen ihm alle phantastische Geschichten vor.
Und seine Freunde von damals, an die er sich nicht erinnern wollte, die sind scheinbar spurlos verschwunden. Aber sie haben auch diejenigen weggesperrt, die er damals gequält hat, die er gepiesackt hat. Bauernschlau wie sie nun mal dort oben sind, tun sie auch noch so, als ob sie seiner Rückkehr nicht viel Beachtung schenken. Aber dann bricht es aus ihnen heraus, eine Jugendliebe, die er früher erfolglos angeschmachtet hat, braucht eine kostspielige OP im Ausland. Ein Typ, der ihm noch 50 DMark schuldet verliert sein Hotel, weil er spielsüchtig ist. Aber seine Freundin von früher wünscht ihn zum Teufel. Sie will ihm nicht sagen warum.
Dann kommt irgendwann heraus, dass er gar nicht das Gedächtnis verloren hat. Und misstrauisch wie man dort oben ist, glaubt man er ist gekommen um Rache nehmen. Und die Opfer seiner Kindheit sagen: Wenn das so ist.
Sie wollen ihn dann nicht weiter schonen, sie wollen dass er erst mal bezahlt, was er ihnen angetan hat, er habe seine ganzen fiesen Strategien, wie man andere einschüchtert und ausbeutet, an ihnen ausprobiert, er habe sozusagen ihr Urheberrecht verletzt, denn sie haben diese Art erfunden, wie man sich ausbeuten lässt. Ja auch die schlechten Dinge, die nachteilig für einen selbst sind, auch die müssen erfunden werden.
Aber er begibt sich, als alle auf den Showdown warten, allein auf eine Wanderung in die Berge.
Aber dann, als alle auf ihn im Wirtshaus warten, und sogar seine widerspenstige Freundin von damals herbeigezerrt wurde, kommt heraus, dass er seiner Freundin damals eine Geschichte geklaut hat. Er hat ihr versprochen einen Verleger zu finden, aber statt dessen, hat er die Geschichte zu seinem Leben gemacht hat, hat alles so gemacht, wie der Held ihrer Geschichte, und dass ist die Quelle seines ganzen Erfolges geworden. Sie hat danach nie wieder Geschichten geschrieben und sich nie wieder bei ihm gemeldet, er hat sie sehr diskret beschatten lassen, aber es hat keine neue Geschichte gegeben. Als die Dörfler dieser Sache auf die Spur kommen und auch noch erfahren, dass er auf der SchinderAlm gesichtet wurde, schicken sie ihm die Freundin hinterher, sie soll ihm endlich geben, was er so dringend braucht, es wäre die Rettung für alle.
Als er sie sieht, stürzt er vor Schreck ab, und gerade sie muss ihn retten. Und er fragt sie als er zu sich kommt, ob sie ein Engel wäre. Aber sie verbindet ihn nur, dann ist sie fort. Das Einzige was sie ihm sagt ist: Folge mir nicht.
Aber er gibt keine Ruhe, und ruft ihr hinterher, bin ich nur eine Figur, bin ich nur ein Hirngespinst, und mehr nicht? Wessen Geschichte bin ich?
Nach diesem Unfall bestätigen die Ärzte, dass er wieder ganz der Alte sei, er hat sein Gedächtnis wieder. Und jemand schreibt über ihn, dass er offensichtlich so ein robustes Gehirn hat, wie ein alter Generator aus seiner Kindheit, den musste man auch treten um ihn wieder zum Laufen zu überreden.
Und dann beginnt er das Erste mal seinen Kurs selbst in die Hand zu nehmen und von der eigenartigen Geschichte, die sein Leben geworden ist, die er immer noch im Original hat, in einem Schulheft aufgeschrieben, abzuweichen. Er wirf die Geschichte in den Kamin und will nun den Planeten befragen, was er tun soll. So viel zum eigenen Kurs. Und Heerscharen von Esoterikern wollen die Zeichen des Planeten für ihn deuten. Aber er findet es selbst heraus, wie man den Planeten lesen muss. Eines Tages als er gedankenverloren seinem treuen Gärtner Kurt Bayer zusieht, wie er den Pflanzen in den Ritzen seiner Steinplatten auf der Terrasse nachsetzt, da hat er eine Eingebung. Als dieser schon den Rasierklingenscharfen Fugenkratzer angesetzt hat, ruft Ulysses Mach: Halt, wie heißt diese Pflanze?
Und sein Gärtner entgegnet treu: Es nennt sich Blauschillergras, Koeleria Glauca.
Ulysses: Und ist es nicht so, dass diese Pflanze eingewoben wurde von Mutter Natur, in feines Netz aus Wenn und Dann aus Ursache und Wirkung, die jeder Pflanze eine kleine Nische öffnet, wo es seine Wurzeln in den Boden graben kann und seine Blätter der Sonne entgegenstrecken?
Kurt Bayer: So ist es.
Ulysses: Und ist es nicht so, wenn auch wir, Homo Sapiens Sapiens, nur dem Weg der Natur folgen, diesem fein verzweigten Wurzelwerk aus Wenn und Dann, wird uns die Natur ganz genau lehren, welche unserer glorreichen Erfindungen ihr gefällt, und welche nicht nur sie bedroht, sondern auch den Menschen und seinen Planeten?
Kurt Bayer: So ist es.
Ulysses: Kurt, hast Du noch einen Schimmer einer Ahnung, warum wir dem Blauschillergras so unerbittlich nachgestellt haben?
Kurt: Auch ich würde es jetzt gerne begnadigen.
Und so kam es, dass aus dem Gras, was in den Ritzen seiner Terrasse wächst, Ulysses Mach und Kurt Bayer ablesen konnten, was der Planet braucht und was man lieber lassen sollte, oder wenn es denn nicht geht, anders gelöst werden müsste. Und in der Times zeigen sie das Blauschillergras auf der Titelseite, was jetzt der Herrscher der Welt sei, ich korrigiere, der Erlöser der Welt, Koeleria Glauca, Salvator Mundi.
Aber so eigenartig es klingt, durch diese Art des vernetzten Denkens, wie es ein ganzes Ökotop beherrscht, dieses vernetzte Denken, als die Sprache der Natur, das macht vieles besser. Auch wenn die Leute erst mal eigenartige Dinge tun, wie man sie nur von Homo Sapiens kennt und sich die Haare blau färben und mit Rasierschaum daraus einen Horst von Blauschillergras bauen. Und dann gibt es Artikel, wo man diese Pflanzen, und ihre Biotope mit historischen Herrschern vergleicht und ihnen Pflanzen zuschreibt. Sie tun aber auch etwas anderes. Mit dem Denken der Natur wandelt sich alles und die Erde beginnt zu heilen, ganz langsam, aber stetig.
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konstivonderalm · 5 years ago
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Die ProthesenFalle
Die Cyborgwerkstatt
Wenn das Wort Understatement jemals einen Sinn gemacht hat, dann in Thnisswicks Cyborgwerkstatt, dessen Lounge eine einfache Garage war, mit Sofo Damen und Herrenmagazinen, kalten Getränken und kleinen Snacks. Thnisswick hatte den neusten Traumatänzer, einer der fortgeschrittendsten Operationsroboter. Er konnte während der Arbeit dem Patienten Gewebe entnehmen und züchten. Er konnte eine punktierte Arterie vollautomatisch aufbauen, erst wurde die Blutung gestillt, Gewebe entnommen, der Kreislauf stabilisiert, ein Drogencocktail für den buntesten Narkose Schlaf des Planeten zusammen mit den passenden Klängen und Lichtern verabreicht, dann nach 8 Stunden, wurde das provisorische Verschlussmaterial gegen das körpereigene ausgetauscht. Bei Thnisswick gab es noch das Originalgerät, dass ansonsten wegen einer Klagewelle verboten war, weil es seinen Patienten mit einem Klaps auf den Hintern weckte. Was, wenn man es mal genau überlegt, gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist beim Aufwachen aus der TraumNarkose.
Aber bei Thnisswick klagte niemand, wenn er in einem Feuergefecht seine Aorta verletzt hatte. Und nur Idioten beschwerten sich, dass sie dort ihre Technologie nicht nutzen konnten, keinen Funkempfang hatten usw.
Tobi und Mimi ein künstliches siamesisches Paar haben sich, weil sie über beide Ohren ineinander verliebt waren, verbinden lassen. Das hätte Thnisswick eigentlich abgelehnt, aber es kam noch hinzu, dass Tobi ein schwer geschädigtes Verdauungssystem hatte, und Mini eine geschädigte Lunge. So konnte beide Überleben und mussten sich nicht unnötig in Unkosten für neue Organe stürzen. Mimi hat sich angewöhnt zu essen, wenn Tobi schläft, um ihn nicht zu ärgern, nur wenn sie wirklich sauer ist, isst sie. Und das passiert meist bei Streitgesprächen. Sie hat sich nun schon eine halbe Packung von glasierten Maronen gegönnt eine Kostbarkeit zu dieser Zeit. Sie sind beide beim Cyborgklemner, weil sie eine Verlängerung wünschen. Sie sind über eine recht dünnen Verbindung, nicht dicker als die Papprolle im Klopapier verbunden. Dabei ist diese Verbindung auf sehr kunstvolle Art durch Narbengewebe gefestigt. Und die Narben selbst beruhen auf einem Liebesgedicht von Walter von der Vogelweide. Und jedes mal wenn Thnisswick das sieht ist er begeistert, weil es mit ganz simplen Methoden gemacht wurde, und sich keine Infektion gebildet hat und auch das Narbengewebe nicht so brüchig ist wie sonst, sondern geradezu wie der Panzer einer Echse.
Tobi und Mimi waren schon öfter da, wegen einer Verlängerung. Eigentlich könnten sie sich auch richtige Medizin leisten, aber Thnisswick ist für sie eine Art Ghetto Doktor bei dem sie sich wohlfühlen. Mimi: Diesmal kannst Du uns nicht einwickeln, diesmal gehen wir nicht nach Hause, bis Du nicht deinen Brutkasten und Gewebedrucker anwirfst, das sagen wir Dir. Meinetwegen schreib auch das Gedicht wieder drauf, oder auch deine Rechnung, das ist mir ganz gleich. Ich brauche ein bisschen Auslauf von meinem Schätzchen. Ein Meter ist wohl das mindeste, was ich verlangen kann, komm mir nicht wieder mit Biologie und so weiter, Du kannst ja einen Verstärker dazwischen schalten, das geht bei Kabeln doch auch super, also keine Ausreden.
Tobi wirft Thnisswick ein schmales Gedichtbändchen hin, was dieser mit der gleichen Freude mustert, wie die künstliche Verbindung der ebenso künstlichen siamesischen Zwillinge.
Thnisswick: Und wie sieht es mit einer Lunge für Mimi und einer Verdauungstrakt für Tobi aus?
Das ist Thnisswick Trick, die beiden zerstrittenen wieder zusammen zu bringen, denn eben hatten sie sich noch über die Ursachen der Klimakatastrophe unterhalten.
Mimi: Ich weiß schon, dass Du eine ganz tolle Theorie hast, aber es ist doch einfach nicht von der Hand zu weisen, dass quasi die gesamte Elite der Menschheit aus verkappten Sadisten bestand. Die haben das getan, was Sadisten nun einmal am besten können, alle gleichschalten und die Erde verwüsten, Kohle ausbuddeln, Kohle verbrennen, super Sache das.
Tobi: Das willst Du nie verstehen, sie hatten einfach keine Wahl.
Mimi: Dreistellige Multimilliardäre, die Erfinder von persuasive technologies, keine Wahl?
Tobi: Was willst Du machen, wenn dein Volk zu Masochisten wird, da kannst Du als Herrscher überhaupt nichts tun. Du kannst etwas gegen Terroristen tun, du kannst sie vernichten, bestechen, umerziehen. Siehst Du den Punkt? Aber was willst Du mit jemand anfangen, der alles macht, was Du sagst? Da ist sogar der übelste Tyrann aufgeschmissen, der kann einfach nichts mehr machen, wenn alle Masochisten sind. Das Einzige was Du als anständiger Sadist machen kannst, wenn alle zu Masochisten werden, Du kannst ihnen gehorchen und sie so quälen, wie sie es brauchen.
Mimi: Wie witzig, deine Argumentation, da kannst Du auch die Polizei rufen, wenn dich ein Masochist gezwungen hat ihn zu quälen und auszurauben.
Tobi: Du willst doch die Fakten nicht leugnen, sie haben doch ganz freiwillig ihre ganzen Daten hergegeben, die sogenannten Sadisten, die wussten gar nicht wie ihnen geschah, die konnten diese Kollektivkapitulation der Weltbevölkerung vor ihrer Elite gar nicht so schnell befriedigen. Das war richtig Arbeit, sie mussten immer neue Sachen erfinden, wie die Bevölkerung ihre Profile abgeben kann, immer neue Apps, im neuen Profil Striptease. Mit dem gleichen Trick manipuliert der Masochist den Sadisten, kleine subtile Fingerzeige, der Sadist ist es der Unfrei ist, der es dem Masochisten ganz genau so besorgen muss.
Mimi: Und warum war das plötzlich so, wo sind sie denn alle hergekommen, die Masochisten auf einmal, kannst Du das auch erklären?
Tobi: Das war das Ende des kalten Krieges, warum die Verlierer Sündenböcke geworden sind, muss ich dir ja nicht erst erklären, sie waren auch schon vorher Sündenböcke, sie brauchten sich gar nicht ändern.
Mimi: Und die Sieger, wie soll das gehen?
Tobi: Das lässt sie einfach geographisch erklären, die Sündenböcke sind ja noch in den anderen Staaten, man kann sie nicht so schön vorführen, sie erfinden auch keine neuen Wasserstoffbomben oder so, denn die wollen unbedingt ein Abrüstungsabkommen, deshalb gibt es nur eine Möglichkeit für masochistische Sündenböcke.
Mimi: So ein Quatsch, warum soll ich denn ein Sündenbock sein, wenn ich es nicht muss?
Tobi: Weil du gebraucht wirst, ganz einfach. Es ist ein verdeckt patriotischer Akt, alle wurden plötzlich zu Masochisten und Sündenböcken. Entweder aus Patriotismus, oder weil es keine brauchbaren Sündenböcke mehr gab.
Mimi: Und die Russen Mafia, die arabischen Fundamentalisten, wie ist es mit denen?
Tobi: Du siehst doch selbst, was daraus geworden ist. Was ist denn von denen noch übrig geblieben? Es gibt einfach nicht genug Bösewichte. Das ist eine Tatsache, und du weißt ja, was mit dem Wald passiert, wenn es keine Wölfe gibt...
usw.
Thnisswick hatte es eilig, er nahm von den falschen siamesischen Zwillingen eine Probe für die Vernabelung, das war der Fachbegriff für die Operation, empfahl ihnen die glasierten Kastanien und entschuldigte sich, weil er heute noch einen Vortrag an der neu gegründeten Universität hatte. Als Einstieg hatte er eine Katastrophentheorie gewählt, denn die Klimakatastrophe hatte so viele Menschenleben gefordert und vor allen Dingen so viele Menschenleben durch Hitze, Feuer, Infektionen und andere Folgen verkürzt, dass sie zum ganz natürlichen Ausgangspunkt, jeder Antrittsrede wurde. Thnisswicks Antrittsrede wurde mit großer Spannung erwartet, da er glaubte, die wesentliche Ursache für die Klimakatastrophe benennen zu können. Thnisswick nahm das Fahrrad für die 45 Minuten Strecke zur improvisierten Universität und freute sich auf dem Weg darüber, wie es den Menschen gelungen war, das Grün gegen die Hitze zu verteidigen. Überall wuchs und fruchtete es. Und er freute sich auch über den Luxus von glasierten Kastanien in seiner Cyborgwerkstatt und hatte das Gefühl, er könnte jede überflüssige Kalorie begrüßen und per Handschlag verabschieden, die es ihm erlaubte, heute einen Vortrag zu halten und das zu einer Zeit, wo sie sich an anderen Orten des Planeten immer noch selbst verspeisten, oder wo die Landschaft sich in eine weitere Atakama verwandelt hatte.
Die Grundideen seine Prothesentheorie ging auf Sigmund Freud zurück, war mit Medientheorien gewürzt und von Thnisswick umsichtig abgeschmeckt worden. Der Mensch war ein Prothesengott. Als er im Scheine seines aufkommenden Bewusstseins seinen eigenen Tod in der Zukunft erblickte, erfand er die Gottesprothese, um seinen Verstand im Angesicht seiner Sterblichkeit zu behalten. Aber schon für Gott musste er einen Preis zahlen, denn der erforderte einige Umleitungen seiner Gedanken, die ihn bei der Landwirtschaft behinderten. Wenn er seine Herde über alle Maße vergrößerte, und damit die Grasnarbe schädigte und durch Winderosion kostbaren Boden verlor, der seine Herde nicht mehr ernähren konnte, so war es nicht diese Maßnahme, die zu einer elendigen Herde führte, sondern, dass er am Tage des Herrn eines seiner Gebote missachtet hatte. Er bezahlte seine geliebte Gottesprothese nicht nur mit dem kostspieligen Bau von Tempeln, sondern auch mit einer Blockade seiner Erkenntnis.
Und dann war da die prominenteste Hypothese, der Hauptschuldige der Klimakatastrophe, das Automobil. Mit dieser Prothese, so argumentierte Thnisswick ganz gewitzt konnte der Mensch nicht nur die Entfernungen verkürzen, den Handel ankurbeln usw. nein, er konnte auch mit einer Miniaturform seines Wohnzimmers die Welt im wahrsten Sinne des Wortes erobern. Denn überall, wo er mit seinem Wohnzimmer hinfuhrt, war er zuhause. Hatte einen Ort, mit einem ähnlichen Status, wie eine diplomatische Vertretung, die niemand gegen seinen Willen betreten durfte, das wandelnde Wohnzimmer, war sein Königreich und sein Prestigeobjekt, an dem man seinen Erfolg im Leben ablesen konnte.
Der Atomkraft sagen einige nach, dass sie klimaneutral sei. Thnisswick hindoch war als Experte für Prothesen, der ständig damit zu tun hatte, dass ein Exosuit nicht passte, dass die GedankenKraftVerbindung nicht intuitiv war usw. Deshalb fiel ihm gerade bei der Nutzung der Atomkraft eine fatale Rolle für die Klimakatastrophe auf. Denn durch die Logik der Atombombe, war eine ganze Generation abgerichtet worden, quasi so zu leben, als wäre es der letzte Tag. Es konnte jeden Tag knallen, was kümmert einen da das Klima, wenn man froh ist, die nächste Phase des kalten Krieges zu überleben. Dies führte zu einer Art Schwarz Weiß Denken und auch zu einer seltsamen Selbsterhöhung. Denn die vernünftige Strategie, wenn man die Raketen des Feindes auf dem Schirm sieht, wäre, nicht mit einem Gegenschlag den ganzen Planeten zu vernichten, sondern wenigstens den Feind als überlebenden Vertreter der eigenen Art zu erhalten, um so das Aussterben von Homo Sapiens zu verhindern. Durch diesen nachsichtigen und naheliegenden Gedanken, wäre aber der Krieg noch gefährlicher geworden, denn nun würde das zur Folge haben, sofort den Feind zu erledigen, bevor er es tut, und sich als Überlebenden zu feiern. Man musste also dem Feind drohen, auch ihn, und mithin den ganzen Planeten zu vernichten, würde man von ihm atomar angegriffen. Bloße Versicherung genügte natürlich nicht, denn der Feind wollte natürlich wissen, wie ernst man das meinen würde. Und deshalb musste man alle Schritte unternehmen, die Bevölkerung hinter sich versammeln, die Routinen des Vernichtungsschlags implementieren, um glaubwürdig abzuschrecken. Und dies, so wollte Thnisswick beweisen, war eine Hauptzutat der Zerstörung des Klimas, weil sie den Menschen nur noch auf die Eine Frage, das Überleben der eigenen Ideologie fixierte und alles andere zur Nebensächlichkeit machte. Eine erfolgreiche Abschreckung basierte darauf, sich zum Narzissten zu machen, der den Planeten nur verachten kann und dem der Sieg über alles geht. Diese tief reingerammte, weil überlebenswichtige Einstellung hat ein flexibles Reagieren auf die Entdeckung des Treibhauseffekts bei der Untersuchung der Atmosphäre der Venus und auch später bei der irdischen Atmosphäre verhindert. Und damit kommt Thnisswick zu einer weiteren Hypothese. Die Prothesengott hat seine Erweiterungen seines Körpers und Geistes, seine Autos, Ferngläser, Götter, Waffen etc. immer nur an seine Bedürfnisse angepasst und nie an die Bedürfnisse des Planeten.
Er hat nicht bedacht, dass die Erfindung sozialer Netzwerke andere Folgen hat, als die Zähmung des Wolfes. Auch die Zähmung des Wolfes ändert das Ökosystem, aber die Erde hat die Möglichkeit sich daran anzupassen, solange nicht die Wildform des Wolfes gänzlich ausgerottet wird, und nur die zahme Form erlaubt ist. Die Erde, der Planet und seine Ökosysteme passt sich daran an und er lässt seine menschlichen Bewohner auch wissen, was passiert, wenn sie in das Ökosystem eingreifen. Rottet er den wilden Wolf aus, muss er sich nicht wundern, dass durch Wildverbiss aus dem Wald eine Steppe wird, eine Heide. Die Erde ist also in diesem Zustand ein Pädagoge, ein Lehrer der unsinnige Eingriffe des Menschen abstrafen kann, in der Hoffnung, dass er daraus die richtigen Lehren zieht. Die Folgen eines sozialen Netzwerkes für die Natur und das Klima sind jedoch verborgen, gehen über mehre Banden, so dass der pädagogische Effekt, weitgehend ausbleibt, weil er unter Wechselwirkungen verschüttet ist. Das Geschäftsmodell sozialer Netze nutzt die Probleme und die der polarisierten Gruppen, die sich gegenseitig eine Schlacht in der von den sozialen Netzwerk bereitgestellten Cyberspacearena liefern. Sowohl der Hass aufeinander, als auch die Probleme selbst, sind sein Geschäftsmodell. Wollte man ein Soziales Netz entwickeln, was den Planeten schont, dann müsste man es mit der gleichen Umsicht und Sorgfalt an den Planeten anpassen, wie an den Menschen.
Hier erwartet Thnisswick Widerspruch und hat sich schon ein Gegenbeispiel ausgedacht. Denn es gelingen ja auch andere Dinge, wie seine Genitalien nicht aus der Hose baumeln oder luken zu lassen.
Und damit ist Thnisswicks Analyse noch nicht am Ende. Denn diese ganzen nicht an den Planeten angepassten menschlichen Prothesen haben noch eine Eigenschaft, sie verbinden sich durch Produktionsprozesse, aber auch durch gemeinsame Nutzung miteinander, bilden ein enges Netz der Abhängigkeiten und Kombinationsmöglichkeiten. Sogar das Fahrrad kann sich mit einem Auto verbinden, wenn man einen Dachgepäckträger benutzt. Kurz: Das Netz zwischen diesen Prothesen ist so stramm gestrickt, so fest gezurrt und eng verbunden, dass man es nicht so einfach auflösen kann. Und selbst wenn Teile dieses Prothesenökosystems vernichtet werden, regeneriert es sich quasi aus sich selbst heraus. Und diese Kombination ist es gewesen, da ist sich Thnisswick der Cyborgklempner und Prothesenspezialist sicher, die die Erde in die Klimakatastrophe geführt hat.
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konstivonderalm · 5 years ago
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Fluch der Väter
von Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Stefan Wolf ist ein einfacher junger Schutzpolizist, aber er löst mehr Fälle, als ein Kollege von der Kriminalpolizei. Dabei wirkt er schüchtern, ein grosser schlanker blonder gutaussehnder Typ, hohe Stirn, ein schlanke Nase, alles sehr gerade gezogen, sogar die Augenbrauen, die Wangen, der Mund. Wer ihn erlebt, wie er mit einem Verdächtigen spricht, der glaubt er hätte einen anderen Typen vor sich. Er ist wie ausgetauscht. Er ist fast so flexibel wie ein Schauspieler, mit einem ernsthaften Typen spricht er ganz ernst und sachlich, mit einem Spassvogel scherzt er. Und mit einer Frau, die ihn mag, flirtet er. Doch schon wenn er seinen Bericht schreibt, dann hat er sich zurückverwandelt. Das ist alles, was er tut, sich bewerben, für eine Weiterbildung und Berichte schreiben, viele hilfreiche Berichte. Und was tun seine Vorgesetzten? Sie lassen sich seine Berichte kommen, fragen Kollegen, aber mit ihm persönlich sprechen sie nicht. Er beherrscht nicht nur das Patentrezept Täter zu ermitteln, nein, er ist auch ein Naturtalent darin, sich unter den Kollegen unbeliebt zu machen, man weiss nicht ob er loyal sein wird, Chorgeist hat, Stallgeruch. Das geht so weit, dass man ihm mal auf den Zahn fühlen will. Als er sich in einem Bericht für einen stadtbekannten Kriminellen einsetzt und ihn entlastet, da ist es so weit: Vorteilsnahme liegt in der Luft. Und natürlich hat Stefan mit dem Kriminellen gesprochen, hat den harten Cop gespielt, der Respekt vor der professionellen Arbeit seines Gegenübers hat. Das hat nicht nur seinem Gegenüber gefallen, sondern auch seinen Feinden: Jetzt kriegen wir dich, Freundchen. Seine Kollegen hängen das Ding ganz gross auf, die Angst, die sie haben, dass er mal einen Bericht über sie schreibt, die treibt sie an. Sie wollen es wasserdicht haben, holen einen von Aussen, soll der sich ihn mal ansehen. Aber dummerweise haben sie nicht die gleiche Sorgfalt walten lassen, wie Stefan Wolf, den sie für ihren Feind halten, aufbringt. Denn die Überprüfung kommt zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass Stefan Wolf im Zweifel gegen sich selbst ermitteln würde. Auch wenn er bemerkt, dass Stefan Wolf ambitionierte Ziele hat, dass er Misserfolge schwer ertragen könnte und einen gewissen Hang vor den Opfern als eine Art Held darzustehen. Denn für alle Opfer bringt er die gleiche Empathie auf. Bleibt nicht neutral, ist auf ihrer Seite, ermuntert sie zu erzählen. Tut etwas, was man unbedingt vermeiden sollte. Ist erstaunt über die Straftaten, darüber was sich die Täter einfallen lassen, und zeigt das auch den Opfern, ohne ihnen auch nur einmal zu vermitteln, er würde ihnen nicht glauben. Ein Kollege, der mehr der väterliche Typ ist, hat das mal freundlich so formuliert, als er zu dem Geschädigten gesagt hat: Und wenn mein verehrter Kollege den Mann, der ihnen das angetan hat, nicht selbst im Laufe des Vormittags hier rein schleift, sind wir anderen auch noch da.
Falls er mal wirklich angelogen wird, dann ist er der nüchterne neutrale Bulle, der er sein sollte.
Man könnte glauben, nun ist es gut, nun lassen sie ihn in Ruhe, gewöhnen sich aneinander. Das wäre vielleicht auch geschehen, wenn da nicht dieser verhängnisvolle Satz in dem Bericht über ihn stünde, er würde im Zweifelsfall auch gegen sich selbst ermitteln, sich hinterfragen, seine Motive.
Und doch wird man bald von ihm schwärmen und sein Fortgehen bedauern. Denn irgendwer hat von ihm und seinen Qualifikationen erfahren und versucht ihn abzuwerben, zum Personenschutz des Kanzlers. Als er fort ist, hört man öfter, dass es keinen Spass machen würde, wenn sie einfach die besten Leute abziehen würden. Oder, dass sie einem zeigen, was sie von einem halten. Dass ihnen die Probleme hier vor Ort im Grunde egal sind.
Das sie durch seine Beförderung alle abgeohrfeigt werden, das empfindet niemand so. Nicht mal als herauskommt, dass er gerade so einen Personenschützer ablösen soll, der gut zu ihnen gepasst hätte, ein umgänglicher Typ, so wie sie, er hat nichts verraten, nicht direkt, aber er hat Andeutungen gemacht, der Presse gegenüber, ein Schwager von ihm soll involviert gewesen sein.
Und nun steht Stefan Wolf im Ankleidezimmer des Bundeskanzlers.
Und natürlich ist dem Bundeskanzler auch der Neue aufgefallen, als er sich gerade vor dem Spiegel fertig anzieht und seine Krawatte bindet: Sie sind noch sehr jung.
24 Jahre Herr Bundeskanzler.
Was sehen sie mich so an?
Sehe ich sie an?
Der Bundeskanzler lacht: Ja, das tun sie, ich habe sie erwischt, nicht?
Bei meiner Vorliebe für Autoritäten?
Haben sie eine Vorliebe für Autoritäten?
Ja.
Nur einfach "Ja", kommt kein weiterer Text?
Es ist die Krawatte Herr Bundeskanzler.
Der Bundeskanzler hebt die Krawatte an, um sie direkt zu betrachten, und wackelt dann ein bisschen verspielt damit rum, als wäre sie das Bein eine Revuegirls aus einem alten Film: Ich weiss gar nicht, was an der Krawatte falsch sein soll, ist das nicht die Farbe der Opposition?
Ja, eine sehr oppositionelle Krawatte.
Ja, ja, dieses hohe Gelb, was für ein Genuss für das Auge, wenn man nicht in der Nacht vorher auf dem Bundespresseball so ausgelassen gefeiert hätte.
Der Bundeskanzler fixiert seinen Personenschützer durch den Spiegel und wartet auf eine Reaktion, die aber ausbleibt.
Der Bundeskanzler dreht sich um: Wenn sie so autoritätshörig sind, würde es ihnen dann gefallen, wenn ich ihnen ein wenig die Schulter tätscheln würde?
Ich glaube das wird nicht nötig sein.
Sie meinen, weil wir schon so vertraulich miteinander umgehen? Das wäre sonst zu viel.
Ja, Herr Bundeskanzler, das wäre so, wie mit der Krawatte.
Der Bundeskanzler tätschelt die Schulter von Stefan Wolf und lugt verschwörerisch Richtung Ausgang: Und ist die Luft rein, können wir jetzt gehen?
Und so ging es dann weiter und wurde zu einem beliebten Ritual, wenn der Bundeskanzler an seinem Waffenschrank ging, in dem die Krawatten lagen. Auch gerne empfing er dabei andere und prahlte ein bisschen mit seinem neuen Personenschützer, der mal seinem Pressesprecher beim Schreiben der Rede zur Hand gehen sollte, und dann dem Parteisekretär bei der Beseitigung eines lästigen Quenglers helfen sollte.
Dem Bundeskanzler war nicht entgangen, dass sein treuer, ich korrigiere, autoritätshöriger Personenschützer einsilbig wurde, deshalb gab ihm der Bundeskanzler den vertraulichen Rat: Sie müssen schon den anderen zeigen, was sie können, wenn es weiter gehen soll für sie.
Stefan Wolf: Es muss nicht weiter gehen, ich bin am Ziel.
Bundeskanzler: So, sie sind am Ziel, da gratuliere ich aber.
Das erste Mal erwischt der Bundeskanzler seinen Personenschützer dabei, wie es ihm schwer fällt, etwas zu sagen und er sagt: Nun raus damit!
Stefan Wolf: Wenn ich etwas sagen würde, dann würde es der Absicht des Gesagten zuwiderlaufen.
Bundeskanzler: Nun kommen sie schon, ich bin neugierig und das ist hier kein Philosphieseminar, was wollen sie mir sagen?
Stefan Wolf: Manchmal ist es gut, sein Pulver nicht zu früh zu verschiessen.
Bundeskanzler: Aber zum schiessen wird es doch nicht kommen, oder?
Stefan Wolf: Nur wenn es notwendig ist.
Bundeskanzler: Und dann darf man keinesfalls zögern.
Stefan Wolf: Nein, auf keinen Fall.
Eigenartig, wie wenig Worte noch gewechselt wurden, bis zu den Ereignissen, die das ganze Land verändert haben. Auch wenn es nicht alle gleich wahrnehmen konnten, wenn es im Verborgenen geschah, man konnte doch alles sehen. Nein, das ist nicht richtig ausgedrückt, ein bisschen besser wäre es, ich hätte geschrieben: Nichts war verborgen und keiner konnte es sehen. Und auch das trifft es nicht sehr genau.
Der Bundeskanzler ist dann mit seiner Familie an die Nordsee gefahren, Stefan Wolf sollte mit der Tochter des Bundeskanzlers schwimmen gehen. Das war alles nur ein Spass, oder war schon etwas zu spüren?
Dann kam die Sache mit dem Tennislehrer, es gab sogar Bilder, die Frau des Bundeskanzlers mit dem Tennislehrer. Aber der Bundeskanzler, als er die Nervosität von Stefan Wolf spürte sagte nur: Wollen wir jetzt über Gerüchte reden?
Er blickte Stefan Wolf durch den Spiegel an: Sie antworten nicht, das ist gut.
Und dann noch ein sehr kurzes Gespräch: Eine Zeitung mit der Sensationsmeldung lag auf der Komode, das Wort "verloren" stach ins Auge und natürlich erwischte der Bundeskanzler seinen Personenschützer, bei dem Blick auf die Zeitung: Nun, habe ich meine Frau "verloren"?
Und wieder antwortete Stefan Wolf erstmal nicht, obwohl diesmal war die Frage von dem Bundeskanzler ernst gemeint und Stefan Wolf sagte: Sie sind der beste Bundeskanzler, den wir bisher hatten.
Der Bundeskanzler überging dass Stefan Wolf nicht auf seine Frage geantwortet hatte: Das klingt sehr überzeugend, vielleicht muss ich sie einmal bitten für mich um Sympathie zu werben.
Aber Stefan Wolf liess sich nicht von dem abbringen, was er sagen wollte: Aber die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich...
Dieses Gespräch war nicht so eloquent. Es ging noch ein wenig hin und her und darum, ob man ein guter Bundeskanzler sein kann, wenn man private Probleme hatte. Und am Ende sagte der Bundeskanzler um das peinliche Thema abzuschliessen: Entschuldigen sie meine dumme Frage.
Stefan Wolf: Nein.
Bundeskanzler: Wie?
Stefan Wolf: Ich glaube, Nein, sie haben ihre Frau noch nicht verloren.
Bundeskanzler: Wirklich? Noch nicht?
Was dann geschah, das war einfach undenkbar. Ein Rascheln im Wandschrank. Der Griff nach der Waffe. Und ein toter Tennislehrer liegt auf dem Bettvorleger. Ein tragischer Unfall.
Das war das erste Mal, dass alle ehemaligen Kollegen von Stefan Wolf hinter ihm standen, der verhasste Tennislehrer war weg und man war beeindruckt: "Was für ein Teufelskerl" hiess es.
Aber auch: "Damit können sie ihn nicht durchkommen lassen, das ist unmöglich."
Nun, Stefan Wolf sah seinen Bundeskanzler nie wieder. Und doch wurde er das angenehme Gefühl seiner Nähe nicht mehr los. Sie führten eine strenge Untersuchung gegen Stefan Wolf durch. Kriminaltechnik, Befragungen, das ganze Programm und ein Abschlussbericht in dem auf ein gewisses Spiel der Dienstwaffe hingewiesen wird, ob dies die einzige Ursache für den "Unfall" war, bleibt unklar.
Dann kam der nächste Schock für die Öffentlichkeit, der Bundeskanzler und seine Frau trennen sich nicht, sie haben sich ausgesprochen.
Und als der Staatsanwalt eine psychologische Begutachtung von Stefan Wolf verlangt, sagt der Oberstaatsanwalt, das das nicht notwendig sein wird. Aber Stefan Wolf stimmt dieser Untersuchung zu. Die Öffentlichkeit ist fasziniert. Und die meisten sind sich einig, dass man mal die Frau des Bundeskanzlers untersuchen sollte. Und natürlich sticht jemand das Gutachten durch, und nun wissen es alle, dass Stefan Wolf der Vater fehlte. Und die Spekulationen und Andeutungen schiessen ins Kraut, bis Stefan Wolf entlastet wird. Das ist auch die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung, denn was hat Stefan Wolf schon anderes getan, als einen nervigen Tennislehrer auszuknipsen? Hat er das nicht für uns alle getan?
Und plötzlich hatte Stefan Wolf nicht nur einen Vater, an jedem Stammtisch fand sich einer, der ihn adoptieren wollte.
Für einen kleinen Moment nur verlor Stefan Wolf nun wirklich die Fassung, schloss mitten auf der Pressekonferenz einen Moment lang die Augen, und war wieder 14 Jahre alt, hielt noch einmal den blutigen Knüppel in der Hand, blickte noch einmal auf seine Hände und sagte noch einmal dieses Wort, was ich hier nicht wiederholen will, weil es einfach zu pathetisch ist, dann öffnete er die Augen, hatte sich wieder im Griff und konnte die Fragen auf der Pressekonferenz beantworten.
Dann geht alles durch die verborgene Hand seines verborgenen Vaters ganz schnell: Er arbeitet in der Privatwirtschaft, an der Entwicklung einer neuen Dienstwaffe mit, die später den Spitznamen "Der Schweiger" bekommen sollte. Aber schon bald will man ihn von der Bunderspolizei abwerben, er sei doch kein PR Maskottchen, wird ihm gesagt. Er könne sich stattdessen qualifizieren.
Von nun an dauert es nicht mehr lange und er ist der jüngste Vizepräsident, den die Bundespolizei jemals hatte. Und der Bundeskanzler bricht auch einen Rekord, er ist der längste Amtsinhaber.
Während die schweigende Mehrheit ihn verehrte, war er die lebendige und atmende Provokation für Terroristen. Und auch in der Liebe lief es nicht glatt. Auch wenn Stefan Wolf jede Schützenkönigin im Land in einen Teppich wickeln könnte und man ihn mit besten Wünschen ziehen liess, er verliebte sich in eine Frau, die ihn ebenso sehr hasste und verachtete, wie sie ihn liebte. Und die ihm eine Bedingung vor der Heirat stellte: Erst mal klärst Du deine Veranlagung, denn ich glaube, Du fühlst dich in Wirklichkeit zu jemand ganz anderen hingezogen.
Das war so eine Provokation, die auch Stefan Wolf nicht so einfach wegsteckte und so erwiderte er etwas matt: Er ist eine Vaterfigur für mich.
Auch danach hatte er noch keine Ruhe und musste sich anhören: Habe deinen Vater im Fernsehen gesehen, er hat sich ganz gut gehalten.
Aber sie durfte das, denn Stefan Wolf verehrte seine Frau. Das ging sogar so weit, dass er es ertrug, wenn sie Partei für einen gesuchten Terroristen ergriff. Wenn man das so nennen kann, wenn sie sagte: Irgendwie sieht er schon fesch aus, mit seinem groben Wollpullover (der Terrorist auf dem Photo), er hat bestimmt Superkräfte, deshalb bekommt ihr ihn nicht, der muss sich noch nicht mal kratzen, und das bei diesem Pullover.
Auch da spielte er noch mit und sagte zärtlich zu ihr: Mein Bond Girl.
Scheinbar hatte dieser Terrorist auch in der Bevölkerung heimliche Verehrer, denn sie sagten jetzt über Stefan Wolf, der jetzt Präsident der Bundespolizei war: Tennislehrer beseitigen ist das eine, aber der hier ist wohl eine Nummer zu gross für den Wolf. Und in den Zeitungen waren Karrikaturen mit zahnlosen Wölfen etc.
Stefan Wolf beschwerte sich bei seiner Frau: Das ist hier nicht alles nur Pop, der Mann hat auch Forderungen, weiss eigentlich irgend jemand wofür der Typ steht?
Aber da hatte seine Frau schon eine andere Idee und er hätte beunruhigter sein sollen als sie sagte: Ich bringe dich wieder in die Zeitungen, pass nur auf.
Dabei war es genau das, was Stefan Wolf nicht wollte, in die Zeitungen. Er wollte eine Familie, dachte an ein kleines Haus mit viel grün, nicht weit von seiner Arbeitsstelle entfernt, mit guten Schulen und einem Kita Platz. Aber seine Frau sagte nur: Ach Du! Du bist doch gar kein Vater. Oder warum suchst Du sonst so verzweifelt nach ihm. Nein, nein, ich meine das nicht böse, antworte doch mal darauf und sieh mich nicht immer an wie Nathan der Weise. Hä? Wie willst gerade Du Vater sein?
Er nutzte die kurze Pause nicht für eine Antwort, deshalb setzte sie nach: Ich meine, wenn es sich ergibt, warum sollst Du nicht Vater werden? Aber so geplant, wie du das hier abziehen willst, das sehe ich nicht, das kann ich mir nicht vorstellen, Du solltest erst mal klein anfangen, als "Unfall-Vater".
Es wäre eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, wie geschickt Julia Wolf es dazu brachte, von dem Terroristen mit dem feinen Gesicht und dem groben Pullover entführt zu werden. Vielleicht hat sie damit, mit diesem Opfer, auch eine Rohrbombe verhindert. Bei all der Sorge um seine geliebte Frau, wurde dem Bundespolizeichef doch speiübel, wie sie alle danach schrien, dass er den Terroristen "weg machen" sollte. Und er wollte es bei der Einsatzbesprechung, die er nicht leiten durfte, wo er nur im Publikum sass, ihnen am liebsten zuschreien, denn alle Augen hefteten sich auf ihn, als sein Stellvertreter fragte, ob noch etwas unklar sei. Er hätte am liebsten geschrien: Fangt ihn ein, aber lasst ihn verdammt noch mal am leben!
Auch wenn ihm niemand glaubt, und auch wenn Du ihm nicht glaubst, das ist es was er schreien wollte, auch wenn aus seinem Mund die Worte kamen: Bringt mir meine Frau zurück.
Und nicht geschrien, sondern so leise, dass sie in der letzte Reihe den Nachbarn fragen mussten: Hast Du verstanden, was der Chef von uns will?
Der Todesschütze sah Stefan Wolf sogar ähnlich. So dass die Presse das hatte, was sie wollte. Es war ein Fest für die Medien. Nicht nur der Schütze, auch die tapfere Frau des Bundespolizeipräsidenten.
Sie wunderte sich über ihn, als sie aus dem Krankenhaus kam und er sie nicht berühren konnte: Was ist denn nun mit dir Wolf? Verstehst Du nicht mehr was gespielt wird? Komm zu mir, na komm schon, wir werden uns mit uns selbst trösten, das machen alle so, wenn sie nicht wissen, was als nächstes kommt. So dumm wie sich das anhört ist es gar nicht.
Und dann später, als sie die Terrassentür aufgemacht haben, als sie der Amsel zuhörten, wie sie abends nach dem Regen noch einmal sang, bevor sie sich für die Nacht in ihren dichten Busch verkriechen wird, da tat er etwas, was er sonst noch nie gemacht hatte, er fragte sie: Was hast Du getan?
Julia Wolf: Nun, weisst Du es nicht, aus den Akten?
Aber er sah sie nur hilflos an, und sie spürte, dass sie ihn wirklich liebte, weil sie dieses dümmliche Gesicht, was er ihr hinhielt nicht verachten konnte, selbst wenn sie sich gerade ein kleines bisschen bemühte, ihn nicht so nett zu finden.
Als er immer noch nicht antwortete: Weisst Du, dass ich dir das nie geglaubt habe, das mit dem kleinen Haus im Grünen, und der Kita in der Nähe.
Stefan Wolf: Aber wohnen wir nicht genau so?
Julia Wolf überhörte das und blies eine grosse weisse Wolke von ihrem Joint aus: Ich glaube, nein ich weiss, das dir die Wirklichkeit zu wenig ist, Du willst noch ein anderes Leben.
Stefan Wolf: Ich bin zufrieden mit dem was ich habe.
Julia Wolf: Es ist ja auch ein ganz bescheidenes Leben, was ich mir vorstelle.
Sie überlegt einen Moment und knabbert an ihrem kleinsten Fingernagel: Aber ein zweites Leben ist es schon, auch wenn es auf die Seiten eines Buches passt. Es ist ein Papierleben sozusagen.
Stefan Wolf: Bist Du deshalb mit mir zusammen? Wegen dem Unfall? Wegen dieser Tennislehrergeschichte?
Julia Wolf: Nicht so bescheiden mein Wolf.
Wie sehr er auch in sie drang, wie scharf er auch nachdachte, er bekam es nicht raus, was das sein sollte. Nicht mal, als ihr Bauch fülliger wurde und ihre Brüste auch.
Und er kann es gar nicht sehen. Es ist unmöglich für ihn es mitzubekommen. Selbst als sie sich nackt mit den Händen in den Hüften vor ihn hinstellt und sagt: Na Vati wolln wir ficken?
Dabei versucht er es. Er versucht das Ganze zu verstehen. Kommt aber nicht davon weg, dass er sich sicher ist, das dieses Kind von jemand anderen ist. Er kann es ihr nicht sagen, überhaupt nicht, auch wenn sie es immer wieder von ihm verlangt: Nun sag es schon endlich!
Er ist nicht grob zu ihr, eher noch zärtlicher. Trotzdem verbreitet sie eine Art Endzeitstimmung. Der Höhepunkt ist, als sie eine Abschiedsvorstellung bei ihren Freunden gibt, die sie alle noch einmal besucht, so wie es sonst nur Selbstmörder machen. Ihre Freunde sind geschockt, so viel blühendes Leben und so viel Dunkelheit. Er hat sich fest vorgenommen: Wenn sie mich fragt, dann werde ich es sagen, aber sie fragt nicht. Und selbst wenn, ich bin mir nicht sicher, ob er den Mund aufbekommen hätte. Und dabei hat es nichts mit Treuebruch zu tun. Sogar sein Assistent, der etwas ahnt, spricht öfter das Stockholmsyndrom beiläufig an, dass Entführte zu allem bereit sind. Aber er will so etwas nicht hören.
Nur die Presse bekommt es erst mit, als die Mutter während der Geburt stirbt. Und dann ist es schon klar, was sie wollen. Sie wünschen dem Säugling das hübsche Gesicht des Enführers.
Und jetzt fängt die Geschichte wirklich an, die Geschichte die unbedingt zwischen die Seiten der Bücher will, die ins Kino will, die Geschichte von seiner toten Frau Julia. Und Stefan Wolf ist so verzweifelt, dass er seine tote Frau überall sucht. Sogar bei ihrer Schwester, die alleinerziehend ist. Erst nimmt sie ihn warm auf, und sie trauern zusammen. Dann aber, als sie spürt, als wollte etwas ihren Körper übernehmen, als wollte er mit ihr das Leben ihrer toten Schwester weiterführen, da wirft sie ihn raus. Dann beginnt er nach seiner Frau in anderen Geschichten, anderen Fällen zu suchen. Wenn er einmal persönlich eine Verdächtige befragt, die in seinem Gewahrsam ist, dann kann man sehen, wie diesen Verdächtigen ein Schauer über den Rücken läuft, wie sie Angst vor ihm haben. Nur eine ehemalige Gefährtin des toten Terroristen, von der Erscheinung her einem Reh nicht unähnlich, nur sie zeigt keine Angst. Und er kommt immer wieder, hält sie fest, obwohl er sie laufen lassen müsste. Und sie lässt es geschehen, lässt sich freiwillig in eine Art Schutzhaft nehmen.
Langsam mehren sich die Stimmen, auch in der Presse, dass er untragbar ist. Aber gleichzeitig wird immer deutlicher, wem sein Kind ähnlich sieht, und so rudern sie wieder zurück, weil sie diese Story noch unbedingt brauchen. Und wenn er nicht mehr im Amt ist, dann ist diese Story nur noch einen Bruchteil wert, aber so ist sie unglaublich kostbar. Und deshalb verschonen sie ihn. Lassen ihn die ExFreundin des Terroristen heiraten und eine Zeitung nennt es sogar "Einen beispiellosen Akt der Versöhnung".
Dabei ist es ein beispielloser Akt der Verzweiflung. Aber niemand will das wissen. Alle wollen nur die Offenbarung im Gesicht des Kuckuckskindes des Oberpolizisten sehen.
Auch als seine neue Frau schwanger wird, wacht er nur kurzzeitig aus der Betäubung aus. Einmal versucht er es sogar noch bei der Schwester seiner toten Frau, und diesmal wirft sie ihn nicht raus. Und dann taut er noch auf, als seine neue Frau ihn heulend kurz vor der Geburt fragt: Ob es jetzt gut sei, ob er sein Kind haben wollte. Einmal taut er noch auf und nimmt sie in den Arm, als wäre nur sie da und sonst niemand.
Aber dann verschwindet er für sie für immer. Auch um sein eigenes Kind kümmert er sich kaum. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt der Erziehung seines ältesten Sohns, der seinem wirklichen Vater immer ähnlicher wird. Er will ihn zur Demokratie erziehen. Und das klappt auch ganz gut, der Junge gewinnt sogar Preise des Bundespräsidenten für Aufsätze, solche Sachen. Aber der Druck ist enorm, und ohne seinen kleinen Bruder, der seinen grossen Bruder über alles liebt, würde er seinen falschen Vater überhaupt nicht aushalten. Immer wieder geht der mit ihm die Gewahltenteilung und die freiheitlich demokratische Grundordnung durch. Er will ihn demokratiefest kriegen. Und von niemand lässt er sich darin bremsen. So penetrant richtet er seinen Sohn auf die Demokratie ab.
Ich weiss es nicht, wie er das hinbekommen hat, aber irgendwann legt sein falscher Sohn den Sprenggürtel um. Und er hat es so eingerichtet, dass es sein Vater ist, der Schlimmes verhindern kann. Nur er ist es der den Rettungsschuss abgeben kann.
Dabei liegt er noch da, ist nur angeschossen, am Bein, aber niemand kann zu ihm, solange er noch den Sprenggürtel trägt. Und so blutet er aus.
Sein kleiner Bruder braucht noch zwei Jahre, in denen er kaum ein Wort spricht, bis er den Vater mit seiner Dienstwaffe dem Schweiger erschiesst. Und es gibt kaum jemand, der das noch bereut. Niemand will mehr etwas von dieser Geschichte hören. Und da der Junge kurz vor seinem 14 Lebensjahr stand, kommt er frei und kann mit seiner Mutter, wie es heisst glücklich in kleinen Verhältnissen in einem Dorf in Nordfriesland leben.
Und es müssen noch einmal 14 Lebensjahre vergehen, und man erinnert sich an ihn, an den Jungen des mörderischen Polizisten, so sehen es die einen, für die anderen ist er ein tragischer Held. Und dann kommen sie, ihn noch einmal zu holen, weil sie immer noch nichts gelernt haben, was Demokratie eigentlich ist, denn ihn wollen sie wählen. Nur er kann das schaffen, er kann sie aus dem Scheiss wieder heraus holen. Und er sagt noch zu seiner Mutter, als der Wagen unten schon wartet: Ich werde ihnen nie das mit der Demokratie beibringen können. Es ist total zwecklos.
Ich weiss schon, dass jetzt die Mutter etwas total vernünftiges, philosophisches sagen müsste, was es jetzt alles auf den Punkt bringt, was uns mit dem ganzen Scheiss, der hier geschehen ist wieder versöhnt, nur einfallen tut mir das nicht.
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konstivonderalm · 5 years ago
Text
Mein Freund der aus dem All
von Konstantin + Dominica Schemat, Berlin © 2019
Credibility
Stellt euch mal vor, ein Ausserirdischer würde auf eurer Fensterbank landen. Wer würde euch das glauben? Aber das ganze ohne Tricks, ihr könnt nicht sein Raumschiff vorzeigen, oder seine Teleportierungspeitsche oder was er noch so in seinen Taschen mit sich herumträgt. Wenn ihr jetzt denkt, dass das hart wäre, dass euch niemand glauben würde, dann hört euch meine Geschichte an.
Die Geschichte beginnt mit einem jungen Heranwachsenden. Ist das nicht ein krasses Wort, als ob wir noch aus der Baumschule kommen. Als ob man ein Stück von uns abschneiden könnte, rein in die Erde, nicht zu feucht, dann schimmelst du glatt weg, nicht zu trocken, dann verdorrst du, rauf auf die Fensterbank, giessen nicht vergessen und voila 14 Tage später, da haben wir 's, ein Heranwachsender.
Wenn das Leben ein Spiel wäre, dann hätte ich eigentlich ganz gute Karten gehabt. Mein Vater ist ein renomierter Psychotherapeut, ja, ja, ich kenne die Sprüche. Psychologen Kinder, Müllers Vieh gedeihen selten oder nie. Aber mein Vater, den ich übrigens nie so nenne, ich würde nie mein Vater sagen, der ist eher ein renovierter Psychotherapeut, weil er nämlich gut 50 Jahre älter ist als meine Mutter. Und immer macht er rum, mit seinen Haaren, ja er hat noch welche, mit seiner Fitness, er trägt immer diese bunten Sachen, wo dich kein Auto umfährt, es sei denn aus Gnade, und du überhaupt nicht schwitzt und wenn doch, dann entweicht es gleich ins Weltall und du duftest, wie Schneeluft, so verdammt frisch bist Du, auch wenn Du gerade durch die beschissene Wüste Gobi gejoggt bist.
Und da bei uns Offenheit so wichtig ist, das sagt jedenfalls „mein Vater" immer, deshalb habe ich ihm das mal gesagt, dass es für sein Alter auch andere Freuden geben würde Boule spielen z.B. oder Sitztanzgruppen. Das hätte mich beinahe mein E-Bike gekostet, soviel zu Offenheit.
Aber ich kann eigentlich nicht klagen, kurz: Ich habe die drei Ws des Erfolgs: Waldorfschule, Wohlstand und das dritte habe ich vergessen, ja manche könnten sagen: World Wide Web. Das sind ja auch drei Ws. Aber mein erstes W, nämlich Waldorfschule, das hat sich mit World Wide Web nicht so gut vertragen. Aber immerhin, ich weiss, dass es das gibt auch wenn mein Telefon nicht smart ist, denn an der Waldorfschule gibt es natürlich einen – jetzt aufgepasst – ZwischenNetzKurs. So heisst das bei uns. Ja, ja, ich habe auch von anderen Waldorfschulen gehört, wo das ganz locker sein soll, aber bei uns ist es nicht so. Woran das liegt? Nun, wir haben ja bekanntlich Lehrermangel, und da nimmt man das was man kriegen kann, das leuchtet mir ein, aber unser Informatiklehrer, der ist ein InternetExorzist. Nein, da kann man nicht anders sagen, es gibt z.B. keinen Film, wo die Maschinen die Erde übernehmen, den ich noch nicht gesehen habe, meistens unter dem Vorwand, wenn er krank ist. Und das mit dem Exorzisten ist wirklich wörtlich zu nehmen, ihr habt doch bestimmt schon mal von EMP gehört, dem elektromagnetischen Impuls. Es gibt da Atombomben, die sind nur für diesen Impuls da, und die ganze Elektronik brennt durch.
Heinrich hat mal gesagt, wundert euch nicht über diesen Namen, wenn ihr hier auf eine Waldorfschule gehen würdet, dann wüsstet ihr, dass Heinrich und Herrmann ganz normale Namen sind. Jedenfalls, der hat mal gesagt: Wenn Du den clonen würdest, oder wenn der nur (gemeint ist natürlich unser InformatikLehrer), also wenn der nur jedesmal wenn er sich einen von der Palme wedelt damit zur Samenbank rennen würde, dann würde es bald dunkel werden, die Dark Ages würden wieder anbrechen. So sieht es aus und nun kommst Du.
Das ist so typisch Heinrich, findet ihr das nicht total überzogen? Also wenn bei Heinrich ein Ausserirdischer auf der Fensterbank landen würde, ich sage dir, der würde damit durch kommen. Sogar, wenn es überhaupt nicht geschehen wäre, wenn er sich das alles nur ausgedacht hätte, dann würde ihn irgendein Idiot fragen: Und hast Du schon der CIA bescheid gesagt? Ist schon klar, dass man hier in Deutschland dem BND bescheid sagen muss, wenn ein Ausserirdischer auf der Fensterbank sitzt, aber das spielt bei Heinrich überhaupt keine Rolle. Dabei ist er nicht so ein typischer Waldörfler. Echt nicht, weil sein Vater Versicherungsverkäufer ist. Es heisst irgendwie anders, aber es kommt auf das Gleiche heraus. Ein Naturtalent, er zieht eine Schneise abgeschlossener Verträge hinter sich her, einfach so, es ist wie eine Infektion, ach quatsch es ist wie eine Droge. Ich wollte mal etwas versichern bei ihm, mein E-Bike, und er wollte das gar nicht. Er wollte von mir überredet werden, dass ich doch bitte eine Versicherung bei ihm abschliessen kann, dabei hatte ich schon die Unterschrift meiner Eltern. Aber ich bin nicht drauf reingefallen, auch wenn ich das gespürt haben, diesen Sog, dieses Gefühl in den Knien und in der Stirn, die Erde zu berühren, um ihn für umfassenden Versicherungsschutz anzubetteln.
Ich weiss jetzt gar nicht mehr warum ich das alles geschrieben habe, ich wollte nur sagen, bis auf den InternetExorzismus habe ich ein super Leben. Ich muss nicht alleine meine Geburtstagskerzen ausblasen, wenn ihr wisst was ich meine.
Aber seitdem ich Penis IQ bin. Ja, ihr habt richtig gehört, und ihr habt recht, das macht überhaupt keinen Sinn, denn wie kann jemand ein IQ sein, ganz gleich ob es der IQ von einer Möhre oder von einem Penis oder von sonst etwas ist. Aber ich muss das von Anfang an erzählen. Es gibt da nämlich eine beste Freundin, sie heisst Sophie, für die sich Heinrich angeblich überhaupt nicht interessiert hat, im Gegensatz zu mir. Natürlich hat er zugegeben, dass sie ganz gut aussieht und so, und dann diese niedliche Grübchen, wenn sie lacht, und sie lässt uns immer in Mathe abschreiben. Das stimmt jetzt wirklich, sie hat es mit Mathe echt drauf, das schreibe ich nicht nur, weil das ein Geheimcode für Brüste oder so ist. Und Heinrich, der ist so ein hinterhältiger Arsch, der sagt so: Ja, sie ist schon ganz O.K.
Und dann ist er immer ganz nett, wenn sie dabei ist. Weil sie ja so O.K. ist.
Aber wenn Du mit Heinrich alleine bist, dann ist nichts mehr O.K. das sage ich dir.
Er hat den Aggregatzuständen seines Penis nämlich verschiedene Namen gegeben, und da kann er sich stundenlang drüber unterhalten: Latte Machiato, O.K. das klingt ja noch ganz witzig und ist auch total O.K. ja, ja, und dann am Prenzlauer Berg, da bekommen sie alle eine Latte, das ist schon O.K., aber O.K. ist nicht seine Spezialität, voll eklig das ist seine Spezialität. Einen anderen Zustand bezeichnet er „con Leche". Das kann ja noch durchgehen, wenn man das so liest, aber nicht wenn man sein Gesicht dazu gesehen hat. Wenn man das einmal gehört hat, wenn man das einmal erlebt hat, wie er das ausspricht, dann bekommt du einen bleibenden Schaden.
Und wenn Du glaubst, Du wärst damit durch, dann irrst Du dich. Wenn Leute auf eine Idee kommen, die sonst nicht so viele Ideen haben, dann kann auch mal zur Wiederholung kommen. Und als nächstes hat er den Aggregatzuständen unterschiedliche Feldherren zugeordnet: Julius Cäsar Imperator Romanum. Das ist noch so ein Ding. Und das ist noch das Harmloseste, denn für ganz besondere Zustände hat er sich bei den Philosphen bedient und bei den Dichtern. Das mit Mörike fand er besonders lustig. Das wäre der beste Namen für dieses Körperteil überhaupt, es wäre nicht so angeberisch, eher understatement.
Und dann wollte er bei Zusicherung von totaler Diskretion meine CodeWörter für Mörike hören.
Und als ich nicht sofort geantwortet habe, da hat er mich gleich angefahren: Die Frauen dürften das auch, da gäbe es Feuchtgebiete und Vagina Monologe und so weiter. Warum darf ich das nicht?
Ich hätte es ihm damals schon sagen können, warum er das nicht darf, aber genau wie sein Alter, ist er nicht zu stoppen, wenn er in Fahrt ist. Dann hat er angefangen, dass alle den Penis wegen seiner geringen Intelligenz diskriminieren würden, Du denkst ja mit dem Penis und so, aber vielleicht wäre der Penis gar nicht so blöd, wenn man mal seinen IQ messen würde. Da sind z.B. die unfreiwilligen Erektionen, die einem oft so peinlich sind, dass man lieber einen Parker trägt, um die Signatur, so will ich das mal nennen, einer Erektion zu verbergen, aber Heinrich behauptete, dass, wenn die Mädchen einen Penis hätten, dann würde es schon längst ein Buch über die Weisheit des Penis geben, und mein Penis im Vollmond oder meine kleine Penissonnenuhr usw. Das wäre total sexistisch. Ich habe natürlich nicht gesagt, dass ich mir ein Leben ohne so ein Buch vorstellen kann, dann wäre der richtig in die Luft gegangen.
Jedenfalls war er von seinem Penis IQ nicht abzubringen. Und dann hat er mir alle Situationen geschildert, die ich hier nicht wiedergeben will, nur so viel sei verraten, sie haben mit eine Putzfrau und einer Kunstlehrerin zu tun, wo es zu solchen Fingerzeigen, um nicht zu sagen Weissagungen, seines Penis gekommen sei, die ihm vielleicht glücklich gemacht hätten, wenn er sie nur befolgt hätte, wenn er auf die Penisintelligenz gehört hätte.
Das hat er wirklich gesagt und er hat mich dabei angesehen, als würde er für diese Erkenntnis sein Leben hingeben, so als hätte er einen neuen Glauben gefunden, für den es sich lohnt zu sterben.
Ich wartete nur darauf, dass er mir erzählt, wie man den Penis noch zum Ölbohren und zu allerlei Wünschelrutenkram einsetzen kann, da hat er mich rausgeworfen. Dein Mangel an Begeisterung ist beklagenswert. Das hat er gesagt, dabei geht dieses Zitat ganz anders.
Und von da an hatte er plötzlich überhaupt keine Zeit mehr. Einfach so, ohne weitere Erklärung. Er hat mir nicht gesagt dass seine Wünschelrute auf der Klassenfahrt in den Harz ausgeschlagen hat und er jetzt ein Schürflizenz erworben hätte, etc. er war einfach weg.
Na ja, wenn ihr so einen Typen schon mal begenet seid, dann wisst er wie das ausgegangen ist.
Ich habe mir irgendwann gesagt, wenn er nicht will, dann kann ich mich ja endlich um Sophie bemühen. Aber auch die hatte auf einmal kaum Zeit für mich. Da habe ich etwas getan, von dem ich sonst nur jedermann abraten kann, früher, als die Leute noch keine Telefone hatten, das habe ich übrigens von meinem Informatikleher dem InternetExorzisten gehört, da ist man einfach bei den anderen vorbei gegangen.
Und diesen Fehler habe ich auch gemacht, und bin einfach bei Sophie vorbeigekommen.
Halloooo? Sagt ihre Sprechanlage.
Und ich sag dann ganz locker: Ich bin's der Herrmann.
Habe ich einen Termin vergessen? Kommst Du mit Mathe nicht klar?
Ich wollte nur mal so vorbeikommen.
Danach war erst mal nichts zu hören. Dann drückt jemand den Knopf der Sprechanlage und man hört etwas, wie ein Lachen, aber nur kurz, dann ist es wieder still. Dann wäre ich beinahe wieder weg gegangen, hätte mir gleich klar sein sollen, dass ein Rat vom Exorzisten nicht allgemeingültig ist, da geht die Sprechanalage wieder an und ich höre eine total freundliche Sophie: Komm doch hoch Herrmann.
Und wie ich die Treppen raufsteige, da habe ich einen Verdacht, was ist, wenn sich Heinrich schon an Sophie rangemacht hat, so wie ich ihn kenne hat er bestimmt verbrannte Erde hinterlassen, er hat bestimmt dafür gesorgt, dass ich bei Sophi keine Chance mehr habe. So wie sein Vater, bei dem die Versicherungen auch immer alternativlos sind. Ich wäre dann auch das Produkt eines Mitbewerbers gewesen. Auf dieser Erde scheint es kein grausameres Schicksal zu geben als das Produkt eines Mitbewerbers zu sein.
Und als ich oben war, da war mir klar, ich musste Sophie aufklären, es ging hier nicht nur um meine Gefühle, sondern auch ihr Glück stand auf dem Spiel, ich musste die Aktion Con Leche verhindern.
Ich will das jetzt ganz kurz machen. Und ich will das peinliche Gespräch nicht noch mal wiederholen müssen, mir hätte klar sein sollen, was hier abgeht, als Sophie immer wieder ganz mitfühlend nachgefragt hat: Ach ehrlich, das ist ja voll übel.
Dann als ich bei con Leche angekommen war, sprang Heinrich hinter der Sofalehne hervor und beide lachten schallend los: Mensch Mörike, Respekt vor deinem Penis IQ
Und dann kam es heraus, Sophie sagte: Heinrich hat mir schon von deiner Idee mit dem Intelligenz IQ erzählt.
Wieder schüttelt sie sich aus vor lachen.
Nein, echt, finde ich gut.
Und dann sagt Heinrich: Immerhin müssen wir dir dankbar sein.
Sophie kuschelt sich an Heinrich an: Denn wegen deiner verrückten Geschichte sind wir zusammen gekommen.
Ihr ahnt es, dass das erst der Anfang meiner Leiden war. Es scheint an der ganzen beschissenen Waldorf Schule keinen Einzigen zu geben, der nicht von dem mörderischen Penis IQ meines (!) Mörike gehört hätte.
Und wenn ich jetzt erzählen würde, dass ein Ausserirdischer auf meiner Fensterbank gelandet ist, wer würde mir das noch glauben. Mal im Ernst, würdest Du mir nach der Vorgeschichte das glauben?
Jedenfalls eins habe ich von dem Scheiss mitgenommen, den festen Willen dieses Buch zu schreiben: Die verborgene Intelligenz deines Penis.
Und ich werde reich damit werden, und wenn er dann ankommt, das wäre seine Idee gewesen usw. dann werde ich meinen Mörike fragen: Sag mal Mörike kannst Du dich daran erinnern schon mal jemals so etwas in der Art von unserem Freund Heinrich gehört zu haben?
Und dann wird Mörike bauchredend antworten: Es tut mir leid, aber ich kann mich nicht erinnern Sir. Wünschen sie sonst noch etwas von mir?
Und ich werde gönnerisch antworten: Nein Mörike, vielen Dank, nehmen sie sich den Abend frei.
Das Universum ein Atmendes Arschloch
Das ist natürlich alles Quatsch. Ich habe nie und ich werde nie ein Buch über den IQ des Penis schreiben. Was ich dann getan habe, das ist so unglaublich uncool, dass ich mir vorkomme, als würde ich aus einem Beichtstuhl zu Dir sprechen: Vater vergib mir, denn ich habe gebüffelt! Ich benutzte mal diesen Ausdruck aus dem tiefen Mittelalter der Schulgeschichte, „gebüffelt", den ich übrigens auch vom Exorzisten habe, um mich langsam an mein Geständnis heranzurobben, denn was ich eigentlich sagen will: es ist wahr, ich habe jetzt mehr für die Schule getan. Ich hätte es mir einfach machen können, hätte sagen können, dass mich Sophie nicht mehr abschreiben liess in Mathe, eine Notsituation sozusagen, aber nein, ich will reinen Tisch machen, ich stand auf Schule. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, ich hatte nicht meinen rechten Arm in Dauererektion mit forsch ausgestrecktem Zeigefinger, ich habe auch niemand verpetzt, ich habe nicht mal den Müll von anderen aufgesammelt, aber ich fand den Unterricht plötzlich irgendwie interessant. Das mag auch an den Serien liegen, die jetzt nicht mehr so interessant waren und wo es schwieriger war, sozial meine ich, eine Serie zu schwänzen als einen Tag nicht zur Schule zu gehen.
Entlastend will ich hier noch anführen, dass ich mich relativ schnell für die Themen interessierte, über die man spekulieren kann, ohne sich ständig mit neuem Wissen vollstopfen zu müssen: Kosmologie z.B. Und da habe ich mich nicht mit den vielen Details aufgehalten, sondern bin gleich zu der Frage gekommen, was am Ende ist. Dehnt sich das Universum unendlich aus, oder fällt es wieder in sich zusammen? Und damit zusammenhängend, wie ist eigentlich das Haltbarkeitsdatum von Protonen. Das klingt jetzt alles sehr großspurig, aber jeder, der schon mal den Weg der Kosmologie eingeschlagen hat, wird es bestätigen, es ist relativ wenig Wissen, und viel Spekulation. Die Kosmologie ist die Religion der Wissenschaften und ich war ihr neuer Prophet. Und so haben ich mir eine Theorie ausgedacht, wo alles Sinn macht. Und die geht so: Erst dehnt sich alles aus, dann stürzt es wieder in sich zusammen, dann knallt es, dann fängt alles von Vorne an. Es ist wie Atmen. Aber es ist auch nicht sehr nett, das Universum, denn man kann sich anstrengen, wie man will, am Ende wird man so lange zusammengepresst bis es knallt. Ich kam mir vor, das das eine super Idee ist, bis ich von einem Typ erfahren haben, der zu Einsteins Zeiten lebte, und in Vergessenheit geraten war, weil man angeblich nicht wusste wie man seinen Namen schreiben sollte, hiess er jetzt Alexander oder Aleksandr? Ja kein Witz, und der Typ hat das schon 100 Jahre vor mir behauptet und sein Kollege der AllBert Ainstain fand das auch schon damals nicht so abwegig: Mist!
Ich verbrachte ein paar Tage in der Leere, dem perfekten Vakuum, was nur derjenige kennt, der jemals nach Höherem gestrebt hat, und dann auf die Schnauze gefallen ist. Und dabei lag der Frühling in der Luft: Mit dem Kichern der Verliebten, den Jungs und ihren Gaspedalen und den frisch gewichsten Hippsterbärten. Mir wurde langsam klar: Ich musste hier raus. Und ich lief und lief. Von der Innenstadt, in die Vorstadt, von der Vorstadt in die Felder, von den Feldern in die Wälder, von den Tälern auf die Hügel. Da kam ich an eine Lichtung, wo ich durch ein weites Tal auf die andere Seite blicken konnte, und siehe da, weit in der Ferne war auch eine Lichtung. Natürlich weiss ich, wie diese Landschaft heisst, und am Wochenende kommen Ausflügler und man macht mit kleinen Taschenspiegeln Signale, die man auf der anderen Seite sehen soll, was irgendwie nie richtig klappt, hat wohl mit der kleinlichen Optik zu tun, jedenfalls hatte ich mir diesen Tag vorgenommen, nichts mehr wiederzuerkennen und deshalb betrat ich diese Landschaft das erste Mal. Und da noch nicht Wochenende war, konnte ich meine Illusion auch leichter aufrecht erhalten. Sind wir ehrlich, Träumer werden nie belohnt, die Träumer treten in die Hundescheisse. Nicht dass die Realisten nicht in die Hundescheisse treten, aber sie werden nicht aus so angenehmen Träumen geweckt. Und so erging es auch mir, deinem Helden (so hoffe ich doch). Ich sah auf der anderen Seite einen kleinen Jungen mit einem überdimensionierten Bumerang. Ich hatte natürlich ein Fernglas mit, sonst macht das ja überhaupt keinen Sinn. Und dann sah ich, wie der Junge tüchtig Anlauf nahm, mit vollem Kindergallopp den Hang hinunter und ziemlich beeindruckend den Bumerang abwarf. Nun geschah das Eigenartige, ich weiss nicht ob es an einer Luftströmung lag, an einem Hangwind, oder einer Thermikblase, der Bumerang wollte einfach nicht aufhören zu fliegen und auch an zurückkommen schien er nicht zu denken, er flog und flog in Richtung auf meine Seite des Tals. Das ist das letzte an was ich mich erinnern kann. Viel später, aber noch am gleichen Tag, bin ich mit Kopfschmerzen aufgewacht, die mir mehr Lust auf Koma gemacht haben. Ja, das ist undankbar ich weiss, aber ich konnte mich an kaum etwas erinnern. Aber als der Arzt, der mich nach der Unfallursache fragte, sagte „Ansonsten alles tippi toppi dort oben" da traute ich mich zu fragen: Hat man einen Bumerang gefunden? Und da war für ihn schon alles klar: Einen Bumerang also. Und weg war er.
Dann musste ich später sagen, wer den Bumerang geworfen hat, ob es in der Freizeit geschehen ist, oder während der Arbeitszeit usw. Das wurde mir langsam zu bunt. Und ich sagte ich bin gegen einen Baum gelaufen. Und war das ihr Baum oder stand der Baum auf einem öffentlichen oder privaten Gelände. Führten sie ein Fahrzeug, als sie mit dem Baum kollidierten? Mir reichts langsam. Ich wollte mich nicht mehr mit dem Unfall beschäftigen, antwortete nicht mehr auf die Fragen nach Bäumen und Bumerangs, ein Sabberfaden den ich aus dem rechten Mundwinkel laufen liess war dabei sehr hilfreich. Langsam schaltete sich mein Gehirn wieder ein, und ich nahm den Faden wieder auf, den ich verloren hatte: Das oszillierende Universum, O.K. ein Punkt für dich Aleksandr Friedman (bzw. Alexander Friedmann, Alexis Friedmohn etc.)
Also musste ich mir etwas neues ausdenken, einen Trick. Ich finde ja, dass die Wissenschaft viel von den Illusionisten lernen könnte. Und da gab es doch den Einen, der für einen Trick im Fass einen Wasserfall runter ist. Ich weiss jetzt leider nicht mehr wie das ausgegangen ist, das ist auch nicht mehr wichtig, denn wie wäre es, wenn man Wasserfall durch Urknall austauscht und Tonne durch Raumschiff, wie wäre es, wenn man ein Raumschiff bauen könnte, was den Urknall übersteht? Nun kommen gleich wieder die Physiker und wollen dir erklären, das das überhaupt nicht funktioniert. Gerade die Physiker, denn die haben ein Wort erfunden, um das sie jeder Illusionist beneiden würde: Singularität. Wenn sie etwas nicht mehr erklären können, dann ist das eine Singularität. Gemeint ist damit, dass z.B. die Relativitätstheorie eigentlich superdufte ist, aber da gibt es diese winzig kleine Detail, diese eine Sache, diese Singularität, die sie nicht erklären kann. Und wenn ein Physiker etwas verschwinden lassen will, was sich tapfer dagegen sträubt von ihm erklärt zu werden, dann muss er einfach nur „Singularität" sagen. Und dann hatte ich es: Ein Singularitäts Raumschiff, mit spezial nicht zusammenpressbarer Singularitätshülle.
Natürlich musst Du nicht lange suchen, bis Du einen findest, der findet, dass das alles Quatsch ist. Aber schlimmer noch, es gibt auch Kollegen, die versucht haben, sich aus anderem Weg aus der Schlinge zu ziehen, und damit klar zu kommen, was so langsam meine Vorstellung von dem Universum ist, das Weltall ist ein Arschloch.
Und einer dieser Forscher, sorry ich habe es nicht so mit Namen, der hat gesagt: Wenn doch alles irgendwann in die Brüche geht, dann ist es nicht so schlimm, weil die Intelligenz total steigt, und wir dann sozusagen noch eine GedankenEwigkeit vor uns haben, bis die Protonen zerfallen. Findet ihr nicht auch, dass das die übelste und traurigste Theorie des Universums ist. Stellt euch mal vor, Du weisst, es ist irgendwann alles total aus, und Du kannst dir das von einem Augenblick auf den Anderen immer besser vorstellen, was für ein toller Trost.
Aber der Typ, vielleicht ist es besser, dass ich mich nicht an seinen Namen erinnere, der schreibt, jetzt nicht wörtlich, glaube ich, aber sinngemäss, dass die Ewigkeit (die ja eigentlich gar keine ist, sondern das Gegenteil davon, nämlich endlich) nichts für Leute ist, die nicht wissen was sie an einem verregneten Sonntag Nachmittag machen sollen.
Ist das nicht irre, wie kann man einen verregneten Sonntag Nachmittag damit vergleichen, endlose Milliarden Jahre in der Wartehalle zu verbringen. Und dann soll es gut sein, dass wir dann den Tod überwunden haben, jedenfalls diesen menschlichen Tot diesen 100jährigen Kompostzyklus. Sag mal, wie irre ist das denn? Da scheint mir ja das Singularitäts Raumschiff wesentlich widerspruchsfreier. Dabei geht es nur darum, dass wir irgendeine Information durch den Urknall schicken. Ich meine, nach dem Urknall verteilt sich doch auch nicht alles gleich, es entstehen, wenn es 100.000 Jahre abgekühlt ist, kleine Klumpen von Wasserstoffgas, aber wie kommen die zusammen? Durch Zufall? Wirklich? Und woraus wurde der Zufall geboren? Aus dem Urknall? Das wohl eher nicht. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass der Zufall durch das Arschloch des Urknalls gereist ist. Stellen wir uns das Ende des Universums wie ein riesen schwarzes Loch, oder einen riesen Müllschlucker vor, und die Wolke aus Wasserstoffgas, die irgendwann nach dem Rumms entsteht, als die Wolke, die aus einer Müllverbrennungsanlage aufsteigt. Ist es da nicht möglich, indem man etwas von dem Müll festhält, und erst zum Schluss reinwirft, dass man dadurch die Rauchwolke beeinflussen kann. (Ja, ja, ich weiss, dass in heutigen Müllverbrennungsanlagen alles gefiltert wird, für diese Analogie brauchst Du eine alte Müllverbrennung, eine richtige Dreckschleuder.)
Der Klapperstorch
Als ich noch ein Geschwister haben wollte gab es die endlosen total vernünftigen Erwachsenen Erklärungen, dass ich das nicht zu entscheiden habe, usw. weil ich keinen Uterus habe und noch zu jung bin, so wäre das nun mal usw. Nur meine Oma hatte eine vernünftige Erklärung: Sie strich über mein Haar und sagte: Leg einfach einen Zuckerwürfel auf die Fensterbank, dann klappt das schon.
Vergessen wir das jetzt mit den Geschwistern, ich glaube wir wissen alle, wie das funktioniert, kommen wir zu dem Wesentlichen, wie lockt man ein Alien an. Nun Homo Sapiens dachte, auch vor 40 Jahren, vielleicht wäre es eine gute Idee, ein Raumschiff loszuschicken, mit einer goldenen Scheibe drin, wo drauf steht, wo man uns finden kann.
Dieses Raumschiff ist wirklich grossartig, erst vor kurzem konnten sie die Düsen noch einmal aufwecken, aber die Idee hinter der Mission, darüber hätte man doch noch mal nachdenken müssen, oder?
Haben uns die Sioux etwa eine Flaschenpost geschickt? Na gut, die wohnten nicht am Wasser und hatten keine Flaschen, aber die Einwohner von Manhatten hätten uns doch eine Flaschenpost schicken können, vielleicht in Tonkrügen mit Bienenwachs versiegelt, wo drin steht, wo sie zu finden sind. Die Wahrheit ist, so blöd sind die nicht gewesen. Genutzt hat es ihnen leider auch nichts, wie die Wikinger und Columbus gezeigt haben. Aber wer macht denn freiwillig auf sich aufmerksam, um von einer wahrscheinlich höheren Kultur gefunden zu werden. Ich meine die Wildschwein kommen ja auch nicht freiwillig zum Jäger, die Ameisen kriechen dem Ameisenbär auch nicht in den Rüssel, oder? Wir sollten uns vielleicht einmal selbst betrachten, was wir mit den Sachen anstellen, die wir entdeckt haben, und dann sollten wir uns fragen, ob es wirklich so gut ist, entdeckt zu werden.
Und was ist nun die Antwort? Ich will es kurz machen, die Antwort ist: Die finden uns schon.
Jay Ronto
Was würdest Du von einem Ausserirdischen erwarten? Nun Hollywood scheint es genau zu wissen: Baller Bumm Tschattka. Sie machen uns platt, in den allermeisten Fällen. Wie kommen die Drehbuchschreiber und Futurologen eigentlich darauf? Weiss denn niemand mehr wie man so was professionell als Eroberer durchzieht? Sie bringen einem Glasperlen mit und hauen mit dem Gold ab und ganz nebenbei lassen sie noch ein bisschen Kinderlähmung und Ziegenpeter zurück. Also die bewährte Mischung aus Freihandel, psychologischer Kriegsführung und bestens bewährten B-Waffen. Und meistens glauben die mit Glasperlen beschenkten, sie haben den Deal ihres Lebens gemacht. Aber ich bin natürlich nicht so naiv. Mir war gleich klar, was sie von mir wollten, meine Pläne für das Singularitätsraumschiff.
Aber Jay Ronto hatte statt dessen meine DVD Sammlung entdeckt (das ist mir jetzt zu blöd, wenn einer nicht mehr weiss, was das ist, eine DVD, dann soll er doch bei Wikipedia nachsehen). Und deshalb sass er da auf meiner Fensterbank, wie diese kleinen Teufel der gothischen Kathedralen. Dann verwandelte er sich in Quasimodo, bevor er als Tarzan mit einer Liane, die aus ihm heraus wuchs, über mein Bett schwebte und mir „Alta Vista Baby" zurief. Ich überlegte schon, was wohl als nächstes kommt, und freute mich schon auf die nächste DVD im Regal, über Ingrid Bergmann, die den Stromboli hoch robbt, da war er wieder weg.
He, was soll das? Und wo bleiben die Glasperlen?
Da rief die Frau von der Unfallversicherung an: Ich habe da noch eine Frage.
Ich wollte gerade antworten, da stellte sich mein Handy als eine Ratte heraus, die ich mir da ans Ohr gehalten hatte.
„He, ich bin da kitzelig, nicht so drücken" sagte die Ratte.
Na ja, ihr wisst sicherlich, worauf das heraus lief. Der Spuk hörte plötzlich auf, ich war zuerst wirklich froh, dass es vorbei war, dann wurde es wieder langweilig, wie das Leben nun mals so ist, dann fing der Spuk wieder an, usw. Und langsam wurde mir klar, was der Ausserirdische von mir wollte: O.K., O.K. ich habe verstanden, Du willst dass dich jemand bittet, dass ich dich anflehe, oh, bitte bleib doch noch ein Weilchen, wer bist Du eigentlich, woher kommst Du?
Und dann verwandelte er sich in einen allgemein bekanntes Monster und fragte mich, ob es denn so schwer sei, das Zauberwort zu sagen?
Na ja, was erwarte ich auch schon, heutzutage, da bearbeiten dich ja alle so lange, sogar die letzen Plagen tun das so, bis Du anfängst zu betteln, oh, bitte, bitte tu es, sei mein Präsident, mein Kanzler, mein neues Telefon etc. Ohne Betteln verkaufen die Dir nichts mehr. Du musst es nicht nur bezahlen können, heute, Du musst es zudem auch noch wirklich wollen.
Und ich war jetzt so weit, ich wollte den Ausserirdischen, der, wie sich später herausstellte, sich Jay Ronto nannte, ich wollte ihn kennenlernen. Und zwar ganz ohne Glasperlen, und den anderen Schnickschnack.
Liebe zu den Ausserirdischen
Am Anfang konnte ich überhaupt kein Muster erkennen, keine Persönlichkeit. Vielleicht gibt es so etwas nicht mehr in der Zukunft. Wahrscheinlich wird Persönlichkeit zu so etwas wie Kleidung. Ich meine, wenn man erst mal relativ unsterblich ist, ich meine bis alles zur Quarksuppe wird. Heute ziehe ich mal den Nero an, oder doch lieber den Walter von der Vogelweide, ach ich kann mich gar nicht entscheiden, was sagst denn Du dazu mein Schatz?
Aber bald konnte ich feststellen, dass Jay Ronto ein wiederkehrendes Muster hatte, er liess sich einen Rollator wachsen, und einen Infusionsständer einschliesslich eine bunten Mischung von Chemotherapeutika. Dass es ihm nicht ganz ernst mit der Sache war, dass konnte man schon an der Reihenfolge sehen, in der er sich das wachsen liess, erst zum Schluss wuchs eine alte gebrechliche Frau die den Rollator schob.
Ich sagte ihm, dass wir den Krebs noch nicht besiegt hätten, ganz zu schweigen von dem Alter und das wir so etwas nicht schätzen würden, wenn wir, von welcher Zivilisation auch immer, gerade damit verarscht würden.
Das hatte mächtig Eindruck auf ihn gemacht, er überlegte ca. 10 Millisekunden. Wow, seitdem ich ihn kannte hatte er noch nie so lange nachgedacht, dann schob er kommentarlos mit seinem Rollator los und liess sich über eine Hauptverkehrsstrasse bringen. Wobei er die Ampeln vermied. Offensichtlich kannte er sich mit den StrassenverkehrsRegeln aus, dass man die Strasse überqueren darf, wenn die nächste Ampel so und so weit entfernt ist. Und wie durch Zufall waren auch die Absperrungen an den Stellen, wo Jay Ronto gedachte die Strasse zu überqueren, komplett entfernt.
Ich weiss nicht warum er das tat, aber er fand immer wieder Menschen, die ihm halfen die Strasse zu überqueren. Er war nicht wählerisch, kleine Kinder, die man selbst an die Hand nehmen sollte, hatten Mitleid mit der Omi und brachten sie auf die andere Strassenseite. Das war schon sehr verdächtig.
Ich habe ihn dann zur Rede gestellt, ob er sich die Helfer hat wachsen lassen?
Nein.
Ob er den Helfern in das Gehirn gekrochen sei. Das hat er mir nämlich erklärt, er könne sich, was immer das ist, so dünn machen, dass er an den einzelnen Nervensträngen vorbeikriechen könne, sogar wenn sie Markscheiden haben.
Aber er antwortet wie eine billige Pornodarstellerin: Nahein.
Ich fragte ihn: Du wolltest das Gefühl „Ich bin beleidigt" darstellen?
Nahein... und wie geht das Süsser?
Da machte ich es ihm vor und betonierte meine Gesichtszüge ein und sagte eisern: Nein.
Das machte er auch gleich nach: Nein.
Das verstehe ich an dir nicht, warum weisst Du einerseits so viel, und andererseits weisst Du überhaupt nichts.
Das ist so ein Naturschutzding.
Verstehe ich nicht.
Na, wenn ich alles wüsste, dann bräuchte ich euch ja nicht besuchen kommen.
Aber warum hast Du nicht alles aufgezeichnet und bist dann mit der Erde auf deinem USB Stick abgezogen.
Nahein.
Das ist so typisch bei ihm, man wird nicht schlau aus ihm. Was hat das jetzt schon wieder zu bedeuten? Er schafft es immer wieder einen zu verwirren und vergessen zu lassen, was ich ihn eigentlich mal gefragt habe, jetzt fällt es mir wieder ein: Warum machst Du dieses geschmacklose tote Grossmütterchen Spiel?
Ich kann es mir auch nicht erklären.
Natürlich kannst Du das!
Aber dann würde es doch keinen Spass mehr machen.
Wie kriegst Du das hin?
HSV
Was?
Hedonistische SelbstVerdummung, das kannst Du bei uns ganz bequem dazu buchen, im Reisebüro. Es ist ganz schön teuer, aber es lohnt sich total.
Warum kannst Du nicht mal was für mich machen?
Er verwandelte sich in einen Flaschengeist: Was darf es sein?
Unsterblichkeit.
Er verwandelte sich in einen Parkranger.
Ich wusste doch, dass das nicht läuft, ja, ja, sag es nicht, Naturschutzgründe. Was kannst Du denn überhaupt für mich tun?
Ich sag mal: Girls. Er verwandeltete sich ... na ja, das könnt ihr euch schon denken.
Meinst Du etwa, das ich mit Dir?
Nicht? Och schade. Aber ich kann bei deinen Freundinnen vielleicht ein gutes Wort für dich einlegen.
Und dann kam eine kleine Show von jeder Frau, die ich mal angesehen hatte, nicht nur einige Mädchen aus der Parallelklasse, Bäckerreiverkäuferinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, sogar Babysitterinnen waren dabei.
Nein, nein, nein, ich will es selbst schaffen.
Natürlich verwandelte er sich da in einen Stepper, es war klar, ich sollte trainieren.
Aber ich wollte einfach nur, dass er mit dem Quatsch aufhörte, und einen immer mit dieser Naturschutzverarsche kam, wenn er auch nur die kleinste Kleinigkeit für einen tun musste. Also stieg ich auf den Stepper.
Als er fertig war, verwandelte er sich in eine Guitarre und ein Karaokegerät.
Und auch da machte ich einfach mit, als wäre es das normalste aus der Welt.
Manche Spassvögel, die bekommt man nur in den Griff, wenn man so tut, als würde man sie ernst nehmen.
Und um es mal vorwegzunehmen, es hat überhaupt nichts geklappt. Und habt ihr gewusst, dass Bäckerein von Sicherheitsdiensten überwacht werden.
Auf dem Nachhauseweg verwandelte er sich in Heinrich, aber ich verstand jetzt wirklich keinen Spass mehr: Halt einfach die Schnauze.
Und das tat er auch.
Aber als wir dann zuhause waren, wollte er mich wieder trösten, und wurde zu so einer Art: SexMonsterMeinerSchmutzigstenTräume und bekam einen Schmollmund: Kann ich wirklich nichts für dich tun?
Vergiss es.
Warum, denn Süsser?
Ich habe gesehen, wie Du übernachtest.
Was meinst Du denn, ach das Plasma, ja im Plasmazustand kann ich mich so richtig gut entspannen. Weisst Du das ist richtiges Schlafen, kein Bewusstsein mehr, da schreiben sogar die ganzen irdischen Dichter drüber, tiefer traumloser Schlaf. Das fühlt sich echt gut an. So wie ProbeTot. Ach Mist, davon wollte ich ja nicht mehr reden, ihr Sterblichen aus dem Naturschutzgebiet seid da ja ein bisschen empfindlich.
Ich glaube ich habe das gebrüllt: ICH DENKE GAR NICHT DARAN, MEINEN WACKELPETER ZU FICKEN! VERSTEHST DU DAS?
Der Wackelpeter hat verstanden, ich selbst würde mich übringens als Götterspeise bezeichnen, obwohl, erinnerst Du dich noch was du an diesem frustrierenden 23 Dezember 2018 um 23.42 gemacht hast?
HALT ENDLICH DEINE SCHNAUZE!
Ich habe zwar keine Schnauze, aber ich glaube ich verstehe was Du meinst.
UND KRIECH NICHT MEHR IN MEINEM KOPF RUM!
O.K. wird gemacht, hatte ich nur vergessen, nicht im Kopf der Erdlinge rumkriechen, weisst Du, hier sind eine ganze Menge Dinge verboten... da muss man sich erst mal eingewöhnen.
WAS WILLST DU ÜBERHAUPT HIER?
Ich habe einen Erholungsurlaub gebucht, von der Front, weil wir darum kämpfen, wer mit dem Singularitätsraumschiff zuerst durch den Urknall reisen darf. Es gibt da noch ein paar Unstimmigkeiten, was die Reihenfolge anbelangt, die wir gerade ausdiskutieren. Kennst Du ja, wie das läuft, so ähnlich wie auf der Erde auch, also bei dem Kriegsding, da hat sich nicht so viel geändert, bedauerlich nicht?
Warum sagst Du mir das? Sind das wieder Naturschutzgründe?
Tut mir leid, darauf darf ich nicht antworten.
Aus Naturschutzgründen?
Darauf darf ich auch nicht antworten.
Darauf habe ich dem Putzeimer, der gerade in der Nähe stand einen Tritt in seine Richtung gegeben: Heute Nacht schläfst Du da drin.
No Problemo!
Und dann hat er sich in dem Putzeimer ausgebreitet, und noch einmal lasziv gestöhnt: Ah, wie geil ist das? Süsser, woher wusstest Du, dass ich es richtig dreckig mag, bist Du auch ein bisschen in meinem Kopf herum geklettert?
Mein Fuss tut mir immer noch von dem Tritt auf seinen dreckigen Eimer weh, denn er ist, wenn er komplett als Plasma eingeeimert ist, ganz schön schwer und bewegt sich kein Stück von der Stelle.
Jay Ronto die gute Seele macht noch mehrere Versuche mir in Sachen Mädchen zu helfen und ihr könnt euch denken, wie die augehen. Was dann kommt ist ja klar, er stellt sich selbst ganz gönnerhaft zur Verfügung und behauptet, dass das in Ausserirdischen ganz üblich sei, das habe sogar ein französischer Philosoph erfunden.
Du meinst Frankreich, Erde, Sonnensystem, 3. Spiralarm aussen, Milchstrasse.
Genau dieses Fronkreich und Fourier ist sein Name.
Der mit den Wellen?
Aber nein, der mit den Trieben.
Nun komm schon, ich lass auch Svenja aus deiner Klasse in mich reinschlüpfen.
Was? Ich steh nicht auf Svenja, das habe ich ihr schon tausendmal gesagt.
Aber das weiss ich doch Süsser, aber niemand liebt dich so wie sie, in dem Körper deiner Wunschfrau natürlich. Das kann man einfach nicht nachmachen, das ist viel stärker als wenn ich mir das jetzt ausdenken müsste, jemand, der dich so richtig mag.
Naturschutzgründe?
Vielleicht, ein bisschen.
Das ist doch alles eine Verarsche.
Nein, großes IndianerEhrenwort, ich schneide nichts mit, ich schalte meinen Stimmenrecorder und all das ab, ich bin innen ganz Svenja, na ja, Svenja ohne jedes Gedächtnis und aussen bin ich dein Wunschmonster, so wie Du es magst. Na wie klingt das?
Das kling ganz schön sexistisch, wenn diese Kategorie bei Jay Rondo überhaupt noch Sinn macht. Aber er zeigt mir, was ich mir darunter vorzustellen hatte, und es war schon irgendwie überzeugend.
Keine Verarsche, Du hast alles vergessen?
Ich schwöre, das machen wir bei uns auf dem Planeten ständig so, es ist eine Kumpelsache. Wir haben überhaupt anders keinen Sex mehr, es ist wie Fussball anschauen bei euch, echt jetzt, los vertrau mir.
Wenn Dich das, was ich bisher geschrieben habe, auch total gelangweilt hat, oder sonstwie genervt, glaub mir, Du wirst mir noch mal dankbar sein für diesen einen Tipp, ganz gleich wie verführerisch es ist, habe niemals, hörst Du niemals, auch nicht einmal zum Ausprobieren, Sex mit einem Wesen, dass als Wackelpeter oder meinetwegen auch als Götterspeise in deinem Putzeimer übernachten kann.
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konstivonderalm · 5 years ago
Text
Von einem der auszog, das Scheitern zu lernen
Von Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Es gab eine Zeit, da wollte Niemand diese Geschichte hören, weil sie selbst für ein Märchen zu verrückt war. Niemand dachte daran, dass einmal eine Zukunft auf uns lauern könnte, wo der Wahnsinn Wirklichkeit wird, und wo der gesegnet ist, der sich wappnen kann, weil er von dieser Geschichte schon einmal gehört hat.
Vor einer Zeit hatte es sich begeben, dass sich eine Katze und ein Hund zusammenfanden, um sich heimlich zu vermählen. Eines Tages nun gebaren die beiden trotz ihres so gegensätzlichen Wesens ein Kind. Und dieses Kind konnte klettern wie eine Wildkatze, es konnte mit seiner Nase Fährten folgen wie ein Wolf und es konnte sogar wie ein Luchs der absoluten Stille des Todes noch ein Geräusch entlocken. Denn so schien es, als wäre für das gesegnete Kind nur das beste von beiden Keimbahnen gut genug. Die Eltern waren so weise, dass sie das Kind erst ganz im Geheimen aufzogen, bis sie wussten, wie sie die frohe Botschaft unter die Leute bringen sollten, vergingen fast 4 glückliche Jahre im Verborgenen. Und nach all den Jahren wussten sie noch immer nicht, wie sie den Jungen taufen wollten. Der Vater, ein Hund, fand Huka, wäre der richtige Name für den Jungen, und die Mutter, die Katze, fand Katzhu würde viel besser passen. Der Streit um den Namen hätte sie argwöhnisch machen sollen, aber die Freude über das Wunderkind wischte allen Zweifel hinfort und so feierten sie mit den Verwanden zum 4 Geburtstag ein großes Fest.
Am Ende des Festes, als sie vor den Trümmern ihrer Existenz standen, war die Trauer groß, da sagte der kleine Huka von Katzhu, wie er sich selber nannte, um beide Eltern glücklich zu machen und niemand auszuschliessen: Ist es nicht komisch, wir laden Katzen und Hunde zu einem Fest und sie prügeln, kratzen und beissen und schlagen alles kurz und klein?
Da mussten sie laut lachen, Katzhu von Huka war schlau und an Humor schien es ihm auch nicht zu mangeln.
Alle sprachen über Katzhus Super Party, auch grössere Hunde und Katzen zwinkerten ihm anerkennend und verschwörerisch zu. Aber Katzhu wusste eigentlich nicht, was so cool an einer Party ist, wo sich alle kurz und klein schlagen. Katzhu hatte etwas anderes vor.
Schon wenn er in seinem Essen rührte, konnte sie nicht anders, musste ihn einfrieren, den Augenblick, um Zeugnis abzulegen, wie Huka von Katzhu, ihr Sohn, den Brei so unnachgibig schlug, bis ihm nichts anderes mehr übrig blieb, als sich ein ein Aktionpainting zu verwandeln.
Bevor er sprechen konnte, hörten sie ihn schon Mama, Papa und Pfefferminzgeschmack sagen. Damit ihnen jemand dieses Wunder glaubt, haben sie es aufgenommen und spielen es immer wieder ab. Und damit jeder es wirklich versteht, haben sie es mit Untertiteln versehen, so wie man es mit Papageienvideos macht, um zu zeigen, wie gelehrig die sind.
War die Komplementlawine als Welpe noch O.K., so sind sie jetzt, wo Katzhu grösser ist, kaum noch zu ertragen. All die vielen Male, wo er dezent mit einem "Ach Mama" darauf hingewiesen hat, dass es ihm langsam zu viel wird, waren nutzlos. Katzhu wechselt die Strategie und will zuerst seiner Mutter zeigen, dass man auch an einer Überdosis an Schmeicheleien umkommen kann. Und so bearbeitet er sie schon seit einigen Tagen mit Komplimenten über ihr neues Kleid und die Fleischpastete usw. hat aber noch überhaupt keinen Effekt der Gewöhnung gefunden. Jedes Kompliment schlägt mit der gleichen Wucht ein, wie das vorherige. Es ist so, als wollte man eine Wüste bewässern. Aber irgendwann, das sagt sich Katzhu, läuft auch in der Wüste ein Bachbett über, wenn es nur heftig genug regnet. Und das will Katzhu erreichen, indem er die Komplimente noch mit Geschenken verstärkt.
Dabei dachte er ursprünglich an Schmuck. Aber in den üblichen Schmuckgeschäften fand er nicht das Richtige. Bis er sich in einer Seitengasse verirrte und dort in einem Antiquitätengeschäft aus Fernostasien einen mürrischen alten Verkäufer fand. Gerade wegen der verschlossenen Art fasste Katzhu sofort Vertrauen und erzählte ausführlich von dem Problem, er hatte auch schon einen Freundschaftsring im Auge.
Der Verkäufer aber fand, dass so ein Freundschaftsring ins Auge gehen kann, wenn er vom Sohn an die Mutter übergeht. Da wurde Katzhu erst klar, wie bescheuert es war und er wollte sich schon trollen. Da fängt der erfahrene Verkäufer den Jungen mit sanften Worten wieder ein: Es ist immer schwierig, wenn der Ehemann zu sparsam mit Komplimenten würzt. Katzhu wollte seinen Vater verteidigen, aber der weise alte Mann hob nur die Augenbrauen ein wenig an, und Katzhu schwieg. Der alte Mann sagte: Man müsse jemand anderen finden, der der lieben Mutter sagt, wie liebreizend sie ist.
Und mit einer ausholenden Geste zeigte der Mann auf das Inventar seines Ladens. Aber nach gefühlter Ewigkeit hatte Katzhu immer noch nicht das richtige Geschenk gefunden.
Da murmelte der alte Mann etwas, was gut Dummkopf auf Javanisch heissen konnte und nahm
einen Spiegel von der Wand.
Für Katzhu sah es so aus, als würde der alte Mann mit dem Spiegel im Zwiegespräch sein, aber vielleicht sprach er nur mit dem Teil von ihm, der schon abgestorben war, und in den Himmel vorausgeeilt war. Denn in dem Spiegel sah Katzhu erst, wie hinfällig der Verkäufer schon war.
Als Katzhu den Laden verlassen hatte, da fiel ihm auf, dass er noch gar nicht für den Spiegel bezahlt hatte. Aber als er noch einmal klopfte, regte sich der in einem Sessel zusammengesackte Verkäufer nicht, und die Glastür des Geschäfts war nun auch verriegelt. Erst als Katzhu den Verkäufer durch den Spiegel betrachtete, sah er wie der Spiegel beschlug, als hätte er ihm den alten Mann direkt vor den Mund gehalten, und ihm wäre es geglückt noch einen seiner letzten Atemzüge einzufangen. Was ihm aber einen Schauer den Rücken runterlaufen liess, dass war ein Lächeln, dass wie eine Raubkatze in der Nacht über das Gesicht des alten Mannes huschte.
Dieses Lächeln kann er sich erst dann erklären, als ihm seine Mutter den Spiegel schon nach einem Tag zurückschenkt. Das teuflische Ding kann gleich in der Kosmetikindustrie anfangen, denn es findet auch noch in einem perfekten Gesicht, die Anzeichen von Zerfall und Verwesung. Der Spiegel spricht von Falten, tief wie Gletscherspalten, die sich unter Mutterns schon angeblich dünner werdemdem Fell auftun würden. Und er sagt das mit so viel Expertise und Nachdruck in der Stimme, dass daran überhaupt kein Zweifel bestehen kann.
Anders jedoch bei Katzhu, hier singt ihm der Spiegel jeden Tag eine Huldigungsarie und schleimt ihn an. Katzhu denkst sich: Na super. Jetzt klebt mir schon wieder die gleiche Scheisse am Schuh.
Aber damit noch nicht genug: Der Spiegel spricht Katzhu gerne vertraulich im Ton des Dealers deines Vertrauens an: Pssst.
Katzhu: Was ist den jetzt schon wieder?
Spiegel: Ist dir denn nichts aufgefallen? Passiert dir das jeden Tag das ein Spiegel mit dir redet? Katzhu: He weisst du das ist echt ne super Frage, aber wie wär 's wenn du das mit dem Stuhl besprechen könntest?
Spiegel: Kann der auch sprechen?
Katzhu: Frag ihn doch mal selber.
Am nächsten Tag: Spiegel klascht und das hört sich an als würden Glashände aufeinander schlagen.
Katzhu: Was war den das schon wieder?
Spiegel: Nur ein kleiner Zwischenapplaus für die Natur, die sich in deiner Schönheit Bahn bricht!
Katzhu: Ach was bin ich schon? Sieh dir doch nur einmal diesen wunderbaren Stuhl an, diese Anmut, diese Vollkommenheit? Tut mir leid, aber soviel Schönheit kann ich kaum ertragen, Du hast nichts dagegen, wenn ich dem abhelfe, indem mich setze. Aber sag mal ganz im Vertrauen, redet ihr beide manchmal über mich? Er hat dich sicher nur auf mich aufmerksam gemacht, damit du endlich aufhörst ihn zu belästigen.
Spiegel: Du glaubst ich lasse mich von Holzwurmheim verarschen?
Übrigens, wie Katzhu später durch Tiefenrecherche ans Licht des Tages zerrte: Der Spiegel war mal ZuchtRichter im Hundeverein, deshalb dürfen wir ihm sein spezielles Interesse an Katzhu nicht übel nehmen.
Es folgt eine sehr subtile Form der Zahnkontrolle durch den ZuchtRichter: Würde es Dir etwas ausmachen mich anzulächeln?
Katzhu lächelt gezwungen in seinen Spiegel und er beginnt zu ahnen, weshalb ihn seine Mutter nicht mehr haben wollte.
Spiegel: So, und jetzt schön aufmachen.
Katzhu macht den Mund auf und versucht mit offenem Mund zu fragen: HommHuHomHanHa? (Kommst Du vom Zahnarzt?)
Spiegel: Wiebitte?
Katzhu, immer noch mit offenem Mund: HafHichHenHundHiderHuHachen? (Darf ich den Mund wieder zumachen?)
Spiegel: Was?
Katzhu: HennHichHenHundHichHiderHuHachenHannHannHannHichHichHechen.
(Wenn ich den Mund nicht zumachen kann, dann kann ich nicht sprechen)
Spiegel: WIE?
Katzhu: HachheckHichHochHamHarch!
(Ach leck mich doch am Arsch!)
Nun sagt der Spiegel nichts mehr und verlässt sich ganz auf die paraverbale Analyse der Sprache.
Als Katzhu dem Spiegel den Rücken zudreht sagt dieser: Wohlgeformtes Gebissbild, keine Spaltenbildung, keine Abschattungen, ebenmässiger Nasenspiegel.
Katzhu sagt ohne sich umzudrehen: Und keine Rattenschwänze in den Zahnlücken?
Spiegel: Gegen die Verwendung von Zahnseide ist aus Zuchtrichterlicher Sicht nichts einzuwenden.
Katzhu zuckt mit den Schultern.
Spiegel: Ich kenne da Leute, die können etwas machen, also wenn Du dich als Rasse registrieren lassen willst ...
Katzhu denkt sich: Na super, was für ein Schleimer, und dann auch noch ein brauner Schleimer.
Ein Geheimnis der Natur ist, dass viel mehr Katzen Hunde lieben und auch andersherum, die Hunde lieben die Katzen viel inniger und aufrichtiger, als man glauben mag. Alleine, sie verstehen sich überhaupt nicht. Für Huka von Katzhu war das kein Problem. Und so bewunderten ihn die Rüden, wenn er mit einer Mietzekatze befreundet war, die die Gesichter seiner Freunde, mit hässlichen Striemen, dekoriert hatte. Denn Huka überstand die Freundschaft, Dank doppelter Natur, völlig unbeschadet. Und die Kater, denen eine Hündin die Schwänze zerbissen hatte, bewunderten Katzhu für den entspannten Abend, den er mit ihr verbracht hatte.
Durch seine jetzt überall bekannte legendäre Party war Huka von Katzhu nun der Anführer der Sippe aus Hunden und Katzen, die sich wegen seiner verständnisverbindenden Art, mit der Zeit um Huka von Katzhu gebildet hatte und mit ihm vorran durch die Straßen zog. Früher mussten sich fast alle der Gangmitglieder vor den Hundefängern fürchten, doch als sie nun aufeinander trafen und den Tierfängern die Katzen ins Gesicht sprangen und die Hunde ihnen in die Schwänze bissen verfluchten sie den Tag, an dem sie geboren wurden. Das war die helle Seite. Doch die dunkle Seite war, dass er bald unter den Katzen und Hunden so berühmt war wie ein Nagetier, was damals sehr populär war. Sie wurden zu Tierfängerfängereinsätzen gerufen, was sich immer zunehmend als Fehlalarm herausstelt und das geht damit einher, dass fast jeder Mensch, der auch nur ein Einkaufsnetz hatte, sich auf einmal der Tierfängerei verdächtig machte. So kam es zu unerwünschten Nebenefekten. Fehlalarme und der Enthusiasmus der Huka Fans führten unter anderem auch dazu, dass Menschen wie Oma Alwine, ihr Testament und insbesondere die dort enthaltene Spende an den Tierschutz Verein, sehr zur Freude ihres Enkels, für den Katzenschwänze nichts anderes als Lunten waren, noch einmal überdachten.
Aber nicht nur die Tierfänger waren ein Problem. Katzhu war so klug, sie nicht zu einem Wettrüsten zu provozieren, denn wer wollte schon mit Wurfnetzen aus Helikoptern gefangen werden. Es waren auch die Fans selbst, die zum Problem wurde. Jede Horde, die eine bestimmte Größe überschreitet zieht eine Schneise der Zerstörung durch die Stadt. Aber abgewiesene Fans sind oft zu noch drastischeren Aktionen bereit, besonders wenn es sich um die Schüchternen handelte, die Zeitbomben.
Was aber nun geschah katapultierte Huka von Katzhu aus seinem gemütlichen Star Rummel hinaus inmitten von dem zukünftigen Abenteuer, der Geschichte seines Lebens, der Schule des Scheiterns. Muschie Mäuschen, die schüchterne und zierliche Cousine mütterlicherseits verstand es gut, ihre Bewunderung für den bewühmten Cousin zu verbergen, den sie noch aus den Tagen verehrte, wo Huka sich um ihre Verkehrserziehung gekümmert hatte. An diesem verhängnisvollen Tag wird sie Huka von Katzhu zum ersten mal seit Kindertagen wieder sehr nah kommen. Auch wenn sie alle Geschichten kannte, die sich über Hukas Abenteuer mit den Tierfängern rankten, hatte sie nicht gewagt das Wort an ihn zu richten, nicht mal seinen freundlichen Blick konnte sie erwiedern. Und doch kreisten ihre Gedanken bei Tag und bei Nacht nur um eins: Wie kann ich an die glücklichen Zeiten der Verkehrserziehung anknüpfen? Warum bin ich nicht mehr so unbeschwert und frech, als sie mich noch Flocke riefen?
So kam es auch, dass sie, als sie ihn wieder sah, einfach mitten auf der Straße in der Laufbewegung erstarrte, und nicht einmal der anrollende LKW konnte sie aus ihrer Versteinerung brechen, um ihren Körper zu befreien. Nicht einmal Hukas Gefährte Wolf Wuff, mit der lautesten Stimme der Bande, konnte mit seinem "Pass auf kleine Flocke" Muschi Mäuschen aus ihrer Begeisterungsstarre wecken. Der Fluch war erst gebrochen, nachdem er sich erfüllt hatte und Muschi Mäuschen von einem LKW erfasst wurde.
Huka von Katzhu wollte ihr zur Hilfe eilen, doch der rasante Verkehr floss unbeirrt von dem Drama, was sich da abspielte weiter und jeder der Muschi Mäuschen helfen wollte, würde ihr Schicksal teilen. Als die Ampeln nun endlich den Autos Einhalt geboten, stürmte Huka von Katzhu mit seinen Gefährten Wolf Wuff und KamiKatze sofort auf die Straße. Allein, sie fanden keine Spur von Katzhus Cousinchen. Da schrie KamieKatze: Da drüben unter den Autos! Verzweifelt und kopflos krochen sie unter die parkenden Wagen. Was die Gang nicht mitbekam, der LKW hatte die Cousine weit auf die Fahrbahn hinaus geschleudert. Da lag sie nun, weggeworfen wie Abfall, neben einer Bäckertüte. Während die anderen sich noch die Köpfe unten den Auspuffrohren einschlugen schlüpfte Cousinchen mit letzter Kraft und ohne zu wissen, was sie da tat, in die Bäckertüte, ihr neues lebensgefährliches Zuhause. Niemand, wirklich niemand, hatte das mitbekommen. Auch nicht die Autofahrer, die es wie immer unheimlich eilig hatten und die die Tüte nur um Zentimeter verfehlten.
Plötzlich zeigt Gefährte Wolf Wuff auf einen Baum auf der anderen Straßenseite und ruft: „Da dort drüben, sie ist da oben in den Baum geklettert."
„Du Spinner da ist nichts!"
„Sieh doch da, ihr Schatten!"
Wolf Wuff rennt auf die andere Straßenseite, zu schnell, dass ihn niemand mehr halten konnte und so liefen viele, die Gefahr vergessend, dem Freund hinterher. Nur noch Katzu, KamiKatze und eine Hand voll Gefährten zögerten, weil sie daran zweifelten, was Wolf Wuff in den Zweigen gesehen hatte. Da fiel Huka von Katzhu eine weisse Tüte in der Mitte der Strasse auf, er sagte nur „da" und spannte seine Muskeln zum Sprung. Hätten ihn nicht die Hände seiner Gefährtin KamiKatze gehalten, würde er jetzt selbst auf der Strasse liegen.
Es war für die Freunde nicht einfach ihn zu überzeugen, dass dies nur eine tote Tüte war. Da geschah etwas, was ihnen den Atem raubte, erst undeutlich, dann aber bis weit zu ihnen sichtbar färbte sich die schneeweisse Bäckertüte langsam blutrot. Doch der Verkehr war wieder so mörderisch, dass sie nicht zu Cousinchen in der Tüte vordringen konnten. Da zündete sich KamiKatze ihren eigenen Schwanz an, um ihn als Verkehrsfackel zu benutzen. Ehrlich gesagt, ich habe überhaupt keine Ahnung ob es eine Verkehrsfackel wirklich gibt, aber die Autos hielten an, denn diese Fackel hatte noch eine Sirene, der Schmerz führte zu einem markdurchdringenden Katzenschrei, von der Art, wie sie sonst nur in tiefer Nacht bei Freude ausgestossen werden.
Als sie endlich die blutige Tüte erreicht, war schon fast alles Leben aus ihrem zarten Körper gewichen. Doch das schüchterne Cousinchen, schämte sich so sehr über ihr zerzaustes Fell, dass sie sich noch die Pfote vor die Augen hielt als Katzus Gesicht, in der Öffnung der Tüte erschien.
Die Ärztin kann den Gefährten nur wenig Trost spenden, gerade mal soviel wie die Chancen für Muschie Mäuschen stehen die nächste Nacht zu überleben. Und Katzhu überlegt, was das wohl bedeuten könnte. Was soll es schon bedeuten, sagt ein Gefährte: Wir können nichts tun, das bedeutet es.
Aber Katzhu kann das nicht glauben, und so weicht er nicht von dem Bett seiner Cousine. Und obwohl sie nicht gesund wird, stirbt sie auch nicht, nach drei Tagen sagt ihm die Ärztin: Es ist gut, lass sie gehen.
Und als Katzhu im Flur steht, als er die Müdigkeit spürt, als er den Rücken gerade macht, und langsam, fast behaglich an der Wand zusammensackt, da ist das Letzte was er denkt: Und ich kann doch etwas tun!
Und eigentlich fängt Katzhus Geschichte erst jetzt an: Von einem, der auszog das Scheitern zu lernen.
Denn, wenn etwas seine Cousine getötet hatte, dann war es dieser eigenartige blendende Schein, den nur die anderen sehen konnten, aber nicht Katzhu selbst. Und Katzhu hatte das Gefühl, dass es nicht das Einzige Unheil ist, was ein allzu heller Schein mit einem Sterblichen anrichten kann.
Bedrückt schleicht Katzu an seinem Spiegel vorbei. Dann schaut er sich selbst im Spiegel an und irgendetwas stimmt nicht, denn aus dem Spiegel blickt ihn ein freudestrahlender Katzhu an.
Katzhu: Sag mal willst Du mich verarschen?
Spiegel: Wenn es Probleme gibt, dann greife ich gerne auf Archivbilder aus meinem Gedächtnis zurück.
Katzhu: Spinnst Du, zeig mir endlich mein wahres Gesicht!
Der Spiegel tut das und Katzhu betrachtet sich eingehend und sagt: Komisch, man sieht nichts von dem Unglück, was ich eben bezeugen musste.
Spiegel: Das mag an dem Spinat liegen, den ihr da zwischen euren Zähnen habt.
Enttäuscht über die schnöde Oberflächlichkeit von seinem Spiegel, schleicht sich Katzhu weiter. Eins ist sicher, von dem Spiegel wird er keinen vernünftigen Rat bekommen.
Voller Ärger, greift er nach dem Stein, der hier im Flur noch aus seiner Jugendzeit liegt, um dem frechen Spiegelglas, seine Grenzen aufzuzeigen.
Doch wieder lacht der Spiegel nur sein ohrenbetäubendes Scherbengelächter: Meinst Du dass der Tod den stolzen Spiegel schreckt? Er fürchtet sich nur vor dem Hässlichen, was in Gesichtern steckt.
Und irgendwann war Katzhus Geduld mit dem Spiegel erschöpft. Wenn er den Stein nicht fürchtet, und der Tod ihn nicht schreckt, wie sieht es dann aus, wenn man den Spiegel mit schwarzer Farbe bedeckt. So macht sich Katzhu auf, in den Keller zu steigen, mit einem Eimer Pech, da will er es ihm zeigen.
Der Spiegel jammert: Alles, nur nicht blenden, Du kannst alles mit mir machen, bitte aber blende mich nicht. Aber all das Jammern war nur Getue, denn der listige Spiegel hatte Zeit genug gehabt, sich mit allen anzufreunden. Und wer hätte dass gedacht, aber so richtig dicke war er gerade mit dem Wind. Denn der wollte so gerne mal sein eigenes Antlitz sehen. Der listige Spiegel ist dem Wunsch bisher ausgewichen, weil es zu viel Konzentration erfordert, eine Sauarbeit ist, für einen Spiegel, das Gesicht des Windes zu spiegeln. Tatsächlich plante der Spiegel im Falle seiner Verhüllung auf die Hilfe seines wissbegierigen Freundes zurückzugreifen und sich durch ein bisschen Blasen des Windes, vielleicht reicht schon die Türritze oder das Schlüsselloch dazu aus, den Schleier aus dem Spiegelgesicht blasen zu lassen. Aber was für eine bittere Überraschung hatten Katzhus Entschlossenheit für ihn parat?
Trotz Katzhus Geschick ist der Spiegel nicht ganz in Dunkelheit getaucht. Es bleibt eine Stelle, eine Spur eines ungeduldigen Pinselschwungs, die noch etwas heller geblieben ist, eine Stelle, die noch einen faden Schein von der Welt zu dem Spiegel durchlässt.
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wenn der Vater ein Hund ist und die Mutter eine Katze, wie es zuhause zugeht. Der eine klopft sein Ei auf, der andere guillotiniert ist und keiner kann ertragen, wie es der andere mag. Wenn es nur um die Eier ginge, aber es gibt zwischen Hund und Katze kaum etwas, worin sie einer Meinung sind. Jetzt dürfte es euch nicht schwer fallen, wie glücklich die beiden über Katzhu sind, in dessen Seele die Katzen und Hunde friedlich zusammen lebten. Sie mussten glauben, der Himmel hätte ihnen dieses Kind geschickt und ganz unrecht hatten sie damit nicht, denn ein Kind von Katze und Hund zählt zu den grössten Wundern der Erde.
Eine Frage zwischendurch: Hast du in der Zeit, in der du dir adoptiert vorkamst einmal den Fehler gemacht deine Eltern ganz freundlich zu fragen, wie sie es in dieser schönen Welt geschaft haden so vollkommen zu versagen. Wenn du das gemacht haben solltest, dann wird es dich nicht wundern, wie Katzhu von seinen Eltern mit den besten Wünschen fort geschickt wurde, als er ihnen freundlich diese Frage stellte, um das Versagen zu lernen. Denn selbst wenn man die Hunde- und Katzenliebe der Eltern miteinander multipliziert, Katzhus naive Kränkung war so gross, dass sie anders nicht zu ertragen war, als ihn zum Teufel zu schicken, wenn auch nur für eine kleine Weile.
Aber wir würden uns in Katzhu schwer täuschen, wenn wir glauben würden, diese Lektion könnte ihn von seinem Weg abbringen: Als Katzhu den Obdachlosen fragt, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn er ihm das Scheitern lehren würde, es sollte auch sein Schaden nicht sein. Da antwortet der Obdachlose mit dem verheissungsvollen Namen Urmatz Kismetzky: Sehr charmant, das ist doch meine nobelste Aufgabe, das Versagen zu lehren.
Obwohl ständig Novizen kommen, von ihm das Versagen zu lernen, gegen ein entsprechendes Handgeld, versteht sich, mein Junge.
Aus dem Gemurmel von Urmatz Kismetzky war nicht leicht schlau zu werden. Einmal sagte Katzhu, dass er schon eine Villa hätte, so einträglich sei sein Geschäft und wie lästig ihm der Besitz und, die damit verbundene Verantwortung sei.
Dann sagte er wieder, dass er wie eine Domina sei und viele reiche Leute würde seine Dienste in Anspruch nehmen.
Dann war er ein ZenMeister um am anderen Tag ein Büßer zu sein. Der sich von der Sonne die Haut schön braun brennen lässt, damit man die Spucke, der Menschen, die ihn verachten, besser sehen kann.
Schliesslich versucht Kathu seine Frage anders zu formulieren: Was ist die größere Sünde, dem Anderen eine Möglichkeit zu nehmen oder selbst eine Möglichkeit nicht zu nutzen? Urmatz Kismetzki überlegt kurz und sagt dann: Es ist beides eine gleich große Sünde, nun verpiss dich endlich. Und lass dir mal die Haare schneiden, vielleicht wirst du ja so erleuchted.
Als Huka von Katzhu gibt nicht so schnell auf und verlässt seinen Meister noch immer nicht, da sagt ihm Urmatz Kismetzki: Von mir willst du das Versagen lernen? Wie kommst du da drauf? Hast du mal darüber nachgedacht, was Gott machen würde, wenn er auf die Erde käme? Hm?
Huka von Katzhu: Es gäbe eine Menge zu tun, auf unserer Erde für einen Gott.
Urmatz Kismetzki: Aber dafür muss er doch nicht heruntersteigen.
Huka von Katzhu: Warum ist er denn herunter gestiegen?
Urmatz Kismetzki: Weil es ihm zu langweilig geworden ist, dort oben, immer diese flauschigen Wolken und so.
Huka von Katzhu: Gott sein ist langweilig?
Urmatz Kismetzki: Na klar, du bekommst alles was du willst, was soll da noch spannend sein?
Huka von Katzhu: Du meinst, wenn Gott auf die Erde kommt dann macht er es nur...
Urmatz Kismetzki: ...um das Versagen zu lernen und um eine Superkraft nach der anderen los zu werden.
Huka von Katzhu: Willst Du mir etwa sagen, dass Du meinst, du bist Gott?
Urmatz Kismetzki: Unmöglich ist es jedenfals nicht.
Die Verwirrung in Hukas Gehirn mag auf lange Sicht ja heilsam sein, das Einzige Konkrete was er im Augenblick aus der Begegnung mit Urmatz schöpfen kann ist: Lass Dir die Haare schneiden!
Doch als er das angenehme sanfte Kribbeln spürte, als ihm der Frieseur die Haare wusch, da brach sein Wissensdurst wieder in ihm durch, und er erzählte wie es ihm bisher widerfahren war.
Was, von einem Obdachlosen, willst Du das Scheitern lernen? Was qualifiziert gerade ihn dazu, was macht ihn zum Experten des Scheitern? Sein Loch in der Hose, seine experimentelle Frisur, an welcher Oberflächlichkeit hast Du deine Entscheidung fest gemacht?
Da sah Huka seinen Fehler ein und der Friseur, sei es aus Mitleid oder auch aus Trinkgelddurst erlöste ihn, indem er aus seiner ganzen Lebensweisheit hinter dem Friseurstuhl schöpfte, wo manch ein grosser Mensch schon gesessen hatte: Es sind die Politiker! Wenn du von einem das Versagen lernen willst, dann musst Du zu einem Politiker gehen.
Nun fand sich Katzhu vor dem prächtigen parkgesäumten Bundestage in einem trüben Lichte und der Wind, der neue Freund seines Spiegels, blies ihm die vom Herbst gefärbten Blätter des Ahorns ins Gesicht. Eine leise Ahnungs war's, die ihn beschlich, hier find ich das Versagen nicht.
Überspringen wir die mühseligen Versuche unseres Helden seinen Volksvertreter zu begegnen, denn der war entweder nicht von seinen Wählern beauftragt sich um solche "philosophischen Fragen" zu kümmern, oder es fehlte ihm die Zeit. Deprimiert schlich Katzhu nach Hause, wo ihn sein blinder Spiegel schon erwartete.
Wer hätte das gedacht? Dem Spiegel war seine Blindheit gut bekommen, es schien fast so, als wäre er dem inneren Wesen der Menschen ein gutes Stück näher gekommen.
Als Katzhu dem Spiegel berichtete, dass die Politiker weder Volksauftrag noch Zeit für ihn hatten, half ihm der Spiegel sogar auf die Sprünge: Finde etwas, was alle haben!
Katzhu: Arme, alle haben Arme.
Spiegel: Nichts mit Armen.
Katzhu: Hm, Beine, wie ist es mit Beinen?
Spiegel: Es wird wärmer.
Katzhu: Füsse, ich habs, es sind die Füsse, warum bin ich nicht gleich darauf gekommen?
Spiegel: Füsse?
Katzhu: Nein, natürlich nicht, schon klar, ich muss weiter oben suchen, wo die Beine zusammen laufen.
Katzhu räuspert sich vieldeutig und flüstert: Der Podex.
Spiegel: Der Podex, hm, das will ich mal gelten lassen und präzisieren: Stuhlgang.
Katzhu: Ah, ich hab 's: Wenn auch vieles nur Gerüchte sind, Halbwahrheiten höchstens, es gibt doch eins, was gemeinhin als unumstössliche Wahrheit gilt, der Mensch muss auf's Klo.
Und so fand sich Katzhu als Klomann vom Bundestag wieder. Viele Menschen glauben, besser Klomann im Bundestag als Präsident von Hedwig Holzbein. Diese Ignoranten kennen die Schönheit unserer grünen Küsten nicht und wissen nicht, wieviel Expertise und Engagement von einem Klomann gefordert werden. Wie der Forststudent die Bodenkunde fürchtet und der Psychologiestudent die Statistikprüfung so fürchtet sich der Klomann vor der BresmsstreifenKunde. Jede Hinterlassenschafft erfordert einen anderen Schwung mit der Bürste, eine wohldosierte Spülung oder ein hilfreiches Agens, um sie rückstandsfrei zu entfernen. Und hat man die Strapazen der Ausbildung erfolgreich überstanden räumt einem die Gesellschaft eine soziale Nische frei, um die man höchstens von den Muttermördern noch beneidet wird. Doch Katzhu kümmerte das nicht, denn er hatte eine Mission zu erfüllen. Er wusste, wenn der Stuhl hart ist, wird die Seele weich und so erwischte er das richtige Zeitfenster, um einen Politiker zu fragen, ob er ihn das Scheitern lehren könnte. Welcher aber nur amüsiert lachte und sagte: Von mir willst du das scheitern lernen? Weist du denn nicht, das sich alles fügt was bei der Politik herauskommt, wie es zusammen gehört, seinen Platz findet? Von einem Politiker willst Du das Versagen lernen und doch weisst Du nicht, dass er der Letzte ist, der dir diese Lektion beibringen kann. Aber wenn ich dich so ansehe, deine schöne weisse Uniform und dein Zepter, dann scheinst du doch schon selber deinen Weg gefunden zu haben.
Das macht Kazthu bitter und lässt ihn nach Rache sinnen, denn nun geht es um die Ehre der Kollegen, und diese Ehre ist heilig, und wenn einer sie verteidigen kann, dann ist es Katzhu von Huka.
Nachdem Katzhu den das Innerste eines Menschen ausleuchtenden gehässigen Spiegel im WC des Bundestags aufgehängt hat bilden sich lange Schlangen vor dem anderen Klo im Reichstag. Was für ein Glück, dass die Politiker ihre Lieblingsbücher auf den Klo liegen gelassen haben, Katzhu findet Machiavellis Der Fürst, Clausewitzens Die Kunst des Krieges, Erich Fromms Die Kunst des Liebens, Karl Marxsches Kapital, Mary Shellys Frankenstein, Jean Paul Sartres Sein und Nichts, Marcel Proust Auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Ottos Katalog. Eins sage ich euch, wenn er damit durch ist, das garantiere ich euch, dann fängt ein neues Abenteuer an.
P.S. Es ist schon vorgekommen, dass Menschen die ein Buch über die Welt gelesen haben, den Eindruck gewinnen, man müsse alles niederbrennen, um noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Wieder andere möchten vielleicht überhaupt nichts ändern, so beglückt sind sie mit unserer Welt. Und dann gibt es eine dritte Gruppe, die den Eindruck hat, dass manche Probleme der Welt viel zu gut gelöst sind, während sich um andere noch niemand richtig gekümmert hat, und wenn es nur gelingt eine Balance herzustellen, dann ist alles wieder gut. Ich bin schon gespannt, ob Katzhu zu einer vierten Gruppe gehört, von der noch niemand vorher etwas gehört hat.
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konstivonderalm · 5 years ago
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Das Upgrade
Romeo ist überhaupt kein Romeo. Niemand würde sich diesen Namen für ihn ausdenken. Es gibt ja auch keinen Papst Romeo und keinen Romeo Einstein oder Romeo Eddison. Aber so heisst er nun mal, und er lässt alle in der Schule abschreiben. Er hat sogar einen Stift erfunden, den Mitschreiber, der die Hand des Abschreibers automatisch führt mit einem kleinen Kreisel drin und Bluetooth Anbindung. Das sieht dann nicht so schön aus, so wie die Schrift eines Erstklässlers, aber es ist alles richtig. Denn es gibt da ein Problem beim Abschreiben: Der Fehler. Schreibst Du einen Fehler ab, dann haben sie dich. Aber Romeo macht keine Fehler. Bis auf denjenigen, sich diesen automatischen Mitschreiberstift nicht patentieren zu lassen. Denn nicht nur die Stifte, sondern auch ein Patent darauf, hat ein Mitschüler eingesackt. Wenn Du jetzt vermutest, dass auch der Mitschüler keinen passenden Namen hat, dass er nicht treffend Ratte heisst, dann liegst Du richtig, denn der heisst Heiko, ist aber auch ganz egal wie die Ratte heisst, weil sie zur Strafe in dieser Geschichte nicht weiter mitspielen darf.
Aber als das geschehen ist, da haben Peter, Pan und Paula es mitbekommen. Denn deren Mitschreibestifte waren nun auch alle weg. Paula ist lesbisch und ich kenne niemand, der seinen Körper so verbiegen kann wie sie, niemand, der Parkour mit Flic Flac macht, wie sie, und niemand, der so klettern kann, als gäbe es die Schwerkraft nicht mehr. Peter ist schwul und ich kenne niemand, den er nicht durchschaut, ausserdem kann er sich verwandeln, wie ein Chamelion. Kommen wir zu Pan, Pan ist Pan, ein bisschen gruselig, ein bisschen sehr gruselig. Und ohne Pan wäre Romeo verloren, ohne Pan wären die Freunde nur ein paar Trottel mehr. Denn es reicht nicht aus, wenn man sieht, was gerade geschieht, und es nicht ändern kann. Und es reicht auch nicht aus, wenn man auf alle möglichen Arten verschwinden kann, wenn man sich nicht verkrümelt, wenn die Zeit gekommen ist. Und mit Pan muss man sich nicht mehr verkrümeln.
Die Freunde haben das grösste Glück, sie kümmern sich um einander. Peter macht sich Sorgen um Romeos Psyche. Er braucht eine Julia. Und was keiner weiss, nicht mal Peter, es gibt diese Julia. Ein nettes Mädchen aus der Parallelklasse, ziemlich unscheinbar, man wüsste nicht, was an ihr falsch sein sollte, jedenfalls schön ist sie nicht, auch nicht hübsch, aber wenn sie lächelt, dann fegt sie alles weg, nur das sie das nicht tut, denn Julia ist schwer engagiert, mit der Rettung der Welt, und da gibt es nicht so viel zu lächeln.
Paula zu den anderen: Müssen wir uns Sorgen machen, ich glaube unser Romeo glaubt, dass er mit ihr zusammen ist.
Peter: Wie kommt er da drauf.
Paula: Er hat sich gleichzeitig mit ihr gebückt und was aufgehoben, dann sind sie mit den Köpfen zusammen gestossen.
Pan: Und da hat es gefunkt.
Paula: Wen wundert das, in Romeos Kopf funkt es ja andauernd.
Pan: Ich werde mal mit ihr sprechen.
Das hat er zum Glück nicht getan. Und so ist gekommen, wie es kommen musste. Romeo fängt kein normales Studium an, sondern bekommt während des Studiums ein eigenes Labor, und als seine drei ersten Mitarbeiter stellt er seine Freunde ein. Paula und Peter hatten eigentlich etwas anderes vor, aber Pan findet, dass es gut ist, wenn wir zusammen bleiben. Und allen dreien bleibt weitgehend verborgen, was Romeo da im Labor anstellt, aber sie stellen sich ganz geschickt als Laborhelfer an, und es fällt niemand auf, und mit der Zeit bekommen sie doch das eine oder andere mit, und vielleicht erreichen sie das Niveau eines normalen Wissenschaftlers, aber Romeos Niveau bleibt völlig unerreichbar, aber da sie gar keinen Ehrgeiz haben, staunen sie nur ab und an, und passen auf ihn auf, mehr nicht. Der Kontakt zu Julia, wenn man denn von Kontakt sprechen kann, ist immer noch da, manchmal nickt man sich freundlich zu. Nur Pan darf das nicht, wie ihm alle sagen und sie zupfen an seiner Jacke, wenn er freundlich lächeln will, damit er es lässt, um sie nicht zu erschrecken. Es gibt noch Versuche von den dreien das ein winziges bisschen voranzutreiben, und ihrem Freund, dem sie ein angenehmes Leben schulden, etwas gutes zu tun, aber Romeo ist glücklich mit seiner Beziehung. Auch wenn er sich das alles nur einbildet. Aber da er nun mal genial darin ist, sich Sachen vorzustellen, die es noch gar nicht gibt, fällt es ihm auch leicht, mit Julia zusammen zu sein, ohne dass sie es überhaupt weiss.
Pan ist da pessimistisch: Irgendwann wird das richtig knallen.
Der Laborleiter und ihr oberster Chef lässt sie machen, und die drei haben es hinbekommen, dass Romeo nicht von ihm genervt wird und der Chef findet, dass erst einmal genug Grundlagenforschung betrieben wurde, ein Genlabor wäre doch auch dafür da, mal etwas nützliches abzuwerfen.
Pan: Und was könnte das sein, Detlev?
(Ihm ist von den Anderen eingebleut worden, dass er Augenkontakt sucht und sein Gegenüber direkt anspricht, was seine gruselige Wirkung nicht besser macht und Paula und Peter immer wieder äusserst amüsiert.)
Detlev rückt dann doch damit raus: Die Haut, wir sollten dort unser Forschungsaugenmerkt drauf lenken.
Und Romeo hatte dort gerade eine Entdeckung gemacht, eine Art Flechte, die wie eine Haut über das Balsagerüst eines Fliegers wächst, und sich selbst bei kleinen Unfallschäden repapiert, weil sie wieder zuwächst. Sie ist aerodynamisch nicht optimal, weil sie zu rau ist, aber ein mit diesen Flechten bespannter Flieger fliegt wie ein normales kleines Segelflugzeugmodell und muss nur immer besprüht werden und wie ein Mobile aufgehängt werden in einem Raum mit weissen Wänden, oder unter einem Baum, damit er von allen Seiten Licht bekommt. Dann wachsen auch Risse in der Haut zu.
Detlev bleibt standhaft, und bringt dann sein Anliegen vor. Diesmal wollen wir einen menschlichen Körper bespannen. Wir suchen nach einer Salbe, die zu einer echten Reparatur und Straffung der Haut in der Lage ist.
Detlev neigt sonst zu pathetischen Vorträgen, führt die Helden der Forschung auf, und welche Feuchtigkeitscremes sie hervorgebracht haben und die ganzen beknackten Kunstworte, die sie sich dafür einfallen lassen haben, und die alle nur für ein Resultat stehen. Es ändert sich nicht wirklich etwas, wenn man sich diese teueren Tigelchen in das Gesicht oder sonstwo hin schmiert.
Pan ruft Romeo an, während er mit Detlev spricht: Bis wann soll das fertig sein, äh, Detlev?
Detlev: Äh ich weiss nicht.
Pan am Telefon zu Romeo: Er weiss es nicht.
Pan: Reicht morgen?
Detlev: Morgen? Was? Also am nächsten Tag?
Pan zu Romeo: Morgen reicht wohl nicht.
Detlev schüttelt den Kopf hebt den Zeigefinger, will klar machen, dass es so nicht gemeint war aber Pan legt nur furchteinflössend den Zeigefinger auf die Lippen und sagt: Komm heute Nachmittag noch mal vorbei.
Und Detlev, der eigentlich Professor Dr. Dr. D. von Dornheim heisst, zweifelt das erste Mal an seinem Verstand.
Als er am späten Abend noch mal im Labor vorbeischneit, wie er das nennt, sagt Pan: Das ist ganz schön knapp mit der Zeit. Aber Romeo hat da was gemacht, so ein Genscheren Zeugs mit Polymerkugeln, ach, das bringe ich durcheinander, es war doch Stärke ja, genau, bitte.
Romeo schiebt mit dem Zeigefinger so ein Tigelchen auf den Chef zu.
Detlev kann es nicht fassen: Äh ja, danke auch.
Er will sich aufmachen und gehen.
Pan hält seine Hand fest: Willst Du es gar nicht ausprobieren, Detlev.
Detlev kommt in Panik: Wie ausprobieren jetzt?
Pan fixiert ihn während er ganz bei dem Kaugummi in seinem Mund ist und er nickt nur Richtung Tigelchen.
Detlev schmiert sich die Creme ins Gesicht.
Pan: Äh, aber doch nicht an Dir, Du hast doch gar keine Falten.
Detlev: Och hier kommen schon welche, Krähefüsse, die kommen vom Lachen, das ist der Blutzoll des Humors.
Pan: Blutzoll des Humors, hä?
Detlev hat sich eingerieben.
Am nächsten Tag kommt Detlef mit einem Schal ins Labor und einer Sonnenbrille.
Pan: Und was sollen wir heute für dich machen?
Detlev fällt der Schal runter und man sieht wie sich seine Lippen total vom Mund zurückgezogen haben, alles ist wie zum zerreissen gespannt aus, man kann sein Zahnfleisch sehen.
Pan beruhigt das nicht besonders: Du hast sehr schönes Zahnfleisch, Detlev, hat dir das schon mal jemand gesagt?
Detlev versucht zu antworten und sich brav für das Kompliment zu bedanken: Aber das Sprechen fällt ihm schwer, so gespannt ist die Haut in seinem Gesicht.
Pan hebt den Hörer ab und spricht mit Ro, so nennt er Romeo, weil ihm der Name zu albern ist: Nein, Ro, ich glaube er kann jetzt nicht sprechen. Warum? Ja, es scheint ihm an Haut zu fehlen. Nein, nein es ist alles schön glatt. Es scheint mehr ein Problem der Spannung zu sein. Ob ihm die Salbe gefällt? (An Detlev gerichtet) Gefällt dir die Salbe, Detlev?
Detlev nickt vehement aber er zuckt auch mit den Schultern.
Pan sagt zu Ro: Detlev ist vielleicht ein bisschen zu jung für die Salbe, ich würde sagen 80 Jahre alt müsste man schon sein, die Haut müsste schon sehr entspannt sein.
Detlev schwankt überlegend hin und her und Pan der ihn nicht aus dem Auge verliert sagt zu Ro am Telefon: Könnte auch 100 sein, ja gut 100 Jahre, das gibt heisse 100jährige.
Pan hält den Hörer zu und fragt Detlev: Ro will wissen ob Du Probleme mit heissen Greisen hast?
Detlev schüttelt vehement den Kopf und Pan sagt: Hat er nicht, alles ganz cool, denke ich, oder?
Detlev nickt vehement und Pan legt auf.
Detlev zögert etwas mit dem herausgehen, als ob er noch etwas auf dem Herzen hat.
Pan: Is noch was, äh Detlev?
Detlev will was sagen, kann es aber nicht. Pan sagt genervt: Habe schon verstanden, hol dir das Gegenmittel heute Nachmittag ab.
Detlev hat die Sonnenbrille abgenommen, und es rollt eine Träne aus den völlig frei liegenden geäderten Augäpfeln.
Pan klopft Detlev auf die Schulter: Ist ja schon gut.
Mit der neuen Creme kann sich Detlevs Haut wieder entspannen. Ein bisschen zu sehr, dass sanfte Falten entstehen, nicht scharf eingeschnitten, sondern wie bei dieser chinesischen Hunderasse, sanfte Hügelketten.
Pan: Es sieht schon viel besser aus, nicht?
Detlev nickt und kann auch wieder sprechen: Alles paletti.
Pan fasst an Detelevs Kinn, während er Ro am Telefon hat: Nein, es sind eher sanfte Hautringe. Ob es mir gefällt? Hm, es sieht gemütlich aus, wie bei diesem Hunden aus China. Die können ja keine Falten mehr bekommen, sind ja schon so auf die Welt gekommen.
In den nächsten Wochen kann Pan Romeo nicht mehr so einfach abschirmen. Es kommen Expertenteams und das Labor wird von Sicherheitspersonal abgeriegelt, nur noch die Vier dürfen rein. Es müssen viele Papiere unterschrieben werden, und man will sicher gehen, dass sie verstanden haben, dass man jetzt nicht mehr so viel darüber reden sollte. Pan ist langsam genervt: Ist ja schon gut, wir sind ja nicht irgendwie beschränkt, haben schon verstanden. Wir werden sie alle neu bespannen, das wird ein riesen Geschäft und wir werden die Leute glücklich machen, bis auf die Chirurgen, O.K. die nicht, aber dafür haben wir ja die Sicherheitsjungs, also wenn die Chirurgen kommen, weil sie sich rächen wollen, dass wir ihnen die Jobs wegegenommen haben, dann ist auch alles cool weil ihnen die Sicherheitsjungs vorher die Skalpells abgenommen haben, habe ich verstanden, ist ja auch nicht so schwer zu verstehen oder? Warum wiederholt ihr das immer wieder, wir haben es wirklich verstanden, alle, ja, auch Ro, das Haut Ding, ja das hat unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, oberste Priorität.
Währenddessen ist auch Julia nicht untätig geblieben. Sie ist viel gereist. Jede Abwesenheit hat zu Unruhe im dem Labor geführt. Und schliesslich hält es Romeo nicht aus und fragt Pan: Was macht sie eigentlich da?
Pan ist tatsächlich verdutzt und hat vergessen, wie die Beziehung zwischen Romeo und Julia abläuft indem er fragt: Sprecht ihr nicht darüber?
Ihm ist erst später klar, wie dumm das war, als er mit Peter und Paula zusammen ist: Was soll wir denn jetzt tun?
Es herrscht einen Moment Ratlosigkeit bis Paula eine Idee hat. Es ist wie bei imaginären Freunden, die werden doch erst dann zum Problem, wenn sie von den Anderen nicht gesehen werden.
Paul: Wie meinst Du das?
Paula: Wenn jemand einen eingebildeten Freund hat, und alle spielen mit, dann ist er auch nicht verrückt, weil nicht alle können verrückt sein.
Pan: Also echt, da kenne ich einige Gegenbeispiele, meistens ist es nämlich so, dass sie alle gleichzeitig durchdrehen, dass kein Einziger seinen Verstand behält.
Peter überlegt eine Weile: Dann machen wir es eben so, wir alle sind verrückt und tun so, als ob alles klar wäre und wir über alles bescheid wüssten.
Paula: Und wie willst Du das machen.
Peter: Na mit reden, wir reden mit Ro und Pan redet mit Julia.
Paula: Aber wir wissen doch nichts über sie.
Peter: Ach das finden wir schon heraus.
Paula: Und dann tun wir was? Wir tun so als ob sie zusammen wären?
Peter: Es ist ja nur zu Überbrückung, solange wie sie nicht in der Stadt ist, das ist alles.
Paula: Und was machen wir, wenn sie nicht in der Stadt ist?
Pan: Wir rufen sie an.
Und so wird es gemacht, Julia bekommt ein paar eigenartige Anrufe, sie erzählt etwas über ihr Projekt, dass sie eine Meditationsmethode für die Mächtigen entwickelt, damit sie ihre Empathie für das Volk nicht verlieren. Und Pan tut so, als ob er das wüsste: Machst Du noch etwas neues?
Julia ist irritiert: Nein, das ist doch das Neue.
Pan: Aber das kenne ich schon.
Bei Julia bricht sanfte Panik aus: Macht das schon jemand anders?
Pan überlegt ein bisschen zu lange: Nö
Julia: Wie nö?
Pan: Wer soll das denn machen, wenn nicht du, kann ja sonst keiner, ich meine, will ja auch keiner, oder? Oder doch, ja, einige wollen es, können es aber nicht.
Julia: Ich muss jetzt leider weiter machen.
Pan: Ja, mach das nur, viel Spass und so und bis dann?
Julia sieht ihr Telefon etwas irritiert an und sagt nachdenklich: Bis dann also.
Und als die drei wieder zusammen sitzen sagt Pan: So schwer war das wohl nicht, warum habt ihr nicht früher eure Ideen eingebracht?
Peter und Paula sehen sich gegenseitig an, da kommt Ro rein: Ich habs, das war aber auch wirklich schwer.
Pan: Ja, tatsächlich?
Pan greift nach dem Tigelchen.
Romeo: Diese Gesichtscreme dringt ganz tief ein.
Pan: So?
Romeo: Nun frag schon.
Peter: Was denn Romeo?
Paula: Wir wissen gar nicht was Du meinst, sorry.
Romeo: Wie tief.
Peter voller Unverständnis: Wie tief?
Aber Pan hat verstanden: Ja klar, wie tief denn? Gut gemacht!
Romeo ist ein bisschen beleidigt und fühlt sich nicht ernst genommen: Ich hab ja noch gar nicht gesagt wie tief!
Pan: Los komm rück es schon raus, sag es uns, wie tief dringt das Zeug ein, 3 mm? Hm, nein, 6 mm? Hm?
Paula ist mutig und widerspricht Pan: Du weisst schon, dass niemand so eine dicke Haut hat, oder?
Da platzt es aus Romeo heraus: 15 cm mindestens.
Peter: Das ist denn aber ein richtiger Dickhäuter, was?
Pan wird sehr ernst: Und was macht das dann, wenn ich es mir ins Gesicht schmiere, äh, z.B. mit meinem Gehirn, ein paar Zentimeter tiefer.
Paula: Du weisst schon, dass wir im Gehirn die Falten brauchen.
Peter: Die Windungen sind nützlich, passt viel mehr Projektionsfläche rein, das muss gar nicht glatt sein, oder habe ich da etwas nicht mitbekommen.
Romeo: Aber die Spiegelneuronen!
Pan: Moment mal, ist diese Creme eher in Richtung Haarwuchsmittel also keine Faltencreme, sondern eher so eine Wachstumsding?
Romeo wird ganz aufgerecht und nickt heftig.
Pan lässt das Tigelchen mit dem er eben noch rumgespielt hat, los und sagt leicht schockiert: ... und dann wachsen die Spiegelneuronen?
Peter: Ist das eine Creme für deine Freundin?
Paula: Das ist doch keine verdammte Quizshow.
Pan schiebt das Tigelchen weg: Wenn ich mir das ins Gesicht schmiere, was passiert dann, leide ich dann mit der ganzen Welt mit.
Jetzt ist Romeo ganz aus dem Häuschen und nickt heftig: Ja, aber die Falten sind auch weg.
Peter: Also eine Nebenwirkung oder was?
Pan: Vielleicht reden wir woanders weiter.
Und das tun sie, treffen sich alle am Brunnen, weil sie das im Film so gesehen haben, dass das Rauschen die Stimmen überdeckt und Pan sagt zu Romeo, den er in den Arm genommen hat: Also es ist nicht eine zwangsläufige Nebenwirkung von dem Faltending. Du könntest auch eine Faltencreme machen, wo einem die Flutopfer in Bengalen nicht leid tun, oder? Jedenfalls nicht mehr als gewöhnlich. Willst Du das sagen?
Romeo: Aber versteht ihr nicht, das ist unser erstes Projekt, was wir zusammen gemacht haben.
Peter: Du meinst Du und deine ... äh ich meine Freundin.
Romeo nickt vehement.
Pan: Oh ha, da hast Du ja was Schönes erfunden. Aber nimm es mir nicht übel, wenn Du mir das ins Gesicht schmierst, muss ich dich töten. Hast Du das verstanden?
Romeo ist entsetzt.
Peter zu Romeo: Das ist doch Pan, der braucht so eine Creme nicht, aber wenn man das mal weiter denkt, dann könnte es durchaus Fälle geben, wo ich sagen würde, Probieren sie es doch mal mit unserer Neuen Faltencreme.
Paula: Auch wenn manche erstaunt sind, was das für Nebenwirkungen haben kann, oder?
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konstivonderalm · 5 years ago
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Den Weihnachtsmann, geht das auch noch was an
Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Der Weihnachtsmann ist müde, jedes Jahr das Gleiche. Aber er bleibt nur dabei, weil Knecht Ruprecht sein Gehilfe so gruselig ist. Er hat schon lange auf seine Dienste verzichtet, denn diese Form der Bestrafung von Kindern, das ist schwarze Pädagogik. Aber Ruprecht tut so, als ob er sich gewandelt hätte, und wird Franchisenehmer vom Weihnachtsmann, indem er ihm erzählt, dass das Geschäft anders nicht mehr zu wuppen sein wird. Denn bald wird der Mond besiedelt, und wer bringt dann da die Geschenke? Raumanzüge sind fällig, nicht nur für den Weihnachtsmann, sondern auch für die Rentiere. Und dann, nachdem man das erledigt hat, dann muss man gleich auch auf dem Mars Weihnachtsmann sein. Nein, das könne man sich nicht sparen, das wäre der Rote Planet, das ist der Weihnachtsmann Markenkern. Der Weihnachtsmann will eher darüber nachdenken, welche Geschenke planetenverträglich sind. Ruprecht: Prima, das kannst Du dann in aller Ruhe.
Dann schmiedet der Weihnachtsmann Pläne, wobei er die Planeten Ruprecht überlassen will. Dann schmilzt der Nordpol und schließlich landet er mit einem Eisbären auf einer Scholle, der Eisbär möchte ihn anschlecken, ihm geht es nur um das Aroma, ganz ohne knabbern, aber die Weihnachtsmann will nicht. Der Eisbär ist enttäuscht, dann will der Weihnachtsmann nach Europa. Aber er wird als Flüchtling registriert, und er bekommt nur Asyl, wenn er verfolgt wird. Und er will es mit dem Vertrag von Ruprecht beweisen, aber der nette Beamte findet, an dem Vertrag nichts sittenwidriges, aber ein bisschen Enttäuscht wäre er doch, vom Weihnachtsmann.
Der Weihnachtsmann ist ganz empört als man ihn nicht reinlassen will: Ich bin DER Weihnachtsmann!
Immigrationsbeamte: Ach was wir hier nicht alles hören: Ich bin das Schokoladenkind ich laufe durch den Plantagenwald für deine Riegel.
Ich bin die Mangofrau.
Ich bin der Kokoskletterer.
Ich bin der Datteldoktor.
Ich bin der Pfefferfarmer
Ich bin die Kobaldfrau aus dem Kongo, ohne mich gibt es keine Smartphones.
Ich bin der wahre Candyman aus der Zuckerrohrplantage
Neulich war einer da, der sagte sogar, sein UrUrUr usw. Opa hätte die Null erfunden.
Mein Gott, wozu brauchen wir Nullen, Tse!
Meinst Du wirklich, dass mich da ein Weihnachtsmann noch wundert. Ist doch klar, dass dir die Eisscholle eng wird. Weiß doch jeder, dass unter dem Nordpol kein Festland ist. Wen willst Du denn damit beeindrucken. Ausserdem bring mal deinen Anzug in Ordnung, was sollen denn die Kinder von dir denken, wen Du darstellen willst, den Schornsteinfeger vielleicht? Meinetwegen, aber dann musst Du auch Glück bringen.
Die Immigrationsbeamten klatschen sich ab und rufen im Chor: Roasted!
Dann flüstert einer: Sorry, aber wir müssen so sein, wir meinen es nicht persönlich, ist mehr so eine Geschäftliche (er wird korrigiert: Verwaltungs-) Ja, eine Verwaltungssache.
Ein anderer Beamter: Aber wenn wir es nicht tun, verlieren wir den Job.
Und dann sein Gegenüber: Ich hasse diesen Job.
Alle stimmen ein: Wir hassen diesen Job.
Dann klatschen sie sich gegenseitig ab.
Also dann der nächste Bitte: Wen haben wir denn da, na wenn das nicht das Christkind ist
Dann will der Weihnachtsmann eine Truppe aufstellen um die Welt zu retten. Aber immer sagt ihm sein Assistent, dass er dazu irgendwelche Zaubersachen braucht, die Schlösser ohne Schloss etc. Und der Weihnachtsmann sagt nur: Es muss auch so gehen und marschiert, mit den ganzen ausgestorbenen Tieren als Vertreter für Knecht Ruprecht ein.
Der Weihnachtsmann muss magische Objekte wieder unter die Kontrolle des Guten bringen, so wie immer eigentlich, diesmal sind es Gallensteine Cäsars, das Steinkind der Herbstzeitlose, Marias versteinertem Hymen
und den Händedruck von König Midas
Aber von den ganzen Zen Rätseln und Superkräften schwirrt Weihnachtsmann der Kopf. Und er nuschelt unzufrieden: Wie wäre es mit:
den magischen Steinen
nebst passgenauen
Schlüsselbeinen.
Einmal gelacht,
mit Schüttelreimen
gefügig gemacht,  
in Schüsseln verbracht
und aufgewacht
in Mitten der Nacht
Der Morgen, die Schlacht
zuende gebracht.
Aber das will der Weihnachtsmann nicht. Er hat dieses Superheldensache immer abgelehnt, weil das die Leute vom Denken abbringt, weil sie dann glauben, soll der Supermensch es doch richten. Aber nicht mit dem Weihnachtsmann, der ist Demokrat.
Und so sitzt er da, bitter sinnierend, was er schon alles überstanden hat.
Die Limonade habe ich überstanden ...
Den Sonnenwendmann habe ich überstanden ...
Sogar den Mordanschlag von Papst Paul dem Sechsten habe ich überstanden, ich habe es gar nicht nötig heilig gesprochen zu werden. Wozu auch, wenn der Schlitten mal wieder nicht fliegen will, soll ich dann mein Attest vom Papst zeigen? Seht her, ich brauch gar nicht Wunder wirken, ich habe es hier Schwarz auf Weiß.
Und der Weihnachtsmann überlegt angestrengt: Was kann das nur sein, was heute wirklich Superkraft entfaltet
Das ist nicht schwer, da ist die Superkraft der Scheinheiligkeit: Es dauert nicht lange und der Weihnachtsmann hat eine Idee: wie wäre es mit Wernherr von Brauns Paperclip?
Schon bei dem Gedanken ist eine Erschütterung im Machtgefüge der Welt zu spüren.
Dann überlegt der Weihnachtsmann angestrengt, bis er wieder eine Idee hat: Wie wäre es, wenn ich die Scheinheiligkeit mit der Selbstliebe, nein, das ist das falsche Wort, mensch wie sagt man noch mal heute, Ah, jetzt habe ich es, mit der Achtsamkeit für selbst der Monster. Wie wäre es wenn ich noch den Ärmelschoner Eichmanns hätte?
Und wieder erbebt die Welt.
Da überlegt der Weihnachtsmann: Wie kann es jetzt bloß weitergehen? Ein Zauberspruch vielleicht? Ist das wirklich so einfach?
Und der Weihnachtsmann lässt seinen tiefsten Weihnachtsmann Barritonn hören:
Paperclip und Ärmelschoner
kommt zu mir ihr Erdbewohner
Aber ganz so einfach ist es doch nicht, die Welt ist durch den Zauberspruch in Empfangsbereitschaft für die gute Botschaft, so wollen wir es mal nennen, es bleibt eine Menge Arbeit (Action)
Schließlich erobert sich der Weihnachtsmann mit Hilfe der Eisbären und Robben und der Geister ausgestorbenen Tiere die Herzen der Kinder zurück.
Und dann verhandelt der Weihnachtsmann mit den Kindern.
Ihre Forderungen:
So lange aufbleiben wie sie wollen. Ein schönes Fest ohne Familienstreit und nervige Zwangsgäste
Das Mädchen will dann einen Roboter haben und der Junge eine Puppe und nicht andersherum
Der Weihnachtsmann notiert: Alle Mädchen Roboter und alle Jungs Puppen
Aber die beiden schütteln den Kopf
Weihnachtsmann ist irritiert: Nein, nicht?
Nur wir beide, das heißt jeder kriegt das, was er sich wünscht und nicht irgendein PädagogikSpielzeug
Aber Knecht Ruprecht behauptet, Kinder wären kleine Erwachsene, die können nicht verzichten, sie sind der fleischgewordene Konsumwahnsinn. Die Erwachsenen zerstören den Planeten nur für die Lieben Kleinen und er wird schon noch sehen was er davon hat.
Aber dann sagen die Kinder: Und das nächste Smartphone wollen wir selbst reparieren und programmieren können, so smart soll das sein.
Der Weihnachtsmann sagt zu Knecht Ruprecht: Siehst Du was sie wirklich wollen, du Hund mit deinem Franchise!
Aber ein Hund aus Weihnachtsmanns Gefolge schüttelt nur vorwurfsvoll den Kopf.
Weihnachtsmann kommt ins Schwitzen: Du Ratte!
Aber eine Ratte senkt nur Vorwurfsvoll den Blick.
Weihnachtsmann weiß nicht weiter: Du Sau!
Aber eine Sau verlässt das Gefolge mit erhobenen Hauptes.
Weihnachtsmann dreht sich zu seinem Gefolge um, was nicht viel bringt, dann wendet er sich Ruprecht seinem schändlichen Franchisenehmer zu und sagt: Mensch Rupi!
Das Gefolge nickt.
Aber Ruprecht ist schwer beleidigt: Du musst nicht gleich so ausfallend werden!
Dann fangen alle an zu singen und frohlocken
Mensch Rupi,
Rupi, Rupi, Dupi
Und der Weihnachtsmann singt mit Ruprecht im Duett über:
Kein Freifahrtschein für Scheinheilige ...
Atmosphärenschutz statt Umweltschmutz ...
Das Windrad bringt mich auf Draht ...
In der Handyhülle herrscht Gedankenfülle
denn die Sonne scheint auf alle Fälle
auf meine schöne solare Zellen
usw.
Schließlich einigt sich der Weihnachtsmann und zieht zu den Inuit nach Grönland, die ihn herzlich aufnehmen und Asyl gewähren. Denn dieser Rummel und Personenkult ist ihm doch ein bisschen peinlich.
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konstivonderalm · 5 years ago
Text
Das Originaldrehbuch Teil 2
Von Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Kantinka sieht nach dieser Bemerkung Fritz an, als würde sie auf etwas warten und sagt dann aber, als nichts zurück kommt, kaum enttäuscht: Nur Spass.
Fritz wundert sich nicht mehr, warum es hier so leer ist. Unaufgefordert fängt der Mönch zu plaudern an. Hier wäre ja alles abgebrannt gewesen, eine Tragödie, auch menschlich. Aus diesem Grunde wäre karmatechnisch überhaupt kein anderes Gebäude an diesem Ort denkbar gewesen als dieses. Er sei gekommen, um den verbrannten Seelen Ruhe zu schenken.
Fritz denkt sich: Gratuliere, das mit der Ruhe hat ja schon mal geklappt.
Dann zeigt Fritz ihm noch das Foto von Nike auf seinem Handy und der Wirt antwortet: Eine Hinterbliebene sagen sie? (Das sagte Fritz bestimmt nicht!) Tut mir leid, kenne ich nicht. Ich bin ja auch nicht von hier, sonst wäre ich ja nicht mehr da. (Fritz denkt sich: Nicht schon wieder ein Witz!) Und die Seelen, müssen sie wissen, haben nicht so schöne Gesichter.
Nikes zweite Geschichte: Die Sennerin
Fritz versucht seinen Ausflug in die Berge zu vergessen. Obwohl er auf der Rückfahrt die Geschichte von Nike aufgeschrieben hat, wobei er bei einzelnen Details lange darüber nachgrübelt, ob sie das wirklich gesagt hat, oder ob er sich das nur dazu gedacht hat. Eine Beschäftigung, die ihn fordert und ihm Spass macht, denn auch ein Täter, der die Wahrheit kennt, muss das können.
Nike ärgert sich darüber, dass Fritz sie für zu nett hält und ungefährlich. Aber was jetzt dazu kommt, das macht sie richtig wütend. Fritz versucht seine Neugierde hinter gespieltem Desinteresse zu verbergen und gibt Nike zu verstehen, dass sie ihm ein wenig lästig wäre.
Nike findet: Jetzt müssen langsam andere Geschichten aufgezogen werden.
Und deshalb entschliesst sie sich, an einem sonnigen Tag in dem Bambusdickicht im Tiergarten auf ihn zu warten. Natürlich tut er wieder so, als ob nichts wäre. Trotzdem hat Fritz an alles gedacht, sogar den Recorder hat er schon eingeschaltet. Er hat sich extra so ein kleines Gerät gekauft, was die Aufnahmen nicht gleich nach California petzt. Man kann ja nie wissen.
Fritz kann warten, wie ein Charakterschauspieler. Sein Requisit ist nur eine Tüte Pistazien. Er lehnt sich auf der Parkbank zurück, taucht mit dem Kopf ein Stück weit in den Bambus ein, und wirft sich einen ausgepulte Pistazie in den Mund. Dann passiert erst einmal 5 Minuten nichts. Fritz schliesst die Augen. Er sitzt da, hört den Vögeln zu, den seltenen Stimmen auf dem Plattenweg, der hier durch das sumpfige Gelände des Parks führt.
Nike hat sich nicht so geschickt angestellt, raschelt ständig im Bambus, kommt damit nicht klar von den Schösslingen gepiekst zu werden. Aber Fritz spielt mit, tut so, als ob er nicht schon lange wüsste, dass sie hier eine grosse Show geplant hat, und dieses verdammte Gönnerhafte macht Nike sauer und irgendwann sagt sie: Wie wär's wenn Du mir auch mal eine Pistazie gibst.
Fritz: Nike, bist Du es?
Nike: Nein, ich bin es nicht. Los her mit den verdammten Pistazien!
Fritz steckt die Hand in den Busch.
Nike: Was soll das?
Fritz: Kommst Du nicht ran?
Nike stöhnt: Tiefer.
Fritz steckt den Arm tief in den Bambus hinein, bis zur Schulter, Nike reisst ihm unsanft die Pistazientüte aus der Hand.
Fritz: He!
Nike: Halt jetzt den Mund, kriegst deine scheiss Nüsse wieder, wenn Du artig zugehört hast.
Nike: Ich nenne die Geschichte: Vertauschte Rollen
Ein Chirurg wollte seinen Sohn der Polizei ausliefern, weil er ihn im Verdacht hat, seinen Freund mit einer Eisenstange mit so einem Montiereisen oder wie das heisst erstochen zu haben. Die Polizei hält das für einen Unfall. Aber der Vater weiss es besser. Seine Frau fleht ihn an, ihren Sohn nicht zu belasten, sie sollten sich lieber um ihn kümmern, an einen ruhigen Ort ziehen, ihn im Augen behalten. In den Bergen kümmert sich die Familie viel um den Jungen, und der Mann, der eigentlich Herzchirurg ist, muss die Beine der ganzen Ski-Unfallopfer flicken, aber er macht es gerne, wenn er seinem Jungen und seiner Frau helfen kann. Auch wenn er immer wieder davon träumt, wie er sich selbst einen Arm abnimmt, er weiss genau, was dieser Traum bedeutet, und jedes Mal wenn er ihn träumt, passt er schärfer auf seinen Sohn auf.
Der Junge verliebt sich in ein junges schönes Mädchen, was sehr naturverbunden ist, und als Sennerin auf die Alm gehen möchte. Es gibt ihm einen bösen Stich, als er entdeckt, dass ihr Herz für einen anderen Jungen schlägt, der einen kleinen Bären bei seiner toten Mutter gefunden hat, den der jetzt aufzieht und auch noch verhindert hat, dass dem Bären die Krallen gezogen werden, und die Eckzähne ausgerissen, so wie es sein Vater von ihm verlangte, um einen Tanzbären aus ihm zu machen, damit der Bär, den sie vergeblich versucht haben wieder auszuwildern, so selbst sein Brot mit einer kleinen Dressurnummer verdienen kann.
Was die junge Sennerin völlig vergessen hatte, eine Woche bevor der Junge, den sie so sehr bewunderte, weil er den kleinen Bären aufgenommen hat, der auf seiner toten Mutter lag, hat sie die Bärin in der Nähe ihrer Herde in einem Lärchenwäldchen gesehen. Die Bärin hatte schon da die Verletzung von dem abgebrochenen Ast, der ihr im Bauch steckte. Und vielleicht war der junge Bär auch schon bei ihr, denn war da nicht ein Schatten, der im Gebüsch verschwand? Die Sennerin hatte bei diesem Erlebnis das eigenartige Gefühl, während das verletzte Tier von ihr wegsprang, gab es etwas anderes, dass sich ihr genähert hat. Etwas grosses, was an ihr roch, was sie berührt hatte.
Von da an hat das junge Mädchen wilde Träume, wo sie selbst ein Bär ist, der der Herde, die man ihr anvertraut hat, gefährlich wird.
Und sie bewundert, den Jungen sehr, wie es ihm gelungen ist den Bären zu zähmen.
Der Sohn des Chirurgen lässt sich immer chirurgische Eingriffe erklären, um eine Idee für einen Anschlag auf den verhassten Konkurrenten zu haben. So will er von seinem Vater wissen, wie man Steine entfernt.
Der heimlich geliebte Junge hat selbst ein Interesse an der Sennerin, was er aber nicht zugeben will, weil er so oft etwas nicht bekommen hat, gerade wenn er es sich so sehr gewünscht hat.
Und er treibt sich auch heimlich in der Nähe ihres Hofes herum, in der Hoffnung mal ein Kälbchen zu retten, was in eine Spalte gefallen ist, um sich seiner heimlichen Geliebten zu beweisen. Aber er ist es, der selbst Hilfe braucht, denn er kann gerade noch der Steinlawine entkommen, von der er glaubt, die Gemsen hätten sie heruntergetreten.
Nach diesem unglücklichen Mordversuch, will der Konkurrent von seinem Vater wissen, wie man eine Bisswunde schneidet, so nennt er das. Der Vater überhört die Gewalt in der Stimme seines Sohnes, und erklärt ihm ganz ruhig, wie man eine Infektion des Bisses verhindert, wie man grosse Gefässe schliesst, und das Wundsekret ablaufen lässt.
Daraufhin durchwühlt der Konkurrent den alten Hof, den der Chirurg mit seiner Frau gekauft hat, um etwas zu finden, was Zähne hat, und beissen kann. Und tatsächlich findet er irgendwo ein altes menschliches Gebiss. Als er das Gebiss mit von Ekel gezeichneter Faszination betrachtet, fällt sein Blick auf eine Art zerbrochene Forke oder so, die im letzten Winkel des Dachbodens liegt. Diese Forke stellt sich als Bärenfalle heraus, die richtige Zähne hat. So probiert der Junge die Falle mit einer Melone aus dem Supermarkt aus. Und das Bissbild könnte auch von einem Tier handeln, wenn da nicht die verräterischen Rostspuren wären. Daraufhin schleifft er die Bärenfalle macht sie schärfer, und entfernt allen überflüssigen Rost. Nun muss er nur noch lernen, wie er die Falle werfen kann. Dazu stellt er auf dem Boden eine Puppe auf, die er mit der Bärenfalle so bewirft, dass sie der Puppe den ganzen Kopf zerbeisst. Er bekommt mörderischen Muskelkater, aber er denkt an all die anderen, die ihre Zeit mit lächerlichen Bottleflips verschwenden, und schöpft so Kraft und wird in der von ihm selbst erfundenen Disziplin des BärenFalle-auf-den-Schädel-werfens zu einem Meister.
Der Sennerin fällt es auf, dass sie verfolgt wird, und sie ist ganz aufgeregt, weil sie das Gefühl hat, dass sie sich innerlich in einen Bären verwandelt. Sie ist so aufgeregt, dass sie nicht mitbekommt, das der Weg hier oben ein wenig vereist ist, und als sie ausrutscht fällt sie auf einen Stein und verliert das Bewusstsein. Das ist die Gelegenheit für den Widersacher, der den Günstling schon aus dem Auge verloren hat, aber nun, da das Mädchen zu Boden gegangen ist, kommt er wieder hervor und beugt sich über die Sennerin, ein besserer Moment für einen Angriff mit der Wurffalle gibt es nicht. Aber die Wurffalle verkante sich, sie schnappt nicht richtig zu und betäubt auch ihn nur. Der Widersacher kommt sofort aus seinem Versteck gesprungen, und will zuende bringen, was sein Wurf nicht erreicht hat, aber als er sieht, wie das Mädchen erwacht, beseitigt er die Spuren und nimmt die Wurffalle mit.
Als er sieht, wie besorgt sich die Sennerin über den Jungen beugt, so als hätte sie ihn niedergeschlagen, versteht der Widersacher die Welt nicht mehr und verzieht sich zurück ins Tal.
Für die Sennerin ist jedoch klar, dass alles was sie liebt nicht sicher vor ihr ist, und sie geht schon vor der Zeit mit der Herde in die Berge, so dass das Vieh noch mit alten Heu durchgebracht werden muss.
Der Junge vermisst die Sennerin sehr, und will zu der Alm aufsteigen, aber sein Vater redet ihm zu, und erklärt ihm, dass er sie runterkommen lassen muss, sie muss auf ihn zugehen, und das wird sie auch tun. Das leuchtet dem Jungen ein, der nicht viel Vertrauen in seine eigenen Wünsche hat.
Der Chirurg ahnt, dass etwas fürchterliches geschehen ist, er findet die Waffe bei seinem Sohn, beobachtet ihn, wie er den tötlichen Wurf übt, und lässt danach einen Teil des geräumigen Hauses von kundigen Handwerkern in ein unsichtbares und weitläufiges Gefängnis verwandeln, um den Jungen nicht entkommen zu lassen.
Während die Sennerin auf der Alm die Herde hütet, hat sie viel Zeit, über die eigenartige Verwandlung nachzudenken, und sie liest viel über Bären, und dass sie sich hauptsächlich vegetarisch ernähren. Das gibt ihr Hoffnung, und sie glaubt, die in sich heranreifende Bärin kontrollieren zu können. Aber als zwei ausgehungerte Wölfe glauben, sie haben endlich eine neue Heimat gefunden, verscheucht sie sie allein durch ihre Schreie, die so fürchterlich sind, dass sie sich nicht wenig vor sich selbst erschreckt. Sie beruhigt sich erst wieder, wie sie sieht, wie ihre Tiere scheinbar Gefallen daran haben, einen Bären als ihren Verteidiger zu haben. So wie die Schafe, die mit grossen Hunden zusammen leben, die glauben, sie sind jetzt selbst Schafe geworden und die anderen Schafe beschützen.
Als es Herbst wird, muss sie eigentlich absteigen, aber sie erinnert sich daran, was sie ihrem Geliebten (der noch nichts von seinem Glück weiss) zugefügt hat (jedenfalls glaubt sie das). Und beschliesst die Herde holen zu lassen und noch oben auf der Alm zu bleiben.
Ihr Geliebter wartet ungeduldig auf das Ende des Sommers, aber als sie nicht mit der Herde ins Tal kommt, gibt es kein Halten mehr und er macht sich auf in die Berge.
Der Gefangene Widersacher konnte sich mit seiner Gefangenschaft arrangieren. Aber als er davon hört, dass der andere Junge zu seiner Freundin auf die Alm will, da halten ihn keine Schlösser mehr und er büchst aus. Erst hat er keine Ahnung, wo er den Jungen finden soll, aber dann kommt ihm der einsetzende Schneefall zur Hilfe und zeigt ihm die Spur, der er folgen muss.
Auch die Bärin in der Sennerin wird wach, obwohl sie doch müde werden sollte, das hofft jedenfalls die Sennerin, deshalb bleibt sie in der Höhe, weil sie glaubt, so könnte sie die Bärin in sich, in den Winterschlaf schicken, und so wenigstens im Winter versuchen mit dem netten Jungen, der den jungen Bären aufgenommen hat, zusammen zu sein.
Aber als sie aus dem Fenster blickt, da sieht sie so ein wildes Schneetreiben, dass sie den Eindringling der in ihr Reich kommt, so niemals aufspüren kann, wenn sie sich nicht in einen Bären verwandelt, denn nur der könnte den Eindringling aufspüren.
Während sie sich langsam in die Bärin verwandelt, und es geniesst von dem warmen Bärenfäll gewärmt zu werden überlegt sich der Widersacher, wie er den Jungen töten kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Er will es schon aufgeben, da sieht er einen wunderschönen spitzen Eiszapfen an dem Überhang. Wenn er den zum Dolch machen würde ...
Aber bei dem Versuch den Eiszapfen abzubrechen, stürzt der Widersacher fast ins Tal und muss sich, wenn er nicht abstürzen will, durch Hilfeschreie bemerkbar zu machen, um sich von dem Jungen retten lassen. Als die Bärin das sieht, ist ihr klar, dass der Widersacher nicht nach dem Eiszapfen greift, um sich festzuhalten, mit wenigen Sätzen ist sie dort um ihren (heimlichen) Geliebten zu retten, doch als der den Bären sieht, entreisst er dem Widersacher, der gerade auf ihn einstechen will geschickt den Eiszapfen stellt sich in die Sprungbahn der Bärin und ersticht sie mit dem Eiszapfen. Noch in dem Schreck über ihren eigenen Tod, kann die Bärin den Widersacher mit dem letzten Schlag ihre Tatzen töten, während sie sich in die Sennerin zurückverwandelt, die sie innerlich ist. Der Junge ist von solcher tiefen Trauer ergriffen, dass er sich lebendig mit seiner geliebten Sennerin einschneien lässt.
Wäre da nicht der kleine Bär, den er gerettet hat, hätte er nicht darauf bestanden, dem kleinen Bären die Krallen zu lassen, hätte sich der kleine Bär niemals befreien können. Aber so spürte der kleine Bär nicht nur den Stich der die Sennerin getötet hat, genauso stark, wie ihr Geliebter es empfand, er machte sich auch auf, mit seinen Krallen, die Riegel seines Käfigs zu öffnen. Nur gut dass der kleine Bär so eine gute Nase hatte, und so gelang es ihm, die Eingeschneiten nicht nur zu finden, sondern sie auch auszugraben, und weil er so stark war, und so viele Kunststücke beherrschte, schleppte er alle drei ins Tal zurück und legte sie vor dem Krankenhaus ab.
Als der Chirurg seinen Sohn sah, der im sterben lag, wandte er sein Gesicht ab, und rettete die Sennerin. Denn dafür war der Herzspezialist wie gemacht, und die Kälte war diesmal ein Freund des Menschen gewesen, indem sie verhinderte, dass die Sennerin einen Schaden nehmen konnte, durch ihr verletztes Herz. Und so waren beide gerettet, nur dem Arzt konnten sie nicht danken. Er ging mit der Leiche seines Sohnes und mit seiner Frau fort aus den Bergen.
Fritz: Du musst den Antagonisten netter machen.
Nike: Wer sagt das?
Fritz: Hitch.
Nike: Der Typ, der seine Konkurrenten auf Baueisen spiesst.
Fritz: Der Neuntöter.
Nike: Was?
Fritz: Ein Vogel, der macht das auch. Nimmt ein niedliches Vogelbaby eines Kollegen, spiesst es auf den Stacheldraht, kannst dir ja vorstellen, wie das aussieht?
Nike: Und das macht den Antagonisten sympathisch? Oder muss ich noch schreiben, wie er die Säuglinge grillt?
Fritz: Nein, aber im Ernst, er sollte wissen, dass er diese Eifersucht entwickelt, dieses brennende Gefühl, diese Schande übersehen worden zu sein. Vielleicht hat er mal einen unsympathischen Star getötet, der sich lustig über ihn gemacht hat. Bei so einer Show, wo er eklige Sachen essen soll, wo sie dann am Ende der Show schreiben müssen: Wir trauern um unseren lieben Kollegen soundso. Weil sie das vertuschen müssen, dass eins ihrer Opfer zurückgeschlagen hat. Das wollen alle heute sehen. Weil, wie sich die Leute gegenseitig fertig machen, das kennen sie schon, jetzt wollen sie sehen, wie die Leute, die das aushecken, dass die anderen sich gegenseitig fertig machen, wie die ihr Fett weg kriegen.
Nike kommt aus dem Busch geklettert und setzt sich auf das andere Ende von der Bank.
Fritz sieht sie an, überlegt was er sagen soll und Nike senkt den Kopf, schabt mit den Füssen auf der grossen alten Gehwegplatte und sagt leise: Ach hör doch endlich auf.
Nikes dritte Geschichte: Das Krebsmädchen
Fritz durchsucht das ganze Archiv des Notrufs und findet 12 weitere Geschichten. Er reicht sie alle beim Copyoffice der Library of Congress in Washington ein. Eine angenehme Arbeit. Er birgt einen Schatz nach dem anderen von Nikes Geschichten. Als er eintragen soll, wer der Claimant sein soll, also derjenige, dem diese Geschichte gehört, muss er an die Goldgräber denken. Einige von diesen Geschichten sind so wundervoll getwistet, so überraschend und machen doch so viel Sinn, man fragt sich immer, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen. Fritz überdenkt kurz, was er eintragen soll, dann schreibt er seinen Namen rein, schiesst ein Selfie von sich, wobei er darauf achtet, dass es möglichst frisch nach der Tat ist und schickt es an Nike. Denn er muss es ihr sagen, wie bescheuert es ist, seine Geschichten einfach so zu verbreiten.
Aber dann kann er Nike nirgendwo finden, denn sie ist wieder in der Klinik.
Diesmal zieht es ihn richtig runter, obwohl er wieder die netten Sachen kauft, die man jemand mitbringen würde, der sich ein Bein unkompliziert gebrochen hat.
Nike ist nicht mehr so still und versonnen wie gewöhnlich, sie ärgert sich darüber, dass er sie zu empfindlich findet. Sie kann ihn nur dazu bringen, dass er sich um sie kümmert, wenn sie krank ist. Und sie wirft ihm vor, dass er sie in den Wahnsinn treibt. Nur wenn ich wahnsinnig bin, kann ich mit dir zusammen sein. Ich bin robust wie eine Diestel. Du kannst mich rausreissen, aber ich bin viele. Und wenn Du am anderen Ende des Feldes angekommen bist, dann habe ich schon wieder neue Samen und die ganze Wiese wird von mir neu eingesät. Wenn Du mich kaputt machen willst, dann musst Du wirklich kranke Sachen machen, anders hast Du überhaupt keine Chance.
Noch ehe er ihr sagen kann hat sie ihn wieder fortgeschickt und die Geschichte auf die Rückseite der Krankenhausspeisekarte für die 26te Kalenderwoche geschrieben.
Die Geschichte von dem Mädchen, was einen Krebs hatte, und ihn überredet hat, sie wieder zu verlassen und der Krebs hat gesagt: Du weisst schon, dass es mir in deinem Blut ganz gut gefällt.
Du weisst schon, dass es nicht so einfach ist, für mich umzuziehen.
Du weisst schon, dass es einen anderen trifft, wenn ich dich verlassen muss.
Du weisst schon, dass es ein kleines Kunststück ist, dich wieder zu verlassen. Woher weiss ich, dass Du es Wert bist, dass ich die Mühen auf mich nehme, dieses Kunststück zu meistern. Findest Du nicht, Du müsstest auch ein Kunststück vollbringen.
Was für ein Kunststück?
Da antwortete der Krebs: Alles was Du liebst, das sollst du fortan hassen, und alles was du hasst, sollst Du fortan lieben.
So war sie verliebt, in die Dornen und die Nesseln, in den Gestank des Misthaufens, und in den Schmerz in ihren Zähnen, verliebt in das Fieber, was sie schüttelte, verliebt in den Hagel, der die so weit oben in den Bergen grün und blau schlug und auch verliebt in die Blitze, die sie bald braten würden, wenn sie nicht vor ihnen fortlief. Sie hasste das Frühstück und das Abendbrot und auch das Mittagessen. Sie hasste die Blumen und die sanften Lämmer. Sie liebte den Bock, der sie durchbläute, aber auch den Wolf, der die Lämmer holte.
Das ging alles sehr gut, der Krebs schlich sich nicht zurück in ihre Lunge, bis zu dem Tag, wo der Bock den Wolf verjagen wollte. Wo sich zwei Dinge, die sie eigentlich hasste, nun aber lieben sollte, gegenüberstanden.
Fritz ist zum Durchlesen der Geschichte extra zu dem Bambusdickicht gegangen, obwohl sich gerade der Himmel dunkel zuzog, als wollte er den Regen herausfordern, mit seiner trockenen und warmen Haut. Das scheint ihm auch gelungen zu sein, schwere kalte Tropfen stürzen herab und Fritz harrt doch im Schauer aus, wandelt auf und ab und liest sich das Manuskript laut durch, als würde er für eine Rolle lernen. Und als der Himmel schon wieder aufklart, und die letzte Seite gelesen, ist er enttäuscht, weil, so wie es aussieht, ist diese Geschichte nichts für seine Sammlung, oder doch?
Die neue Behandlung in den USA
Um herauszufinden, dass Fritz keine konkrete Idee hat, wie er nun den Geschichtenschatz heben soll, ihn in Geld verwandeln soll, braucht er eine Woche. Dann hat er einen Termin beim Oberarzt, muss sich in ein Wartezimmer begeben, hat nicht mehr die Privilegien der Notsituation und muss warten wie alle anderen. Nach einer Stunde Wartezimmer spürt er, dass er durch seinen Job in der Notrufzentrale nicht gemacht ist, um zu warten. Er beginnt nun sich selbst Geschichten auszudenken. Was ihm nicht besonders gelingt, wenn man die Geschichte mit dem Blinddarm, der sein Leben bedroht nicht mitzählt. Auch wenn er sich schon einen Spruch überlegt hat: Wenn sie nicht wegen Begünstigung verurteilt werden wollen, nehmen sie mir das scheiss Teil raus.
Mit einem dümmlichen Grinsen schreitet Fritz endlich über die Schwelle des Sprechzimmer, indem es wahrscheinlich noch nie um Blinddärme ging, da wird ihm siedend heiss klar, dass er darüber nachdenken wollte, ob er dem Oberarzt von Nikes grossartiger Begabung erzählen sollte. Doch der Oberarzt erlöst ihn gleich von der Befürchtung ausgefragt zu werden und erhebt selbst sofort die Stimme. Denn wie es aussieht kann man Schizophrenie heilen, es gibt eine neue aussichtsreiche Behandlung in den USA. Man darf aber nicht zuwarten, weil die Krankheit das Gehirn schädigt. Er müsse mit Kosten der Einzeldosis von 480.000 Dollar rechnen. Eigentlich nicht zu viel, um einen von der Schizophrenie zu befreien. Aber die Behandlung wirkt nur bei einem bestimmten Genprofil, das auch noch nicht ganz bekannt ist. Selbst wenn der Test ergibt, dass man geeignet ist, gibt es noch ein gewisses Risiko dafür, dass die Behandlung wirkungslos ist.
Und im Herausgehen fragt der Oberarzt doch noch: Und wie stehen sie nun eigentlich zu meiner Patientin?
Fritz blickt den Psychiater über die Schulter an und denkt sich: Was für eine eigenartige Frage, nachdem der Psychiater ihn vorher um eine halbe Millionen zur Behandlung seiner Patientin gegeben hat. Denn das bedeutete das Gespräch doch. Fritz überlegt sich, ob er ihm erzählt, wie man das Geld bekommen könnte. Er überlegt sich, ob er sagt: Halt, da ist doch eine Möglichkeit, wie wir das Geld bekommen könnten. Und auch der Psychiater scheint etwas zu ahnen, sonst würde er ihn nicht so forschend und so verschmitzt hinterhersehen. Aber Fritz kann nur eins tun, leise nuscheln "Wir sind Freunde" und die Tür des Psychiaters so sanft schliessen, als müsste er eine Bombe entschärfen. Dann denkt er sich, dass er jetzt ein ziemlich schäbiges hinterhältiges Gesicht haben müsste, das könnte er Nike direkt jetzt zeigen, indem er sie besucht, aber er entscheidet sich anders und sendet Nike ein Selfie, fiese Fresse inklusive.
Es dauert ewig, bis Fritz die Film- und SerienKonzepte pitchen kann. Besonders deshalb, weil sie ihn immer im Fahrstuhl pitchen lassen wollen. Er wird ewig hingehalten, bis er erfährt, dass einer von Nikes Filmen schon in der Arbeit ist, man überlegt sich, wie man ihn besetzen könnte. Dabei hat er ihn doch gesichtert. Aber wie er feststellt, ist der erste Download beim Copyoffice der Library of Congress überschrieben worden mit einem weiteren. Es ist ein ewiges hin und her. Es fehlen Ausdrucke, die USB Sticks sind noch da, Teile der Texte fehlen, als hätte er sie nie niedergeschrieben. Er muss sein ganze kriminalistisches Geschick anwenden, um sein Material zu restaurieren. Er muss auf die Bänder der Notrufzentrale zurückgreifen, um den Beweis zu führen. Und das alles kann er nur aus der Ferne regeln, und schuldet am Ende vielen einen Gefallen. Er weiss nicht, was er Nike schreiben soll und schickt ihr einfach nur ein weiteres Selfie. Dann wird es besser, scheinbar hatte die Rechtsabteilung der Produktionsfirma Bedenken das Ding ohne ihn durchzuziehen und er kann bei Assistenten vom Produzenten vorsprechen. Er wird auf Parties eingeladen. Alle haben vollstes Verständnis für seine Lage, aber niemand hört wirklich zu, worum es eigentlich geht. Fritz bräuchte einen Agenten. Langsam hat Fritz das Gefühl, dass er mit der Wurst nach dem Schinken wirft.
Und für das Leben in Hollywood, das kleine Häuschen und die Poolparties hat Fritz irgendwann so viel Geld ausgegeben, dass das Erbe seiner Grossmutter aufgebraucht ist, und das wäre eigentlich schon die halbe Behandlung für Nike gewesen. So beginnt er langsam hinein zu schlittern, in die Mechanik, nach der diese Welt funktioniert. Dann vereinfacht er vieles indem er Nikes Arbeiten als seine ausgibt, er hat sie schliesslich auch auf seinen Namen registrieren lassen. Und er lernt eine attraktive Anwältin kennen, die ihn mon petit Kraut nennt. Er will sie nicht korrigieren und petit Bosch sagen, weil Kraut auch besser ist als Bosch. Obwohl er eine Angewohnheit beibehält, nach jedem Verrat an Nike, schickt er ihr ein Selfie. Der Sex mit der Anwältin ist auf eine sehr vorhersehbare Weise feurig und erinnert ihn an das Bodenturnen in einem Netflix Original. Aber auch diesmal schickt er ein Selfie, als er im Badezimmer einen Moment für sich alleine ist. Jemand, dem eben erst eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde, kann nicht hoffnungsloser aussehen. Denn schliesslich fragt er sich, "was mache ich, wenn ich das Geld habe?" Ein Haus in den Hügeln kaufen und mit dem weiter zu machen, was er gerade begonnen hat, das scheint ihm nicht sehr verlockend zu sein. Die Emails, die er von ihr bekommt, liest er nicht und löscht sie gleich wieder, und ihre Anrufe drückt er weg. Und Selfies bekommt sie auch nicht mehr von ihm. Er hat jetzt Partner, die sich absichern wollen. Partner, die seine Freundin in einer guten Einrichtung unterbringen wollen, wo sie alles hat, wo man sich um sie kümmert, wo sie auf die Behandlung vorbereitet wird.
Wichtig wäre nur, dafür zu sorgen, dass sie kein Beweismaterial hat, keine Aufzeichnungen ihrer Geschichten. Das würde die Sache nur verwirren. Und tatsächlich gelingt es seinen neuen Freunden auch, die Aufzeichungen von Nikes Anrufen bei der Notrufzentrale zu löschen. Es muss sehr kostspielig gewesen zu sein, denn ihm wird bedeutet, dass es nun nur nach vorne ginge, es gäbe kein zurück mehr: Wir haben den Rubicon überschritten.
Und dann besteht er darauf, dass man trotzdem das versprochene Geld für die Behandlung vorhält. Aber, so erfährt er, das wäre nicht einfach. Man hätte ihn abgefunden, dann wäre noch seine Partnerin, dazu kommen die Auslagen in Europa. Und er möge nicht vergessen, dass die Möglichkeit bestünde, dass seine Freundin durch eine erfolgreiche Behandlung die Fähigkeit verliert, Geschichten zu erfinden. Ob er denn schon einmal darüber nachgedacht hätte? Als er sagt, er bräuchte das nicht, man könnte sie auch fragen, da erntet er nur einen schiefen Blick, der ihm wohl sagen sollte. Wen wollen sie denn da fragen, eine schwer psychisch Kranke? Sind sie sich sicher, dass sie weiss, was am besten für sie ist?
So verrückt wie das alles ist, als er sein Auto betankt, als er endlich einmal alleine ist, sonst ist immer jemand bei ihm, als wäre er selbst krank, als wären seinen vorsichtig geäusserten Bedenken erste Anzeichen eine hoffnungslosen Erkrankung, da kommt ihm eine irre Idee: Nike muss ihn retten.
Er fragt sich tatsächlich, habe ich nicht schon genug andere gerettet, könnte sich nicht mal jemand anders darum kümmern. So als wäre er das Opfer der ganzen Sache, als hätte er es nicht gewollt, sondern die Entscheidung läge ganz bei den Sachzwängen der Industrie. Die Sache ist so verfahren, er weiss sich keinen Rat und eines Tages, ist er nirgendwo mehr in den Hügeln mit ihren Stechpalmen zu finden.
Nike wird behaupten, dass sie einen Schutzengel hatte, jemand der auf sie aufgepasst habe. Jemand der verhindert habe, dass sie die vergifteten Augentropfen nimmt, jemand, der einen Schatten beseitig hätte, der ihr schon Angst gemacht habe, ein Schutzengel. Jemand, der sie mit einem teuren Anwalt zusammengebracht hat. Sie behauptet steif und fest, dass sie genau wüsste, wer der Schutzengel gewesen ist. So fest, dass, als ihr das Unmögliche gelungen ist, was nur in den Filmen der Branche geschieht, aber niemals im wirklichen Geschäft, dass ihr der Preis für das beste Originaldrehbuch verliehen werden soll, da sagt sie, es täte ihr sehr leid, aber sie könnte den Preis nur annehmen, wenn Fritz Itzenblitz verziehen würde. Als dann zögerlicher Applaus aufkommt, keiner hatte so richtig verstanden, was sie da meinte, da kommen ihr die Tränen. Und als die Tränen kommen, da ist alles wieder so, wie es doch sein sollte. Als müsste man den Preis noch mit Tränen tränken, damit es wahr wird. Und alles was wahr ist, soll auch wahr werden, wäre das nicht schön?
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konstivonderalm · 5 years ago
Text
Kantinka sieht nach dieser Bemerkung Fritz an, als würde sie auf etwas warten und sagt dann aber, als nichts zurück kommt, kaum enttäuscht: Nur Spass.
Fritz wundert sich nicht mehr, warum es hier so leer ist. Unaufgefordert fängt der Mönch zu plaudern an. Hier wäre ja alles abgebrannt gewesen, eine Tragödie, auch menschlich. Aus diesem Grunde wäre karmatechnisch überhaupt kein anderes Gebäude an diesem Ort denkbar gewesen als dieses. Er sei gekommen, um den verbrannten Seelen Ruhe zu schenken.
Fritz denkt sich: Gratuliere, das mit der Ruhe hat ja schon mal geklappt.
Dann zeigt Fritz ihm noch das Foto von Nike auf seinem Handy und der Wirt antwortet: Eine Hinterbliebene sagen sie? (Das sagte Fritz bestimmt nicht!) Tut mir leid, kenne ich nicht. Ich bin ja auch nicht von hier, sonst wäre ich ja nicht mehr da. (Fritz denkt sich: Nicht schon wieder ein Witz!) Und die Seelen, müssen sie wissen, haben nicht so schöne Gesichter.
Nikes zweite Geschichte: Die Sennerin
Fritz versucht seinen Ausflug in die Berge zu vergessen. Obwohl er auf der Rückfahrt die Geschichte von Nike aufgeschrieben hat, wobei er bei einzelnen Details lange darüber nachgrübelt, ob sie das wirklich gesagt hat, oder ob er sich das nur dazu gedacht hat. Eine Beschäftigung, die ihn fordert und ihm Spass macht, denn auch ein Täter, der die Wahrheit kennt, muss das können.
Nike ärgert sich darüber, dass Fritz sie für zu nett hält und ungefährlich. Aber was jetzt dazu kommt, das macht sie richtig wütend. Fritz versucht seine Neugierde hinter gespieltem Desinteresse zu verbergen und gibt Nike zu verstehen, dass sie ihm ein wenig lästig wäre.
Nike findet: Jetzt müssen langsam andere Geschichten aufgezogen werden.
Und deshalb entschliesst sie sich, an einem sonnigen Tag in dem Bambusdickicht im Tiergarten auf ihn zu warten. Natürlich tut er wieder so, als ob nichts wäre. Trotzdem hat Fritz an alles gedacht, sogar den Recorder hat er schon eingeschaltet. Er hat sich extra so ein kleines Gerät gekauft, was die Aufnahmen nicht gleich nach California petzt. Man kann ja nie wissen.
Fritz kann warten, wie ein Charakterschauspieler. Sein Requisit ist nur eine Tüte Pistazien. Er lehnt sich auf der Parkbank zurück, taucht mit dem Kopf ein Stück weit in den Bambus ein, und wirft sich einen ausgepulte Pistazie in den Mund. Dann passiert erst einmal 5 Minuten nichts. Fritz schliesst die Augen. Er sitzt da, hört den Vögeln zu, den seltenen Stimmen auf dem Plattenweg, der hier durch das sumpfige Gelände des Parks führt.
Nike hat sich nicht so geschickt angestellt, raschelt ständig im Bambus, kommt damit nicht klar von den Schösslingen gepiekst zu werden. Aber Fritz spielt mit, tut so, als ob er nicht schon lange wüsste, dass sie hier eine grosse Show geplant hat, und dieses verdammte Gönnerhafte macht Nike sauer und irgendwann sagt sie: Wie wär's wenn Du mir auch mal eine Pistazie gibst.
Fritz: Nike, bist Du es?
Nike: Nein, ich bin es nicht. Los her mit den verdammten Pistazien!
Fritz steckt die Hand in den Busch.
Nike: Was soll das?
Fritz: Kommst Du nicht ran?
Nike stöhnt: Tiefer.
Fritz steckt den Arm tief in den Bambus hinein, bis zur Schulter, Nike reisst ihm unsanft die Pistazientüte aus der Hand.
Fritz: He!
Nike: Halt jetzt den Mund, kriegst deine scheiss Nüsse wieder, wenn Du artig zugehört hast.
Nike: Ich nenne die Geschichte: Vertauschte Rollen
Ein Chirurg wollte seinen Sohn der Polizei ausliefern, weil er ihn im Verdacht hat, seinen Freund mit einer Eisenstange mit so einem Montiereisen oder wie das heisst erstochen zu haben. Die Polizei hält das für einen Unfall. Aber der Vater weiss es besser. Seine Frau fleht ihn an, ihren Sohn nicht zu belasten, sie sollten sich lieber um ihn kümmern, an einen ruhigen Ort ziehen, ihn im Augen behalten. In den Bergen kümmert sich die Familie viel um den Jungen, und der Mann, der eigentlich Herzchirurg ist, muss die Beine der ganzen Ski-Unfallopfer flicken, aber er macht es gerne, wenn er seinem Jungen und seiner Frau helfen kann. Auch wenn er immer wieder davon träumt, wie er sich selbst einen Arm abnimmt, er weiss genau, was dieser Traum bedeutet, und jedes Mal wenn er ihn träumt, passt er schärfer auf seinen Sohn auf.
Der Junge verliebt sich in ein junges schönes Mädchen, was sehr naturverbunden ist, und als Sennerin auf die Alm gehen möchte. Es gibt ihm einen bösen Stich, als er entdeckt, dass ihr Herz für einen anderen Jungen schlägt, der einen kleinen Bären bei seiner toten Mutter gefunden hat, den der jetzt aufzieht und auch noch verhindert hat, dass dem Bären die Krallen gezogen werden, und die Eckzähne ausgerissen, so wie es sein Vater von ihm verlangte, um einen Tanzbären aus ihm zu machen, damit der Bär, den sie vergeblich versucht haben wieder auszuwildern, so selbst sein Brot mit einer kleinen Dressurnummer verdienen kann.
Was die junge Sennerin völlig vergessen hatte, eine Woche bevor der Junge, den sie so sehr bewunderte, weil er den kleinen Bären aufgenommen hat, der auf seiner toten Mutter lag, hat sie die Bärin in der Nähe ihrer Herde in einem Lärchenwäldchen gesehen. Die Bärin hatte schon da die Verletzung von dem abgebrochenen Ast, der ihr im Bauch steckte. Und vielleicht war der junge Bär auch schon bei ihr, denn war da nicht ein Schatten, der im Gebüsch verschwand? Die Sennerin hatte bei diesem Erlebnis das eigenartige Gefühl, während das verletzte Tier von ihr wegsprang, gab es etwas anderes, dass sich ihr genähert hat. Etwas grosses, was an ihr roch, was sie berührt hatte.
Von da an hat das junge Mädchen wilde Träume, wo sie selbst ein Bär ist, der der Herde, die man ihr anvertraut hat, gefährlich wird.
Und sie bewundert, den Jungen sehr, wie es ihm gelungen ist den Bären zu zähmen.
Der Sohn des Chirurgen lässt sich immer chirurgische Eingriffe erklären, um eine Idee für einen Anschlag auf den verhassten Konkurrenten zu haben. So will er von seinem Vater wissen, wie man Steine entfernt.
Der heimlich geliebte Junge hat selbst ein Interesse an der Sennerin, was er aber nicht zugeben will, weil er so oft etwas nicht bekommen hat, gerade wenn er es sich so sehr gewünscht hat.
Und er treibt sich auch heimlich in der Nähe ihres Hofes herum, in der Hoffnung mal ein Kälbchen zu retten, was in eine Spalte gefallen ist, um sich seiner heimlichen Geliebten zu beweisen. Aber er ist es, der selbst Hilfe braucht, denn er kann gerade noch der Steinlawine entkommen, von der er glaubt, die Gemsen hätten sie heruntergetreten.
Nach diesem unglücklichen Mordversuch, will der Konkurrent von seinem Vater wissen, wie man eine Bisswunde schneidet, so nennt er das. Der Vater überhört die Gewalt in der Stimme seines Sohnes, und erklärt ihm ganz ruhig, wie man eine Infektion des Bisses verhindert, wie man grosse Gefässe schliesst, und das Wundsekret ablaufen lässt.
Daraufhin durchwühlt der Konkurrent den alten Hof, den der Chirurg mit seiner Frau gekauft hat, um etwas zu finden, was Zähne hat, und beissen kann. Und tatsächlich findet er irgendwo ein altes menschliches Gebiss. Als er das Gebiss mit von Ekel gezeichneter Faszination betrachtet, fällt sein Blick auf eine Art zerbrochene Forke oder so, die im letzten Winkel des Dachbodens liegt. Diese Forke stellt sich als Bärenfalle heraus, die richtige Zähne hat. So probiert der Junge die Falle mit einer Melone aus dem Supermarkt aus. Und das Bissbild könnte auch von einem Tier handeln, wenn da nicht die verräterischen Rostspuren wären. Daraufhin schleifft er die Bärenfalle macht sie schärfer, und entfernt allen überflüssigen Rost. Nun muss er nur noch lernen, wie er die Falle werfen kann. Dazu stellt er auf dem Boden eine Puppe auf, die er mit der Bärenfalle so bewirft, dass sie der Puppe den ganzen Kopf zerbeisst. Er bekommt mörderischen Muskelkater, aber er denkt an all die anderen, die ihre Zeit mit lächerlichen Bottleflips verschwenden, und schöpft so Kraft und wird in der von ihm selbst erfundenen Disziplin des BärenFalle-auf-den-Schädel-werfens zu einem Meister.
Der Sennerin fällt es auf, dass sie verfolgt wird, und sie ist ganz aufgeregt, weil sie das Gefühl hat, dass sie sich innerlich in einen Bären verwandelt. Sie ist so aufgeregt, dass sie nicht mitbekommt, das der Weg hier oben ein wenig vereist ist, und als sie ausrutscht fällt sie auf einen Stein und verliert das Bewusstsein. Das ist die Gelegenheit für den Widersacher, der den Günstling schon aus dem Auge verloren hat, aber nun, da das Mädchen zu Boden gegangen ist, kommt er wieder hervor und beugt sich über die Sennerin, ein besserer Moment für einen Angriff mit der Wurffalle gibt es nicht. Aber die Wurffalle verkante sich, sie schnappt nicht richtig zu und betäubt auch ihn nur. Der Widersacher kommt sofort aus seinem Versteck gesprungen, und will zuende bringen, was sein Wurf nicht erreicht hat, aber als er sieht, wie das Mädchen erwacht, beseitigt er die Spuren und nimmt die Wurffalle mit.
Als er sieht, wie besorgt sich die Sennerin über den Jungen beugt, so als hätte sie ihn niedergeschlagen, versteht der Widersacher die Welt nicht mehr und verzieht sich zurück ins Tal.
Für die Sennerin ist jedoch klar, dass alles was sie liebt nicht sicher vor ihr ist, und sie geht schon vor der Zeit mit der Herde in die Berge, so dass das Vieh noch mit alten Heu durchgebracht werden muss.
Der Junge vermisst die Sennerin sehr, und will zu der Alm aufsteigen, aber sein Vater redet ihm zu, und erklärt ihm, dass er sie runterkommen lassen muss, sie muss auf ihn zugehen, und das wird sie auch tun. Das leuchtet dem Jungen ein, der nicht viel Vertrauen in seine eigenen Wünsche hat.
Der Chirurg ahnt, dass etwas fürchterliches geschehen ist, er findet die Waffe bei seinem Sohn, beobachtet ihn, wie er den tötlichen Wurf übt, und lässt danach einen Teil des geräumigen Hauses von kundigen Handwerkern in ein unsichtbares und weitläufiges Gefängnis verwandeln, um den Jungen nicht entkommen zu lassen.
Während die Sennerin auf der Alm die Herde hütet, hat sie viel Zeit, über die eigenartige Verwandlung nachzudenken, und sie liest viel über Bären, und dass sie sich hauptsächlich vegetarisch ernähren. Das gibt ihr Hoffnung, und sie glaubt, die in sich heranreifende Bärin kontrollieren zu können. Aber als zwei ausgehungerte Wölfe glauben, sie haben endlich eine neue Heimat gefunden, verscheucht sie sie allein durch ihre Schreie, die so fürchterlich sind, dass sie sich nicht wenig vor sich selbst erschreckt. Sie beruhigt sich erst wieder, wie sie sieht, wie ihre Tiere scheinbar Gefallen daran haben, einen Bären als ihren Verteidiger zu haben. So wie die Schafe, die mit grossen Hunden zusammen leben, die glauben, sie sind jetzt selbst Schafe geworden und die anderen Schafe beschützen.
Als es Herbst wird, muss sie eigentlich absteigen, aber sie erinnert sich daran, was sie ihrem Geliebten (der noch nichts von seinem Glück weiss) zugefügt hat (jedenfalls glaubt sie das). Und beschliesst die Herde holen zu lassen und noch oben auf der Alm zu bleiben.
Ihr Geliebter wartet ungeduldig auf das Ende des Sommers, aber als sie nicht mit der Herde ins Tal kommt, gibt es kein Halten mehr und er macht sich auf in die Berge.
Der Gefangene Widersacher konnte sich mit seiner Gefangenschaft arrangieren. Aber als er davon hört, dass der andere Junge zu seiner Freundin auf die Alm will, da halten ihn keine Schlösser mehr und er büchst aus. Erst hat er keine Ahnung, wo er den Jungen finden soll, aber dann kommt ihm der einsetzende Schneefall zur Hilfe und zeigt ihm die Spur, der er folgen muss.
Auch die Bärin in der Sennerin wird wach, obwohl sie doch müde werden sollte, das hofft jedenfalls die Sennerin, deshalb bleibt sie in der Höhe, weil sie glaubt, so könnte sie die Bärin in sich, in den Winterschlaf schicken, und so wenigstens im Winter versuchen mit dem netten Jungen, der den jungen Bären aufgenommen hat, zusammen zu sein.
Aber als sie aus dem Fenster blickt, da sieht sie so ein wildes Schneetreiben, dass sie den Eindringling der in ihr Reich kommt, so niemals aufspüren kann, wenn sie sich nicht in einen Bären verwandelt, denn nur der könnte den Eindringling aufspüren.
Während sie sich langsam in die Bärin verwandelt, und es geniesst von dem warmen Bärenfäll gewärmt zu werden überlegt sich der Widersacher, wie er den Jungen töten kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Er will es schon aufgeben, da sieht er einen wunderschönen spitzen Eiszapfen an dem Überhang. Wenn er den zum Dolch machen würde ...
Aber bei dem Versuch den Eiszapfen abzubrechen, stürzt der Widersacher fast ins Tal und muss sich, wenn er nicht abstürzen will, durch Hilfeschreie bemerkbar zu machen, um sich von dem Jungen retten lassen. Als die Bärin das sieht, ist ihr klar, dass der Widersacher nicht nach dem Eiszapfen greift, um sich festzuhalten, mit wenigen Sätzen ist sie dort um ihren (heimlichen) Geliebten zu retten, doch als der den Bären sieht, entreisst er dem Widersacher, der gerade auf ihn einstechen will geschickt den Eiszapfen stellt sich in die Sprungbahn der Bärin und ersticht sie mit dem Eiszapfen. Noch in dem Schreck über ihren eigenen Tod, kann die Bärin den Widersacher mit dem letzten Schlag ihre Tatzen töten, während sie sich in die Sennerin zurückverwandelt, die sie innerlich ist. Der Junge ist von solcher tiefen Trauer ergriffen, dass er sich lebendig mit seiner geliebten Sennerin einschneien lässt.
Wäre da nicht der kleine Bär, den er gerettet hat, hätte er nicht darauf bestanden, dem kleinen Bären die Krallen zu lassen, hätte sich der kleine Bär niemals befreien können. Aber so spürte der kleine Bär nicht nur den Stich der die Sennerin getötet hat, genauso stark, wie ihr Geliebter es empfand, er machte sich auch auf, mit seinen Krallen, die Riegel seines Käfigs zu öffnen. Nur gut dass der kleine Bär so eine gute Nase hatte, und so gelang es ihm, die Eingeschneiten nicht nur zu finden, sondern sie auch auszugraben, und weil er so stark war, und so viele Kunststücke beherrschte, schleppte er alle drei ins Tal zurück und legte sie vor dem Krankenhaus ab.
Als der Chirurg seinen Sohn sah, der im sterben lag, wandte er sein Gesicht ab, und rettete die Sennerin. Denn dafür war der Herzspezialist wie gemacht, und die Kälte war diesmal ein Freund des Menschen gewesen, indem sie verhinderte, dass die Sennerin einen Schaden nehmen konnte, durch ihr verletztes Herz. Und so waren beide gerettet, nur dem Arzt konnten sie nicht danken. Er ging mit der Leiche seines Sohnes und mit seiner Frau fort aus den Bergen.
Fritz: Du musst den Antagonisten netter machen.
Nike: Wer sagt das?
Fritz: Hitch.
Nike: Der Typ, der seine Konkurrenten auf Baueisen spiesst.
Fritz: Der Neuntöter.
Nike: Was?
Fritz: Ein Vogel, der macht das auch. Nimmt ein niedliches Vogelbaby eines Kollegen, spiesst es auf den Stacheldraht, kannst dir ja vorstellen, wie das aussieht?
Nike: Und das macht den Antagonisten sympathisch? Oder muss ich noch schreiben, wie er die Säuglinge grillt?
Fritz: Nein, aber im Ernst, er sollte wissen, dass er diese Eifersucht entwickelt, dieses brennende Gefühl, diese Schande übersehen worden zu sein. Vielleicht hat er mal einen unsympathischen Star getötet, der sich lustig über ihn gemacht hat. Bei so einer Show, wo er eklige Sachen essen soll, wo sie dann am Ende der Show schreiben müssen: Wir trauern um unseren lieben Kollegen soundso. Weil sie das vertuschen müssen, dass eins ihrer Opfer zurückgeschlagen hat. Das wollen alle heute sehen. Weil, wie sich die Leute gegenseitig fertig machen, das kennen sie schon, jetzt wollen sie sehen, wie die Leute, die das aushecken, dass die anderen sich gegenseitig fertig machen, wie die ihr Fett weg kriegen.
Nike kommt aus dem Busch geklettert und setzt sich auf das andere Ende von der Bank.
Fritz sieht sie an, überlegt was er sagen soll und Nike senkt den Kopf, schabt mit den Füssen auf der grossen alten Gehwegplatte und sagt leise: Ach hör doch endlich auf.
Nikes dritte Geschichte: Das Krebsmädchen
Fritz durchsucht das ganze Archiv des Notrufs und findet 12 weitere Geschichten. Er reicht sie alle beim Copyoffice der Library of Congress in Washington ein. Eine angenehme Arbeit. Er birgt einen Schatz nach dem anderen von Nikes Geschichten. Als er eintragen soll, wer der Claimant sein soll, also derjenige, dem diese Geschichte gehört, muss er an die Goldgräber denken. Einige von diesen Geschichten sind so wundervoll getwistet, so überraschend und machen doch so viel Sinn, man fragt sich immer, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen. Fritz überdenkt kurz, was er eintragen soll, dann schreibt er seinen Namen rein, schiesst ein Selfie von sich, wobei er darauf achtet, dass es möglichst frisch nach der Tat ist und schickt es an Nike. Denn er muss es ihr sagen, wie bescheuert es ist, seine Geschichten einfach so zu verbreiten.
Aber dann kann er Nike nirgendwo finden, denn sie ist wieder in der Klinik.
Diesmal zieht es ihn richtig runter, obwohl er wieder die netten Sachen kauft, die man jemand mitbringen würde, der sich ein Bein unkompliziert gebrochen hat.
Nike ist nicht mehr so still und versonnen wie gewöhnlich, sie ärgert sich darüber, dass er sie zu empfindlich findet. Sie kann ihn nur dazu bringen, dass er sich um sie kümmert, wenn sie krank ist. Und sie wirft ihm vor, dass er sie in den Wahnsinn treibt. Nur wenn ich wahnsinnig bin, kann ich mit dir zusammen sein. Ich bin robust wie eine Diestel. Du kannst mich rausreissen, aber ich bin viele. Und wenn Du am anderen Ende des Feldes angekommen bist, dann habe ich schon wieder neue Samen und die ganze Wiese wird von mir neu eingesät. Wenn Du mich kaputt machen willst, dann musst Du wirklich kranke Sachen machen, anders hast Du überhaupt keine Chance.
Noch ehe er ihr sagen kann hat sie ihn wieder fortgeschickt und die Geschichte auf die Rückseite der Krankenhausspeisekarte für die 26te Kalenderwoche geschrieben.
Die Geschichte von dem Mädchen, was einen Krebs hatte, und ihn überredet hat, sie wieder zu verlassen und der Krebs hat gesagt: Du weisst schon, dass es mir in deinem Blut ganz gut gefällt.
Du weisst schon, dass es nicht so einfach ist, für mich umzuziehen.
Du weisst schon, dass es einen anderen trifft, wenn ich dich verlassen muss.
Du weisst schon, dass es ein kleines Kunststück ist, dich wieder zu verlassen. Woher weiss ich, dass Du es Wert bist, dass ich die Mühen auf mich nehme, dieses Kunststück zu meistern. Findest Du nicht, Du müsstest auch ein Kunststück vollbringen.
Was für ein Kunststück?
Da antwortete der Krebs: Alles was Du liebst, das sollst du fortan hassen, und alles was du hasst, sollst Du fortan lieben.
So war sie verliebt, in die Dornen und die Nesseln, in den Gestank des Misthaufens, und in den Schmerz in ihren Zähnen, verliebt in das Fieber, was sie schüttelte, verliebt in den Hagel, der die so weit oben in den Bergen grün und blau schlug und auch verliebt in die Blitze, die sie bald braten würden, wenn sie nicht vor ihnen fortlief. Sie hasste das Frühstück und das Abendbrot und auch das Mittagessen. Sie hasste die Blumen und die sanften Lämmer. Sie liebte den Bock, der sie durchbläute, aber auch den Wolf, der die Lämmer holte.
Das ging alles sehr gut, der Krebs schlich sich nicht zurück in ihre Lunge, bis zu dem Tag, wo der Bock den Wolf verjagen wollte. Wo sich zwei Dinge, die sie eigentlich hasste, nun aber lieben sollte, gegenüberstanden.
Fritz ist zum Durchlesen der Geschichte extra zu dem Bambusdickicht gegangen, obwohl sich gerade der Himmel dunkel zuzog, als wollte er den Regen herausfordern, mit seiner trockenen und warmen Haut. Das scheint ihm auch gelungen zu sein, schwere kalte Tropfen stürzen herab und Fritz harrt doch im Schauer aus, wandelt auf und ab und liest sich das Manuskript laut durch, als würde er für eine Rolle lernen. Und als der Himmel schon wieder aufklart, und die letzte Seite gelesen, ist er enttäuscht, weil, so wie es aussieht, ist diese Geschichte nichts für seine Sammlung, oder doch?
Die neue Behandlung in den USA
Um herauszufinden, dass Fritz keine konkrete Idee hat, wie er nun den Geschichtenschatz heben soll, ihn in Geld verwandeln soll, braucht er eine Woche. Dann hat er einen Termin beim Oberarzt, muss sich in ein Wartezimmer begeben, hat nicht mehr die Privilegien der Notsituation und muss warten wie alle anderen. Nach einer Stunde Wartezimmer spürt er, dass er durch seinen Job in der Notrufzentrale nicht gemacht ist, um zu warten. Er beginnt nun sich selbst Geschichten auszudenken. Was ihm nicht besonders gelingt, wenn man die Geschichte mit dem Blinddarm, der sein Leben bedroht nicht mitzählt. Auch wenn er sich schon einen Spruch überlegt hat: Wenn sie nicht wegen Begünstigung verurteilt werden wollen, nehmen sie mir das scheiss Teil raus.
Mit einem dümmlichen Grinsen schreitet Fritz endlich über die Schwelle des Sprechzimmer, indem es wahrscheinlich noch nie um Blinddärme ging, da wird ihm siedend heiss klar, dass er darüber nachdenken wollte, ob er dem Oberarzt von Nikes grossartiger Begabung erzählen sollte. Doch der Oberarzt erlöst ihn gleich von der Befürchtung ausgefragt zu werden und erhebt selbst sofort die Stimme. Denn wie es aussieht kann man Schizophrenie heilen, es gibt eine neue aussichtsreiche Behandlung in den USA. Man darf aber nicht zuwarten, weil die Krankheit das Gehirn schädigt. Er müsse mit Kosten der Einzeldosis von 480.000 Dollar rechnen. Eigentlich nicht zu viel, um einen von der Schizophrenie zu befreien. Aber die Behandlung wirkt nur bei einem bestimmten Genprofil, das auch noch nicht ganz bekannt ist. Selbst wenn der Test ergibt, dass man geeignet ist, gibt es noch ein gewisses Risiko dafür, dass die Behandlung wirkungslos ist.
Und im Herausgehen fragt der Oberarzt doch noch: Und wie stehen sie nun eigentlich zu meiner Patientin?
Fritz blickt den Psychiater über die Schulter an und denkt sich: Was für eine eigenartige Frage, nachdem der Psychiater ihn vorher um eine halbe Millionen zur Behandlung seiner Patientin gegeben hat. Denn das bedeutete das Gespräch doch. Fritz überlegt sich, ob er ihm erzählt, wie man das Geld bekommen könnte. Er überlegt sich, ob er sagt: Halt, da ist doch eine Möglichkeit, wie wir das Geld bekommen könnten. Und auch der Psychiater scheint etwas zu ahnen, sonst würde er ihn nicht so forschend und so verschmitzt hinterhersehen. Aber Fritz kann nur eins tun, leise nuscheln "Wir sind Freunde" und die Tür des Psychiaters so sanft schliessen, als müsste er eine Bombe entschärfen. Dann denkt er sich, dass er jetzt ein ziemlich schäbiges hinterhältiges Gesicht haben müsste, das könnte er Nike direkt jetzt zeigen, indem er sie besucht, aber er entscheidet sich anders und sendet Nike ein Selfie, fiese Fresse inklusive.
Es dauert ewig, bis Fritz die Film- und SerienKonzepte pitchen kann. Besonders deshalb, weil sie ihn immer im Fahrstuhl pitchen lassen wollen. Er wird ewig hingehalten, bis er erfährt, dass einer von Nikes Filmen schon in der Arbeit ist, man überlegt sich, wie man ihn besetzen könnte. Dabei hat er ihn doch gesichtert. Aber wie er feststellt, ist der erste Download beim Copyoffice der Library of Congress überschrieben worden mit einem weiteren. Es ist ein ewiges hin und her. Es fehlen Ausdrucke, die USB Sticks sind noch da, Teile der Texte fehlen, als hätte er sie nie niedergeschrieben. Er muss sein ganze kriminalistisches Geschick anwenden, um sein Material zu restaurieren. Er muss auf die Bänder der Notrufzentrale zurückgreifen, um den Beweis zu führen. Und das alles kann er nur aus der Ferne regeln, und schuldet am Ende vielen einen Gefallen. Er weiss nicht, was er Nike schreiben soll und schickt ihr einfach nur ein weiteres Selfie. Dann wird es besser, scheinbar hatte die Rechtsabteilung der Produktionsfirma Bedenken das Ding ohne ihn durchzuziehen und er kann bei Assistenten vom Produzenten vorsprechen. Er wird auf Parties eingeladen. Alle haben vollstes Verständnis für seine Lage, aber niemand hört wirklich zu, worum es eigentlich geht. Fritz bräuchte einen Agenten. Langsam hat Fritz das Gefühl, dass er mit der Wurst nach dem Schinken wirft.
Und für das Leben in Hollywood, das kleine Häuschen und die Poolparties hat Fritz irgendwann so viel Geld ausgegeben, dass das Erbe seiner Grossmutter aufgebraucht ist, und das wäre eigentlich schon die halbe Behandlung für Nike gewesen. So beginnt er langsam hinein zu schlittern, in die Mechanik, nach der diese Welt funktioniert. Dann vereinfacht er vieles indem er Nikes Arbeiten als seine ausgibt, er hat sie schliesslich auch auf seinen Namen registrieren lassen. Und er lernt eine attraktive Anwältin kennen, die ihn mon petit Kraut nennt. Er will sie nicht korrigieren und petit Bosch sagen, weil Kraut auch besser ist als Bosch. Obwohl er eine Angewohnheit beibehält, nach jedem Verrat an Nike, schickt er ihr ein Selfie. Der Sex mit der Anwältin ist auf eine sehr vorhersehbare Weise feurig und erinnert ihn an das Bodenturnen in einem Netflix Original. Aber auch diesmal schickt er ein Selfie, als er im Badezimmer einen Moment für sich alleine ist. Jemand, dem eben erst eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde, kann nicht hoffnungsloser aussehen. Denn schliesslich fragt er sich, "was mache ich, wenn ich das Geld habe?" Ein Haus in den Hügeln kaufen und mit dem weiter zu machen, was er gerade begonnen hat, das scheint ihm nicht sehr verlockend zu sein. Die Emails, die er von ihr bekommt, liest er nicht und löscht sie gleich wieder, und ihre Anrufe drückt er weg. Und Selfies bekommt sie auch nicht mehr von ihm. Er hat jetzt Partner, die sich absichern wollen. Partner, die seine Freundin in einer guten Einrichtung unterbringen wollen, wo sie alles hat, wo man sich um sie kümmert, wo sie auf die Behandlung vorbereitet wird.
Wichtig wäre nur, dafür zu sorgen, dass sie kein Beweismaterial hat, keine Aufzeichnungen ihrer Geschichten. Das würde die Sache nur verwirren. Und tatsächlich gelingt es seinen neuen Freunden auch, die Aufzeichungen von Nikes Anrufen bei der Notrufzentrale zu löschen. Es muss sehr kostspielig gewesen zu sein, denn ihm wird bedeutet, dass es nun nur nach vorne ginge, es gäbe kein zurück mehr: Wir haben den Rubicon überschritten.
Und dann besteht er darauf, dass man trotzdem das versprochene Geld für die Behandlung vorhält. Aber, so erfährt er, das wäre nicht einfach. Man hätte ihn abgefunden, dann wäre noch seine Partnerin, dazu kommen die Auslagen in Europa. Und er möge nicht vergessen, dass die Möglichkeit bestünde, dass seine Freundin durch eine erfolgreiche Behandlung die Fähigkeit verliert, Geschichten zu erfinden. Ob er denn schon einmal darüber nachgedacht hätte? Als er sagt, er bräuchte das nicht, man könnte sie auch fragen, da erntet er nur einen schiefen Blick, der ihm wohl sagen sollte. Wen wollen sie denn da fragen, eine schwer psychisch Kranke? Sind sie sich sicher, dass sie weiss, was am besten für sie ist?
So verrückt wie das alles ist, als er sein Auto betankt, als er endlich einmal alleine ist, sonst ist immer jemand bei ihm, als wäre er selbst krank, als wären seinen vorsichtig geäusserten Bedenken erste Anzeichen eine hoffnungslosen Erkrankung, da kommt ihm eine irre Idee: Nike muss ihn retten.
Er fragt sich tatsächlich, habe ich nicht schon genug andere gerettet, könnte sich nicht mal jemand anders darum kümmern. So als wäre er das Opfer der ganzen Sache, als hätte er es nicht gewollt, sondern die Entscheidung läge ganz bei den Sachzwängen der Industrie. Die Sache ist so verfahren, er weiss sich keinen Rat und eines Tages, ist er nirgendwo mehr in den Hügeln mit ihren Stechpalmen zu finden.
Nike wird behaupten, dass sie einen Schutzengel hatte, jemand der auf sie aufgepasst habe. Jemand der verhindert habe, dass sie die vergifteten Augentropfen nimmt, jemand, der einen Schatten beseitig hätte, der ihr schon Angst gemacht habe, ein Schutzengel. Jemand, der sie mit einem teuren Anwalt zusammengebracht hat. Sie behauptet steif und fest, dass sie genau wüsste, wer der Schutzengel gewesen ist. So fest, dass, als ihr das Unmögliche gelungen ist, was nur in den Filmen der Branche geschieht, aber niemals im wirklichen Geschäft, dass ihr der Preis für das beste Originaldrehbuch verliehen werden soll, da sagt sie, es täte ihr sehr leid, aber sie könnte den Preis nur annehmen, wenn Fritz Itzenblitz verziehen würde. Als dann zögerlicher Applaus aufkommt, keiner hatte so richtig verstanden, was sie da meinte, da kommen ihr die Tränen. Und als die Tränen kommen, da ist alles wieder so, wie es doch sein sollte. Als müsste man den Preis noch mit Tränen tränken, damit es wahr wird. Und alles was wahr ist, soll auch wahr werden, wäre das nicht schön?
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konstivonderalm · 5 years ago
Text
Das Originaldrehbuch Teil 1
Von Konstantin Schemat und Dominica Schemat
Nikes Notrufe
In der 110 Notrufzentrale der Polizei in Berlin:
Cord: Schneiderlein auf der 4
Fritz Itzenblitz übernimmt: Schneiderlein, heute ist hier eine Menge los wegen dem Regionalderby, ruf doch um vier noch mal an.
Nike Schneider: Sie interessieren sich für Pferde?
Fritz Itzenblitz: Nein, keine Pferde, Fussball.
Nike Schneider: Ich mag auch Fussball (extrem leise) wenn es unbedingt sein muss.
Fritz Itzenblitz: Also dann um vier.
Nike Schneider ruft um 4 noch einmal an: Die eine Mannschaft spielt mit dem Kopf des Kapitän der anderen Mannschaft Fussball, aber der Kopf ist nur ein Modell behaupten sie, können es aber nicht mehr vorzeigen, da geht die Polizei routinemässig zu dem Typ, dessen Kopf fehlt, und sie finden ihn nicht mehr.
Fritz checkt nebenbei seine emails: Echt jetzt?
Nike in kindlich erstauntem Ton: Sie haben den Kapitän der anderen Mannschaft nicht gefunden.
Fritz blickt von seinem Handy auf und flüstert in sein Hedset: Klarer Fall von: Nicht gefunden, weil verschwunden.
Nike: Aber die Polizei ist nicht dumm.
Fritz: Ach nein? Das freut mich immer wieder zu hören.
Nike: Sie vermuten eine PR Aktion.
Fritz: So, eine PR Aktion.
Nike: Zwischen den beiden Vereinen. Eine abgekarterte Sache.
Fritz: Aber der Kapitän bleibt verschwunden.
Nike: Ist das nicht seltsam?
Fritz: Soll ich einen Peterwagen schicken? (Fritz Itzenblitz weiss, dass sie das lieben, alle Verrückten, wenn er das sagt, auch wenn sie nicht so irre sind, zu wissen, dass nichts geschehen wird.)
Doch stop, das geht hier zu schnell. Fangen wir bei Fritz Itzenblitz aus der Notrufzentrale Berlin an. Fritz kommt auf aus einem kleinen Tal hoch in den Alpen, und ist dort bei seiner Mutter, einer krankhaften Narzistin aufgewachsen, die ihn abgerichtet hat. Er hat natürlich seine Mutter trotzdem geliebt, aber gewundert hat er sich doch, als Kind, dass sie mit so wenig zufrieden war. Dass sie keine echte Liebe brauchte, sondern nur eine Art Sklaven. Er hätte das nicht sagen können, ihm war das überhaupt nicht klar, aber er hatte das Gefühl, dass seine Mutter sehr bescheiden war. Weil sie all diese Dinge von ihm verlangte, wie beim Essen keine Geräusche mehr zu machen. Und das war doch wirklich nicht viel wert, einen Sohn zu haben, der lautlos essen konnte. Nun gut, es klappte nicht bei jedem Essen, man konnte kein Fleisch ohne Geräusche essen, aber er lernte es Kartoffelbrei ohne Geräusche zu essen, jedenfalls fast. Und dann war es etwas anderes, er sollte nichts grünes mehr anziehen, obwohl grün doch seine Lieblingsfarbe ist. Und er warf alles grüne in die Tonne, sein grünes T-Shirt und seine grüne Badehose, sogar die grünen Blätter der Geranien zupfte er ab.
Mist, das mit den Geranien war falsch, warum nur, sie sind doch auch grün? Er wollte das gerne von seiner Mutter erfahren, aber sie sagte es ihm nicht, sie hatte nicht die Zeit für lange Erklärungen. Denn sie musste sich schnell ein neues Verbot ausdenken: Wenn Du nicht immer die Zahnpastatuben so ausdrückst. Fritz wusste, es nutzte nichts, wenn er sie fragte, wie er die Tube denn ausdrücken sollte, er benutzte einfach keine Zahncreme mehr, und wartete auf das nächste Verbot, was sicherlich bald von seiner Mutter verhängt wurde.
Er überlebt seine Mutter, indem er immer mit dem Mädchen von weiter unten, den Hang hinunter, Vater Mutter Kind spielte. Seine Mutter nennt das Mädchen, die Hirnbombe, weil sie einen grossen Kopf hat. Dann lacht sie wie ein Pferd. Jetzt darf Fritz nicht mitlachen und natürlich auch nicht fragen, was denn eine Hirnbombe sei, denn ihm ist an dem Mädchen nichts besonderes aufgefallen. Der junge Fritz hat die seltene Angewohnheit, alles so zu nehmen, wie es ist. Vielleicht ist das etwas gutes, wenn man so eine Mutter hat.
Das Mädchen von unten, die Hirnbombe, mit ihrer endlosen Geduld für dieses langweilige Vater Mutter Kind Spiel wird die Retterin von Fritz sein. Erst hilft ihm das nichts, weil er immer der Vater sein soll, da ist nichts zu machen. Und ihr Teddybär ist das Kind. Und die Begründung ist, dass der Teddybär eben noch so klein ist. Das Mädchen, Beate ist ihr Name, sagt, immer der grösste muss der Vater sein, alles andere erlaubt die Polizei nicht. Aber als er dann den RiesenTeddybären auf dem Rummel gewinnt, und verhindert, dass seine Mutter ihm das Stofftier stehlen kann, um es ausser seiner Reichweite einzulagen, in dem doppelt verschlossenen Zimmer, bei den anderen SadistenTrophäen, ganz oben auf dem Regal, da kann er das Kind spielen. Es gab unglaublichen Ärger, seine Mutter hat ihn geschubst, selbst als er die Pfanne mit dem heissen Öl in der Hand hatte, sie hat ihm eine Untertasse an den Kopf geworfen, weil er den Teddybären nicht wieder gefunden hat, den sie doch für ihn aufheben wollte. Aber es hat sich gelohnt, denn die Brandwunde wird nun von seiner Freundin Beate behandelt. Und der RiesenTeddybärPapa ist auch besser, als überhaupt keiner. Auch wenn er sich erst noch an das Mutterspiel gewöhnen muss, weil es sich komisch anfühlt, weil die Trauer, die in ihm aufsteigt, wenn er das Kind ist. So völlig reisst es ihn weg, kleinste Freundlichkeiten, sind wie eine Lawine, begraben ihn unter sich. Und dann ist da noch ein Gefühl, dass er ein Verbrechen begeht, seine Mutter würde fuchsteufelswild werden, wenn sie ihn dabei erwischen würde, dass er nun das Kind sein kann. Denn nichts hassen Sadisten mehr, als wenn ihr Plan nicht aufgeht, dann zieht es sie richtig runter und wenn sie sich dann davon erholt haben, und sie erholen sich immer, dann machen sie dich fertig. Aber auch Beate hat ihren Preis, denn sie will einmal Krankenschwester werden, und wenn Du willst, dass sie richtig die Mutter spielt, dann brauchst Du eine Wunde. Das braucht nichts Grosses zu sein, eine einfache Schürfwunde reicht aus, aber ein bisschen dreckig muss sie schon sein, damit sie sich entzündet. Dann zieht Beate immer die Luft zwischen den Zähnen ein, macht die Wunde sauber und verbindet sie neu und er kann wieder ein richtiges Kind sein.
Wenn Fritz als Kind etwas gelernt hat, man bekommt schon, was man will, aber man muss lange dafür laufen, und manchmal muss man wieder zurücklaufen, um endlich voranzukommen, man muss um viele Ecken schleichen, durch Tunnel kriechen, tiefe dunkle verborgene Schächte, man muss klettern, richtig hoch klettern, bis einem schwindelig wird, weil man sich ganz oben, nur an den Wolken festhalten kann, was nicht leicht ist, und vielleicht muss man dann auch noch ein ganz kleines Stückchen fliegen, wobei es noch eine sehr strenge Regel gibt: Fliegen wird nur dann gezählt, wenn man es schafft, nur mit der Hilfe der eigenen Arme abzuheben. Du musst Dir keine Flügel wachsen lassen, es reicht schon aus, wenn du nur ein winziges Stück fliegen kannst, ein cm kann manchmal schon reichen, wenn du es nur schaffst, allein mit der Kraft rudernder Arme abzuheben, was gar nicht leicht ist. Aber am Schluss nach all den Prüfungen findet man genau das, was man wollte. Was Brit seine erste echte Freundin, viel später, niemals verstanden hatte, und was er, obwohl er sie verehrt hat, ihr auch nicht erklären konnte, weil sie ihn nicht bestrafen wollte, weil sie das mit den Umwegen nicht so richtig hin bekam, obwohl sie ihn liebte, oder auch gerade deshalb.
Fritz war nicht enttäuscht, als er Nike an der Stimme wieder erkannte, er war noch nicht mal überrascht. Zu viele eigenartige Dinge waren in der Zeit beim Notruf in Berlin vergangen, dass er noch überrascht werden konnte. Na ja, über sein Interesse an ihr, war er doch überrascht, wie er fasziniert war, wie hoch konzentriert sie auf ihre innere Welt war. Er sah sich ihr Gesicht in der Polizeidatenbank an und obwohl sie jung war, hatte ihr Haar schon graue Schläfen. Was er auch sah, jemand musste sie beschützen. Er konnte es sehen, soviele Geschichten loderten in ihrer Phantasie auf, so viele wurden neu geboren, man musste einen eigenen Notruf nur für sie bauen, eine eigene Einsatzzentrale. Ein Kollege zog Fritz damit auf, dass er in der Freizeit nichts mit sich anzufangen wusste, und erst recht nicht im Urlaub und empfahl ihm immer Kriesengebiete als Urlaubsziel, wenn er mal so richtig entspannen wollte. Vielleicht hatte der Idiot recht, denn als er in Nikes Gesicht sah, hatte er das Gefühl, dass es auf der Welt nichts gab, keine Grausamkeit, keine Niedertracht aber auch keine Heldentat, keine Grosszügigkeit und auch kein Vergeben, die es nicht auch in Nikes Gesicht und ihren Gedanken gab. Zum ersten Mal nach langer Zeit verschwand die Unruhe aus Fritzens Leben. Zum ersten Mal erlebte er, was wirkliche Seelenruhe ist, inmitten einer lärmenden Bar, kurz bevor sich der Konflikt anbahnte, denn jemand anders, ein Boxer Typ, mit zum Angriff vorgeklappter Stirn, schien sich auch für Nike zu interessieren und versuchte Fritz ein Loch in die Fresse zu starren, wie man so sagt.
Und so wurden sie ein Paar. All das Werben all das JaUndNein fiel vollkommen aus. Er endet mit ihr in seinem Bett. Sie trugen noch ihre Strassenkleidung, und er hatt nur die Überdecke über sie geworfen, während er sie im Arm hielt, und ihren Geschichten zuhörte. Ihn quälte etwas das schlechte Gewissen, als er aufwachte, so gut ausgeschlafen hatte er noch nie zuvor, und diesen Schatz in seinem Bett sah. Ganz nah ging er an ihren Mund heran, um zu hören, ob sie noch weiter redete. Aber auch sie schien etwas bei ihm gefunden zu haben, wenn er sich auch nicht sicher war, was das sein könnte.
Und als sie dann wach waren, und frühstücken, da wollte sie erst nichts essen, und schon wieder überkam Fritz die Sorge, wie ein Regen aus Blei, gegen den er erst ankämpfen musste. Er holte Croissants, und begann sie, während sie sprach mit kleinen Stückchen zu füttern, was eigenartigerweise funktionierte. Mit Glück war das Gefühl was Fritz empfand nicht mehr zu bezeichnen. So sehr war er davon überzeugt, dass, wenn ihm schon so etwas grossartiges wie Nike wiederfahr, dann würde sie gleich sterben, und verhungern, war da die wahrscheinlichste Option, so zierlich wie sie war.
Aber sie war zu seinem Glück zugänglich.
Als er ihr locker auf den Mund küsste, so wie man es vielleicht machen würde, wenn man sich länger kennt, um sich so guten Morgen zu sagen, da sagte sie sehr leise, kaum hörbar: Langsam, ich kann nur langsam.
Und da schloss er die Augen und bewegte sich nicht mehr wartete ab was geschieht, er musste ziemlich lange warten, bis sie zu ihm sagte: Du bist doch nicht auch verrückt?
Das fand er einen erstaunlichen Satz. Und auch wenn er es jetzt wollte, die Augen wieder öffnen, er war auf eine Art zu weit gegangen, und auch zu neugierig, was sie wohl als Nächstes tun würde. Langsam näherte sie sich ihm, fasste sein Haar an, fuhr mit den gespreizten Finger hindurch. Und als er eine Gänsehaut bekam, da fiel ihr das gleich auf, und sie hängte ihm einen Mantel über, damit er es wärmer hatte. Das waren alles, zu Fritzens Glück, ziemlich vernünftige Dinge. Jetzt nur noch eins, er fasst sie am Genick, ganz sanft, zog sie ein Stück zu sich heran, und als er sie losliess, legte sie das letzte Stück bis zu seinen Lippen ganz selbstständig zurück. Er zweifelte das erste Mal daran, ob er ihre Stimme wirklich richtig erkannt hatte, war das die Nike, die ihn in der Notrofzentrale die Nachmittage mit ihren surrealen Geschichten verkürzte, oder war das nur eine junge Frau, eine Fremde, aus einer Bar?
Fritz ist verwirrt, als weitere Anrufe von Nike eingehen. Er fragt sich: Hat sie noch eine Schwester? Oder ist sie das? Hat sie eine multiple Persönlichkeit? Da ist er sich fast sicher, bis er nach einiger Recherche klüger ist: Multiple Persönlichkeiten gibt es fast ausschliesslich im Kino.
Als sie sich nicht mehr meldet den nächsten Tag, und sich auch niemand meldet, an ihrer Adresse, da nutzt er das Informationssystem der Polizei, und dann muss er feststellen, dass seine geliebte Nike auf Bonnies Ranch eingeliefert wurde (Bonhöfer Nervenklinik).
Er braucht nicht lange zu überlegen, um zu wissen, was er tun soll. Er schnappt sich seine alten Asterixhefte, kauft noch eine Flasche Rotbäckchen, eine Tüte bestes Studentenfutter und eine Schachtel schweizer Pralien, auf dem Weg zu Klinik kauft er ihr noch einen Blumenstrauss mit Anemonen. Leicht durchgeschwitzt, als hätte er die Blumen selbst in einem Schneefeld in den Alpen gepflückt, kommt er an der Nervenklinik an.
Sie hat gar keine Augen für ihn, sondern dreht ihm den Rücken zu und blickt auf die Wand.
Fritz will den Arzt sprechen. Der verweist ihn an den Oberarzt und der hört sich scheinbar desinteressiert an, was Fritz zu sagen hat und sagt dann: Sie wollen sie also gleich mitnehmen.
Fritz nickt.
Der Oberarzt fixiert ihn ganz genau, damit ihm keine Reaktion entgeht und sagt dann: Bedauere, bei uns geht das nicht so einfach, wie im Tierheim.
Fritz steckt diesen gezielten Schlag gut weg und sagt: Ich werde ihr einen Anwalt besorgen.
Oberarzt: Das brauchen sie gar nicht, so stabil wie sie sind. Vielleicht klappt das wirklich. Aber sie brauchen schon noch ihre Zustimmung, O.K.
Fritz: Hätte da nicht ein Anschlusswitz mit dem Tierheim gut gepasst?
Oberarzt: Ja, das ist bedauerlich, dass ich den auslassen musste.
Fritz: Manchmal steht einfach das Wohl der Patienten im Vordergrund.
Oberarzt: Sie sagen es, also was ist nun, turteln wir hier noch ein bisschen weiter, oder gehen sie zu ihre Freundin und fragen sie mal, was sie davon hält?
Eine halbe Stunde später ist Fritz wieder beim Oberarzt, er ist erschöpft und enttäuscht und der Oberarzt ist nicht mehr spassig. Fritz sagt: Sie will sich erst einmal hier ausruhen.
Oberarzt: Gut, von mir aus.
Fritz: Sie wussten, dass sie das sagt!
Oberarzt: Hm, was wäre dabei, wenn sie sie erst mal ein paar mal besuchen können. Wie lange kennen sie sich eigentlich?
Fritz: Ich kenne sie drei Jahre!
Oberarzt: Und dann bekommen sie das erste Mal mit, dass sie Probleme hat?
Fritz: Sie hat bei uns beim Notruf angerufen und Geschichten erzählt.
Oberarzt: Ach so, da waren sie aber noch nicht zusammen?
Fritz: Nein.
Oberarzt: Nun kommen sie schon, ich finde das gut, sie scheinen ihr gut zu tun, das ist kein vollständiger Zusammenbruch, sie braucht jetzt Ruhe, wir stellen die Medikamente neu ein, das braucht ein bisschen. Kommen sie noch ein paar Tage vorbei, hm? Dann sehen wir weiter.
Fritz: Und ich kann sehen, ob ich mir das antun will?
Oberarzt: Aber nein!
Der Oberarzt fixiert ihn fest und ändert doch die Meinung: Doch, auch deshalb, sonst habe ich noch sie als Patient.
Fritz: Ich bin überhaupt nicht einfach, als Patient.
Der Oberarzt steht auf und lächelt sonnig: Ich will es gar nicht herausfinden, also dann bis morgen?
Der Oberarzt reicht ihm mit einem freundlichen und zuversichtlichen Lächeln die Hand.
Fritz ergreift die Hand, die für einen Oberarzt einen erfreulich festen Händedruck hat und sagt: Bis morgen dann, Doc.
Auf dem Heimweg fällt endlich der Groschen und Fritz sagt zu sich selbst: Sie wollte sich etwas beweisen, deshalb hat sie weiter beim Notruf angerufen.
Und dann versucht sich Fritz vorzustellen, wie schwierig das für sie gewesen sein muss, verdammt schwierig, so als ob jemand mit Höhenangst jetzt Hochseilartist werden will. Und da ist ihm noch etwas klar: Sie mag mich.
Man kann es fast schon Freude nennen, was er empfindet, dass er sie morgen noch mal besuchen kann, und ihren Rücken sehen kann, ihre Haare und wenn es gerade leise ist in der Klinik, dann kann er sie auch atmen hören.
Nikes erste Geschichte: Ich kenne dich doch
Nachdem Nike aus dem Krankenhaus entlassen wurde stellt Fritz die Besuche ein. Seitdem sieht er sie öfter rein zufällig. Es ist fast so wie damals, als er zufällig in der Bar auftauchte, die Nike manchmal besuchte und wo sie so wenig auffiel, wie der Osterhase unter dem Weihnachtsbaum. Nur diesmal war es Nike, von der die Initiative ausging, die an seinen Orten auftauchte, wie auf dem Türkenmarkt am Maybachufer oder auf der Bank hinter dem Bambusgebüsch im Tiergarten. Er weiss nicht so recht, wie er mit ihr umgehen soll, er ist verwirrt über die eigenartige Anziehung, die Nike auf ihn ausübt. Deshalb hat er sich auch fest vorgenommen, sie nicht in seine Wohnung mitzunehmen. Das hat auch alles so weit geklappt, bis er den Summer drückt, weil eine Frauenstimme durch die Gegensprechanlage gesagt hat: Guten Tag, die Gaswerke, es ist wieder so weit.
Noch bevor er sich selbst die Frage beantworten kann, was denn wieder so weit ist, wird ihm klar, das er überhaupt keinen Gasanschluss hat, und überhaupt, diese Stimme ... das wird doch nicht etwa... Da stand Nike schon in einer sehr amtlich wirkenden Latzhose vor seiner Tür. Er sieht sie erstaunt mit einem leicht offenstehenden Mund an und Nike sagt: So, ab hier weiss ich nicht mehr weiter.
Fritz fängt sich und sagt charmanter, als er sich das vorgenommen hat: Bis hierhin ist es aber nicht schlecht.
Nike: Nein? Lässt Du mich rein?
Fritz schiebt die Tür mit seinem Arm etwas weiter auf ohne jedoch den Weg freizugeben, der von seinem Arm noch versperrt ist. Nike bückt sich und schlüpft unter seinem Arm durch, als wäre er eine Blumengirlande.
Fritz schliesst die Tür und folgt ihr, die neugierig aber auch vorsichtig, mit scheuen Blicken, seine Wohnung inspiziert.
Fritz: Und nun?
Nike bleibt stehen steckt sich lasziv den Zeigefinger in den Mund (jedenfalls denkt sie das es lasziv aussieht) und sagt: Nur das übliche, wenn der Klempner kommt und ein Rohr verlegen will.
Fritz wird plötzlich wach, als ob er jäh aus einem süssen Traum erwacht: Wir können das nicht tun.
Nike: Weil ich gaga bin?
Fritz versucht witzig zu sein, ihr müsst selbst sagen, ob ihm das gelingt: Das auch, aber vor allen Dingen kennen wir uns nicht.
Sie sagt: Du glaubst also ich kenne dich nicht. Dann hör mal zu!
Sanft drückt sie ihn auf einen Küchenstuhl, zieht sich selbst einen Stuhl ran, so dass sie halb hinter ihm sitzt und beginnt dem äusserst irritierten Fritz eine Geschichte zu erzählen.
Es ist eine völlig neue Erfahrung, wenn Nike Fritz ihre Geschichten nicht auf seiner Arbeit in der Notrufzentrale erzählt, sondern wenn sie sich an ihn fast schon anschmiegt und ihm die Geschichten ins Ohr flüstert, mit einer eigenartigen Stimme, so als wäre sie schon eingeschlafen, und würde im Schlaf sprechen. Und was noch dazu kommt, jetzt wo sie ihm so nahe kommt, scheint sie ihre Geschichte mit seinem Gedächtnis zu verbinden, zu verweben, als würde man zwei Menschen in einen einzigen Zopf flechten. So kommt es, dass im Laufe der Geschichte, die erste Freundin von Fritz, Sybille, in seinem Bewusstsein wieder auftaucht.
Nike: Ein Junge, Robert heisst er, verliert seine Cousine Julia und sie werfen ihm noch vor, dass er sie verleitet hat, etwas zu wollen, was sie umgebracht hat. Dabei war das Einzige, was er mit ihr tun wollte, vor ihren Mördern zu fliehen. Und Robert war es nicht, der Julia in die Steilwand getrieben hat, er war es, der sie dreimal gehalten hat, als Julia fallen wollte. Aber dreimal Halten ist für viermal Fallen nicht genug.
Und Robert will dann seinen Onkel töten, weil er Julia gequält hat und geschlagen. Weil er sie so lange geschlagen hat, bis sie still am Tisch sitzen konnte, dabei musste sie doch nur mit den Beinen zappeln. Robert kann das überhaupt nicht verstehen, Julia kann so viel zappeln wie sie will, das macht ihm überhaupt nichts aus, weil Robert liebt Julia.
Deshalb tut Robert das Einzige, was er jetzt noch tun kann, er schnappt sich den knorrigen schweren Ast, wo er einen Spazierstock für Touristen raus schnitzen wollte und geht zu dem schändlichen Onkel. Aber der Onkel mobilisiert das ganze Dorf, er schreit um Hilfe, wie eins seiner Schweine, bei dem er sich immer extra Zeit gelassen hat, wenn es zur Schlachtbank geht, er weckt das ganze Dorf auf, er macht ein lächerliches Theater, aber die Dörfler schützen den Onkel, und sie werfen mit Steinen nach Robert, holen die Schrotflinte raus und schiessen auf ihn, während der Onkel zetert, "seht nur, er hat eine Waffe, helft mir, seht nur, das ist der Teufel, er soll mich nicht kriegen". Robert der falsche Teufel mit dem Knüppel in der Hand, denkt sich, "der hat dich schon, der Teufel" und er will nun das ganze unwürdige Dorf ausrotten. Von der Freiwilligen Feuerwehr weiss er, dass sie die Südwinde fürchten, wenn der Regen von Süden gegen den Alpenhautkamm drückt, wenn der Fallwind von den Gipfeln ins Tal stürzt, wenn dann nur ein einziges Haus brennt, dann kann es das ganze Dorf erwischen, wenn der Föhn bläst. Und wenn Robert die Hütten noch mit Benzin getränkt hat... Er hat extra dafür eine von diesen kleinen mobilen Zapfsäulen für Zweitakter geklaut, das brennt noch besser, mit dem Öl drin. Und er weiss auch schon wann er es tun wird, auf dem Feuerwehrfest, das geht drei ganze Tage. Aber da kneift ihn sein Gewissen, denn sie können doch nicht alle böse sein, und er sagt sich. Der Wind soll blasen, dann ist es entschieden, kommt der Föhn, werden sie brennen. Aber steht der Wind, dann werde ich gehen, ohne ihnen ein Haar zu krümmen. Und dann haben sie eine Regenfront für die Südseite der Alpen angesagt und Föhnwetter in seiner Region, im Norden. Deshalb hält er sich bereit. Aber wie er da so in der Scheune sitzt, wie ihre Stimmen von dem Feuerwehrfest zu ihm hineindringen, da wird er ganz weich, denkt an das, was er früher erlebt hat, als seine Eltern noch lebten, da kann er es nicht mehr tun, es geht einfach nicht. Ausserdem sind so viele aus der Stadt im Dorf, die er nicht mit verbrennen will. Er denkt sich: Scheiss auf den Föhn. Er denkt sich: Will ich etwa so sein wie sie?
Aber wie er da aus der Scheune tritt, da erhebt sich ein hysterisches Geschrei: "Da ist er ja", "Los, schnappen wir ihn uns"
Und die Städter, besoffen wie sie sind, fragen nicht lange, sondern sind gleich ganz vorne mit dabei. Nur ganz knapp gelingt Robert die Flucht. Und er hat so üble Wunden, die nicht heilen wollen, von der Axt die ihn getroffen hat, und dem Schrot, was er sich selbst wieder herauspulen musste, dass nur noch eins hilft, um den Eiter aus der Wunde zu treiben: heilender Hass, der tief aus seinem Inneren kommt. Die Vorstellung, wie er sich alle vornimmt, das beschissene Dorf, die noch beschissenere Stadt, das ganze verkackte Land. Als die Wunden endlich trocknen, als sie sich endlich schliessen, als es unter dem Schorf anfängt zu jucken, und schliesslich, als rosa Narben hervorbrechen, da ist es für Robert fast unmöglich seinen Hass wieder los zu werden. Bis er zu Julias Grab geht, sie haben es so mit Blumen erstickt, das totgequälte Mädchen, dass es überall streng nach den Totenblumen riecht, ein scharfer Gestank aus bleichen Blüten. Er muss die stinkenden Blüten zur Seite räumen, um an die feuchte Erde ihres Grabes zu kommen. Jede Nacht wird er wieder kommen, und jede Nacht wird er sich lang auf dem feuchten Acker über seiner Julia ausstrecken, und bevor die Sonne aufgeht, um auch für die unwürdigsten Menschen, die miesen Mitläufer, falschen Eiferer, und kalten Mörder des Dorfes zu scheinen, ist Robert wieder fort. Jeden Tag schliessen sie Lücke auf dem Grab des Mädchens wieder mit den kranken Blumen, sammeln sie alle wieder ein, und werfen noch frische fahle Totenblumen hinterher. Und doch wagt sich niemand der Dörfler in der Nacht auf den Friedhof, weil sie Angst haben, dass die Abrechnung kommt, für ihre feige Grausamkeit. Aber Robert beginnt ganz nahe an seiner Julia zu heilen, innerlich. Nach einer Woche im feuchten Acker mit seiner Julia, kann er sich von ihr verabschieden, ohne auch nur einen einzigen Menschen zur Rechenschaft zu ziehen. Nach einer Woche ist er so sanft und so vergebend, wie seine vermodernde Geliebte in der Erde unter ihm.
Dann kann Robert fort gehen. In dem fremden Land spricht man eine Sprache, die sich nur in der Mundart von seiner Heimat unterscheidet. Auch hier findet er schändliche Menschen, aber er lernt, dass es weniger werden, wenn er aufhört sie zu suchen.
Dann lernt er ein Mädchen kennen, die ihn zum Glauben bringen will, und er möchte sie davon abbringen, ihn zu lieben, weil er weiss, dass er verloren ist, aber sie hat so wunderschöne kirschrote Lippen, so schöne blaue Augen, so schöne braune Haare.
Dann lässt er sich darauf ein, und will mit ihr Sternschnuppen ansehen, weil er auf den Messias wartet, so wie sie, und sie freut sich, weil sie nun glaubt, dass er seinen eigenen Weg zu Gott gefunden hat.
Und später sagt er ihr, als er ganz sanft wird, von den vielen Sternschnuppen, die sich gerade diese Nacht ausgesucht haben, dass sie ihn besser verlassen soll, er würde ihr Unglück bringen, er wäre der Tod und sie das Mädchen.
Und ganz leise fügt er hinzu: Ich habe dich losgelassen, bevor ich dich halten konnte.
Und sie lacht ihn aus, und sagt, dass sie ihn liebt, diesen Spinner.
Aber dann kommt ein ganz anderer Spinner unter den Schatten des Gebüschs hervor, und ruft noch während er auf seine Ex-Freundin mit den weit aufgerissenen Augen einsticht: Verzeih mir, verzeih mir, ich kann einfach nicht ohne dich sein.
Bis Rob begreift, dass ihm eine Freundin durch die Gleichgültigkeit und Grausamkeit genommen wurde, während er die andere durch die Gegenkraft, die Liebe verloren hat, braucht er eine Weile, denn er hat sich ganz tief in sein Innerstes zusammengezogen, wie ein Neutronenstern. Danach will er nur noch eins wissen, ob es besser ist, den Menschen zu helfen, so weiter zu machen, oder ob er ihnen Sterbehilfe leisten sollte. Und da erinnert er sich in seinen finstersten Gedanken, an ein Bibelzitat, heisst es da nicht irgendwo: Das Wort ist Fleisch geworden. Und während er das denkt, hat er das Glück, dass sich ein Fieber seinen Körper ausgesucht hat, ohne das Schutzschild des Fiebers, hätte er seine Gedanken nicht ertragen. Aber mit dem Fieber, wird es auch nicht besser, weil ihn eine Art von Grössenwahn packt, als wäre er es, der den Menschen eine Falle stellen sollte, aus der sie entweder geläutert hervorgehen, oder für immer im friedlichen Schwarz des Kosmos verschwinden. Jeder der sich mit Grössenwahnsinn auskennt, weiss, das nicht der Grössenwahnsinnige derjenige ist, um den man sich Sorgen machen muss, es sind mehr die anderen, die er mit seinem Grössenwahnsinn ansteckt.
Noch gefährlicher ist der Grössenwahnsinn aber, wenn er nicht offen zur Schau getragen wird, sondern wenn er im Verborgenen wirken kann, wenn er Zeit hat zu reifen, und wenn ihn ein kluges Gehirn dabei unterstützt seine Weg in die Zukunft zu finden. So kommt Robert auf ein teuflisches Programm, ein Messias, der nicht gekommen ist um seinen Leidensweg abzuschreiten, auch nicht um zu richten. Nein, es ist ein Messias, der die Menschen mit einer raffiniert ausgeklügelten Falle über sich selbst richten lässt.
Robert studiert jetzt Bioinformatik und arbeitet ununterbrochen an einem KI-Programm, mit dem man den Messias finden kann, den Menschen mit der stärksten Ausstrahlung, eine Art von rhetorisch philosophischen Erlöser; eine KI wacht über alle Profile der Menschen, um ihn zu finden. Und dann soll er beschützt werden, der Messias, damit er die Menschheit retten kann. Doch es gibt viele, die nach einem neuen rhetorischen Talent suchen, einem neuen Mahatma Ghandi einem wiedergeborenen JFK. (Natürlich wissen wir, dass JFK liebessüchtig war, und Mahatma die Unberührbaren vergessen hatte, aber bessere Beispiele finde ich gerade nicht)
Dabei wurde nicht bedacht, es gibt nur eine Gruppe, die die Profile der ganzen Menschheit kennt und so den Messias finden kann. Und sie ist auch die einzige Gruppen, die in der heutigen Welt einen Erlöser beschützen kann, der Militärisch Industrielle Komplex (Auch Mic genannt und Mike gesprochen).
Doch sollte nicht eigentlich der Messias Mic bezwingen?
Der Messias soll die Kräfte der Menschen beherrschen, er soll den Militärisch industriellen Komplex reiten. Und Mics Leute aus diesem Komplex stellen sich sehr widerspenstig an, so wie ein wildes Pferd, sie wollen sich nicht von dem Messias reiten lassen, und er erreicht scheinbar trotz göttlicher Allmacht nur wenig. Für einen Menschen eine Menge, da würde das für dutzende Friedensnobellpreise reichen, locker. Aber für einen Gott ist es eine bescheidene Ausbeute. Und der Messias spürt nicht, dass er das Monster nicht reitet, sondern dass er von dem Monster selbst geritten wird. Weil Mike ist klug. Aber der Erlöser bekommt das einfach nicht mit, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, das widerstrebende Monster zu zähmen, bekommt er gar nicht mit, dass er selbst schon lange gezähmt ist. Dass er von einer KI gesteuert wird, die den Shareholder Value des millitärisch industriellen Komplex erhalten will. Wie diese Steuerung funktioniert, das weiss übrigens weder die KI noch Mike, noch irgendjemand. Und doch, so wird es sein, so geht dann die Welt zugrunde.
Weil Mikes Werk ist die Zerstörung, und der neue Messias, darf uns nur noch retten, wenn er gleichzeitig den Durst auf die Waffe weckt, den Durst auf den letzten Kampf, das Endgame. Dagegen kann auch ein Messias nicht viel machen. Und dann geht alles ganz schnell, und wir sind alle weg. Aber als alle schon im Dreck liegen, verdampft sind, da steht einer noch auf zwei Beinen und das ist Robert, der Mann der die KI programmiert hat, den Messias zu finden, um der Welt die endgültige Rettung oder den unwiderruflichen Untergang zu bringen.
Nike: Na, was hältst Du von der Geschichte?
Fritz streckt sich, als hätte er entspannt geschlafen: Eine schöne Geschichte.
Nike sieht ihn ärgerlich an.
Fritz blickt zurück: Doch wirklich, es fängt erst so klein an, vielleicht sogar ein Missverständnis, und dann artet es immer weiter aus. Finde ich gut. Das ist ein Bergfilm, so ein Heimatbergfilm und ein Hollywood Action Ding in einem, und dann geht es noch um die ganze Welt, weniger darf es nicht sein.
Nike: Das meinte ich nicht.
Fritz: Wie, das meintest Du nicht? Ich sage dass das ein super Film wäre, Du könntest reich damit werden, echt jetzt. Und du sagst, das meintest Du nicht.
Nike sieht Fritz fest an und streicht ein einzelnes vorwitziges Haar aus seinem Gesicht und flüstert: Ich habe etwas gesehen.
Fritz bekommt Gänsehaut und zeigt sie stolz vor: Sieh nur, weisst Du wann ich das letzte Mal Gänsehaut von einem Film bekommen habe?
Fritz holt das Handy raus und fotographiert seine Gänsehaut am Arm und dann ganz schnell und überraschend ihr Gesicht: Oh, schade, jetzt ist es schon vorbei.
Nike nimmt sich das Handy und sieht sich das Bild an und will es löschen, Fritz entwindet ihr geschickt das Handy: Nein, nein, das ist ein Beweisphoto.
Nike: Du verarscht mich.
Fritz: Und wenn, was kannst Du schon tun?
Nike: Weil ich in der Psychiatrie war?
Fritz nimmt sie in den Arm: Weil Du dich weigerst gesund zu werden und die Scheiss Tabletten zu nehmen.
Nike macht sich los und geht wortlos.
Fritz schleicht zu seinem Fenster, bleibt hinter der Gardine stehen.
Nike sieht von unten zu dem Fenster rauf, sie kann nichts sehen, nur die Gardine.
Fritz winkt zum Gruss hinter der Gardine, während er Nike konzentriert mustert.
Nike blickt immer noch in Richtung des Fensters, wo es für sie immer noch nichts zu sehen gibt, dann winkt sie vor ihrem Gesicht, als wollte sie ihm sagen, dass er meschugge ist.
Fritz tritt einen Schritt zurück und bleibt grübelnd stehen.
Am nächsten Morgen meldet er sich krank und zieht sich 1000 Euro aus dem Automaten, steigt in einen Zug, in dem er beim Schaffner die Karte löst und in bar bezahlt.
Der Schaffner schüttelt sanft tadelnd für so viel Verschwendungssucht den Kopf und steckt Fritz freundlicherweise einen Flyer mit den neusten Supersparangeboten der Bahn zu.
Gegen frühen Nachmittag kommt er im Gebirge an. Aber es wird abend, als er endlich die Alm erreicht hat. Jemand hat dort eine Art tibetisches Kloster in klein errichtet, mit Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeit. Alles ist noch ganz neu, das Holz der Wände ist noch ganz hell und riecht angenehm nach Harz, wenn man den Räucherstäbchenschwaden ausweichen kann.
Nachdem Fritz einen Himmalaya Knödel gegessen hat, im Grunde ein Germknödel, aber mit Him-beeren gefüllt, kommt er mit dem Wirt/Koch/Kellner/Abt/Mönch ins Gespräch, der behauptet Katinka zu heissen und im Körper von Ingo festzuklemmen.
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